• Die Folge einer Corona-Infektion kann eine Long-COVID-Symptomatik sein.
  • Die Intensität der COVID-19-Erkrankung ist dabei kein Gradmesser für die Gefahr, anschließend an Long-COVID zu leiden.
  • Allerdings gibt es Menschen mit besonderen Risikofaktoren.

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Auch bei unbemerkter Infektion oder mildem Krankheitsverlauf kann eine SARS-CoV-2-Infektion langfristige gesundheitliche Folgen nach sich ziehen, die als Long-COVID bezeichnet werden. Welche Spätfolgen es gibt, wer besonders gefährdet ist und wo Betroffene Unterstützung bekommen, klären wir in folgenden häufig gestellten Fragen. Das Wichtigste in Kürze:

  • Symptome, die ab vier Wochen nach Beginn einer Infektion mit SARS-CoV-2-Viren auftreten, werden als Long-COVID bezeichnet.
  • Long-COVID kann jeden treffen, der infiziert war, auch bei mildem Verlauf. Häufig leiden Betroffene unter Müdigkeit, Kurzatmigkeit, sowie Geruchs- und Geschmacksstörungen.
  • Ein schwerer Verlauf einer COVID-19-Infektion oder Übergewicht können das Risiko für Langzeitfolgen erhöhen. Die Therapie richtet sich nach den jeweiligen Symptomen.

Was ist das Long-COVID-Syndrom?

Der akute Verlauf einer Erkrankung mit SARS-CoV-2-Viren kann bis zu vier Wochen andauern. Die meisten Infizierten merken allerdings nichts bis wenig von ihrer Corona-Infektion. Aber auch wenig schwer Erkrankte können über die akute Phase hinaus gesundheitliche Symptome haben oder neu entwickeln. Treten direkt nach überstandener Akuterkrankung Symptome und Gesundheitsstörungen auf, spricht man von Corona-Langzeitfolgen, dem sogenannten Long-COVID-Syndrom.

Welche Symptome gibt es genau?

Das Long-COVID-Syndrom umfasst eine große Bandbreite an möglichen Gesundheitsstörungen und Einschränkungen. Zu den häufigsten Symptomen zählt eine schnelle und schwerwiegende Erschöpfbarkeit, die sogenannte Fatigue. Ihre Ursachen sind noch nicht abschließend erforscht, man geht aber davon aus, dass nicht das Virus selbst, sondern das Immunsystem Auslöser dieser Erkrankung sein könnte. Denn die Fatigue kann auch als Begleiterscheinung anderer Virusinfektionen oder bei chronischen Erkrankungen wie Krebs oder Rheuma auftreten und unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

Oft werden zudem Kurzatmigkeit, Engegefühl in der Brust, sowie Muskel- oder Gelenkschmerzen berichtet. Auch neurologische Symptome wie Gedächtnisstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel und Geruchs- und Geschmacksstörungen können auftreten. Betroffene berichten zudem von depressiven Zuständen oder Angststörungen.

Wie unterscheiden sich Long-COVID und Post-COVID?

Eine einheitliche klinische Definition der Begrifflichkeiten gibt es zwar nicht, allerdings wird häufig auf eine zeitliche Unterteilung hingewiesen. Nach der akuten Krankheitsphase einer Corona-Infektion kann ab der vierten Woche die subakute Krankheitsphase folgen, die als "Long-COVID" bezeichnet wird. Gemeint ist ein Zeitraum von vier bis 12 Wochen nach der Infektion, in dem Beschwerden neu auftreten oder fortbestehen. Symptome, die mit COVID-19 oder danach aufgetreten sind und mehr als 12 Wochen nach der Infektion vorliegen und nicht anderweitig erklärt werden können, bezeichnet man als "Post-COVID"-Syndrom. Somit umfasst der Begriff "Long-COVID" sowohl die subakute Phase von vier bis 12 Wochen nach Infektionsbeginn, als auch das "Post-COVID"-Syndrom, das über Monaten anhalten kann.

Wie viele Menschen sind von Long-COVID betroffen?

Unterschiedliche Studien kommen zu unterschiedlichen Zahlen. Ein genauer Anteil von Betroffenen kann deshalb nur schwer angegeben werden. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin geht davon aus, dass etwa zehn Prozent aller Erkrankten von Langzeitfolgen einer Corona-Infektion betroffen sind.

Eine deutsche Studie zu Corona-Erkrankten mit milden Symptomen, die im Juli 2021 veröffentlicht wurde, kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Etwa eine von zehn Personen hat auch Monate nach der akuten Erkrankung mit Symptomen wie Atembeschwerden, Müdigkeit und Geschmacksstörungen zu kämpfen.

Eine neuere Studie der Universität Mainz aus dem Dezember 2021 geht dagegen von deutlich höheren Zahlen aus. Die Untersuchungen der Wissenschaftler uns Wissenschaftlerinnen zeigten, dass bis zu 40 Prozent der mit SARS-CoV-2 infizierten Personen von gesundheitliche Langzeitfolgen berichten, die über mindestens sechs Monaten andauern.

Laut der Initiative Long COVID Deutschland leiden mehr als 600.000 Menschen (Stand 06.12.2021) in Deutschland unter anhaltenden oder neu auftretenden gesundheitlichen Beschwerden nach einer SARS-CoV-2-Infektion. Beschwerden, die über Wochen und Monate nach akuter Corona-Infektion auftreten, stellen für die Patientinnen und Patienten massive Einschränkungen dar. Etwa 45 Prozent der Long-COVID-Betroffenen können nach über 6 Monaten ihrer beruflichen Tätigkeit nicht in Vollzeit nachgehen, 22 Prozent sind sogar arbeitsunfähig.

Wer ist besonders gefährdet, Long-COVID nach einer Corona-Infektion zu bekommen? Kann es auch Geimpfte treffen?

Jeder, der sich mit den SARS-CoV-2-Viren infiziert hat, kann auch Long-COVID entwickeln. Der genaue Krankheitsverlauf, Symptome und Risikofaktoren von COVID-19-Langzeitfolgen sind wissenschaftlich aber noch nicht abschließend erforscht. Allerdings scheint es einige Faktoren zu geben, die bei Betroffenen häufig festgestellt wurden.

Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass Personen, die schwer an COVID-19 erkrankt sind, häufiger auch von Langzeitfolgen betroffen sind, als Personen, die einen milden Verlauf hatten. Auch chronische und psychische Vorerkrankungen gelten als Risikofaktor. Zudem tritt Long-COVID wohl vor allem im mittleren Alter und bei Menschen, die sozial benachteiligt sind, auf. Frauen berichten zudem häufiger von Fatigue nach körperlicher oder geistiger Anstrengung.

Die im Fachblatt "Lancet Infectious Diseases " veröffentliche ZOE Covid-Studie aus Großbritannien weist darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit, nach einer Infektion Long-COVID zu entwickeln, durch eine doppelte Impfung gegen das Coronavirus fast halbiert wird.

Die beste Möglichkeit, sich vor Long-COVID zu schützen, ist nach aktuellem Wissensstand die Vermeidung einer Infektion mit SARS-CoV-2-Viren durch eine Impfung und das Einhalten empfohlener Hygienemaßnahmen. Das bestätigt auch eine neue Überprüfung von 15 internationalen Studien durch die britische Gesundheitsbehörde UK Health Security Agency. Sie zeigt, dass eine Impfung nicht nur vor schweren Symptomen einer Coronavirus-Infektion schützen kann, sondern auch das Risiko möglicher langanhaltender, gesundheitlicher Einschränkungen reduziert. Außerdem gab es Hinweise darauf, dass ungeimpfe Personen, die nach einer Infektion und aufgetretenem Long-COVID-Syndrom eine Impfung erhielten, geringe und weniger starke Long-COVID-Symptome aufwiesen, als Personen, die sich weiterhin nicht impfen lassen wollten.

Long-COVID
Es gibt verschiedene Symptome, die typisch für Long-COVID sind. © infektionsschutz.de/BzgA

Können auch Kinder Long-COVID bekommen?

Auch Kinder und Jugendliche können von Corona-Langzeitfolgen betroffen sein. Allerdings ist die Studienlage hierzu noch unklar und das Krankheitsbild, genau wie bei Erwachsenen, variabel.

Erste Daten zeigen Folgendes: Eine italienische Studie mit 129 Kindern, die an COVID-19 erkrankt waren, von Januar 2021 belegt, dass mehr als die Hälfte der Kinder auch Monaten nach der Infektion über mindestens ein Symptom klagte. Häufig nannten sie Müdigkeit, Schlaflosigkeit und Konzentrationsprobleme.

In der Schweiz kam eine Studie zu dem Ergebnis, dass zwei Prozent der erkrankten Kinder auch drei Monate nach der akuten Phase an gesundheitlichen Langzeitfolgen litten.

Ändert sich die Häufigkeit von Long-COVID nach einer Infektion mit der Omikron-Variante des Coronavirus?

Da Long-COVID als gesundheitliche Beschwerde, die nach mindestens drei Monaten nach einer Corona-Infektion auftritt, definiert ist, kann aktuell noch keine Auskunft darüber gegeben werden, inwieweit Langzeitfolgen auch nach einer Infektion mit der Omikron-Variante auftreten. Erste Aufschlüsse dazu werden im Laufe des Frühjahrs erwartet.

Jördis Frommhold, Chefärztin an der Median-Klinik Heiligendamm und Expertin im Bereich Long-COVID, warnte im Interview mit dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" vor einer großen Welle an Long-COVID-Patienten und -patientinnen. Man müsse allein in Deutschland von mehreren Hunderttausend bis zu Millionen Menschen ausgehen, die Spätfolgen haben werden, sagte sie.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Da Long-COVID eine Erkrankung ist, die noch nicht lange existiert, gibt es aktuell noch keine eindeutige, wirksame Therapie. Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen aber bereits an Therapieansätzen und auch Medikamenten. Betroffene können aktuell versuchen mit verschiedenen Methoden ihre Symptome zu lindern. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Empfehlungen entwickelt, die Long-COVID-Patientinnen und -Patienten bei ihrer Genesung unterstützen sollen. Vor allem die sogenannte “Pacing“-Strategie scheint vielen Fatigue-Betroffenen dabei zu helfen, ihren Alltag zu meistern, ohne die bereits vorhandene Symptomen zu verstärken.

Long und Post COVID: Der Unterschied und typische Symptome

Viele COVID-Patienten sind auch nach einer Infektion noch immer nicht sie selber. Wann man von Long - und wann von Post COVID spricht. Vorschaubild: picture alliance

"Pacing": Wie kann es bei Long-COVID helfen?

Bei “Pacing“ geht es darum, den ohnehin geschwächten Körper nicht zu überfordern und die vorhandenen Kräfte achtsam einzuteilen, um einen Kollaps zu verhindern. Wichtig ist, das eigene, neue Level an Aktivität und Leistungsfähigkeit richtig einzuschätzen und sich nicht mit anderen Menschen und seinem Level vor der Erkrankung zu vergleichen. Körper und Geist werden darauf ausgerichtet, die Kräfte nur für die wichtigsten Dinge aufgespart und Übertreibungen vermieden. Steigt das Energielevel mit der Zeit und lassen die Symptome nach, kann die Intensität gesteigert werden und Betroffene immer mehr in ihren normalen Alltag zurückkehren. Mehr Informationen dazu gibt es hier.

Die Therapie von Long-COVID orientiert sich grundsätzlich an den jeweiligen Symptomen und Beschwerden der Betroffenen. Wer auch vier Wochen nach einer Corona-Infektion gesundheitliche Einschränkungen spürt, sollte die Symptome beobachten und einen Facharzt oder einer Fachärztin aufsuchen. Vielerorts wurden mittlerweile auch spezielle Post-COVID-Ambulanzen errichtet, beispielsweise an den Universitätskliniken München, Berlin, Frankfurt und Jena.

Eine Übersicht von Post-COVID-Ambulanzen in Deutschland gibt es hier.

Experten und Expertinnen verschiedener Fachgesellschaften haben eine Patientenleitlinie erstellt, in der sich Betroffenen und Interessierte über den aktuellen Wissensstand und das richtige Verhalten bei Verdacht oder Diagnose von Long-COVID informieren können.

Verwendete Quellen:

  • infektionsschutz.de: Long COVID: Langzeitfolgen von COVID-19
  • zusammengegencorona.de: Long-COVID und Post-COVID: Langzeitfolgen einer COVID-19-Erkrankung
  • rki.de: Gesundheitliche Langzeitfolgen (Stand: 23. Juli 2021)
  • rnd.de: Long-Covid-Expertin warnt: "Mehrere Hunderttausend bis Millionen Menschen werden Spätfolgen haben"
  • unimedizin-mainz.de: Pressemitteilung, 20. Dezember 2021: "Neue Studienergebnisse belegen häufige Verbreitung von Long COVID-Symptomen nach SARS-CoV-2-Infektion"
  • sciencedirect.com: "Post-COVID syndrome in non-hospitalised patients with COVID-19: a longitudinal prospective cohort study"
  • medrxiv.org: "Preliminary Evidence on Long COVID in children"
  • medrxiv.org: Long-term symptoms after SARS-CoV-2 infection in school children: population-based cohort with 6-months follow-up
  • covid.joinzoe.com: ZOE COVID Study: Double COVID vaccination halves risk of Long COVID
  • Long COVID Deutschland: Fakten und Zahlen
  • Government UK: UKHSA review shows vaccinated less likely to have long COVID than unvaccinated (Pressemitteilung, 15.02.2022)
  • Weltgesundheitsorganisation: Empfehlungen zur Unterstützung einer selbstständigen Rehabilitation nach COVID-19- bedingter Erkrankung Zweite Ausgabe

Hinweis: Dies ist ein Artikel aus unserem Archiv, den wir aus aktuellem Anlass neu aufbereitet haben.

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