• Jedes Jahr infizieren sich Menschen mit Hantaviren, auch in Deutschland. Die Infektionszahlen schwanken dabei jedoch stark.
  • Während 2021 ein sogenanntes "Ausbruchsjahr" mit vergleichsweise vielen Ansteckungen war, wurden für das laufende Jahr bislang nur sehr wenige Fälle gemeldet.
  • Doch wie gefährlich ist das Virus für den Menschen? Und wie kann man sich vor einer Ansteckung schützen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Hantavirus.

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Wie steckt man sich mit dem Hantavirus an?

Es gibt viele verschiedene Hantavirus-Typen, von denen 21 Varianten auch für den Menschen gefährlich werden können. Steckt man sich an, handelt es sich allerdings eher um ein Versehen, denn die eigentlichen Zielwirte des Virus sind Nagetiere und andere kleine Säugetiere. In Deutschland sind vor allem die Rötelmaus und die Brandmaus betroffen, die jeweils unterschiedliche Varianten des Hantavirus übertragen.

Durch Speichel, Urin und Kot infizierter Tiere gelangen die Erreger in die Umwelt, wo sie noch tagelang infektiös bleiben können. Atmet ein Mensch kontaminierten Staub ein, der etwa bei Gartenarbeiten oder beim Aufräumen im Keller oder Dachboden aufgewirbelt wird, kann auch er sich infizieren und erkranken. Das ist laut Professor Hofmann, Leiter des Nationalen Konsiliarlabors für Hantaviren in Berlin, der Hauptübertragungsweg von Hantaviren.

Auch durch den Biss eines infizierten Tieres sei eine Ansteckung möglich, was aber äußerst selten vorkomme. "Ein Übertragungsweg über kontaminierte Lebensmittel ist theoretisch möglich, aber wohl eher die Ausnahme", erklärt Hofmann weiter. Zwar könnten die Viren nachweislich Magensäure überstehen, es gebe bislang allerdings keinen dokumentierten Fall, bei dem dieser Ansteckungsweg belegt wurde.

Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch schließt der Experte zumindest für die hiesigen Varianten weitgehend aus. "Selbst bei infizierten Schwangeren wurde das Virus nicht auf den Fötus übertragen", so Hofmann.

Wie viele Menschen infizieren sich jährlich mit dem Hantavirus in Deutschland?

Die Zahl der bundesweit gemeldeten Hantavirus-Fälle schwankt von Jahr zu Jahr sehr stark. "Grob alle zwei bis drei Jahre gibt es ein gehäuftes Auftreten von Hantavirus-Erkrankungen beim Menschen", sagt Hofmann. Die Infektionskrankheit ist in Deutschland meldepflichtig.

Während 2017, 2019 und 2021 nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) mit jeweils über 1.600 besonders viele Menschen erkrankten, waren es 2018 und 2020 mit unter 300 deutlich weniger. Auch im noch laufenden Jahr dürften die Zahlen moderat ausfallen: Bislang wurden lediglich 43 Erkrankungen (Stand: Ende Juni 2022) gemeldet.

Die jährlichen Schwankungen hängen vermutlich mit der Niederschlagsmenge des Vorjahres zusammen, so Hofmann. "Die Bäume tragen dann mehr Früchte, was wiederum zu einer höheren Zahl von Mäusen führt, unter denen sich das Hantavirus ausbreiten kann." Dementsprechend habe der Mensch ein höheres Risiko, sich zu infizieren. Generell können Hantavirus-Infektionen das ganze Jahr über auftreten, besonders hoch ist die Infektionsgefahr laut RKI jedoch von April bis September.

Wer leidet besonders häufig an Hantavirus-Erkrankungen?

Hantavirus-Erkrankungen treten in allen Altersgruppen auf, allerdings sind Männer etwa dreimal so häufig von einer Infektion betroffen wie Frauen. Eine wissenschaftliche Erklärung dafür gibt es nicht.

"Vermutlich hat es mehr mit dem Lebensstil als mit der Biologie zu tun", so Hofmann. "Männer gehen vielleicht stärker Aktivitäten in der Garage, im Keller oder im Garten nach und haben dadurch ein höheres Expositionsrisiko als Frauen." Laut RKI haben auch manche Berufsgruppen durch ihre Tätigkeit ein erhöhtes Infektionsrisiko, darunter etwa Forstarbeiter oder Beschäftigte im Bauwesen.

Warum herrscht in manchen Orten eine besonders hohe Infektionsgefahr?

Das Risiko, sich mit dem Hantavirus zu infizieren, ist nicht überall in Deutschland gleich hoch. Die Rötelmaus, die das Puumalavirus überträgt, kommt zwar überall vor, jedoch sind die Mäusepopulationen nur in bestimmten Regionen infiziert. Betroffen sind vor allem der Süden und Westen - Teile Bayerns, Baden-Württembergs, Hessens und des Münsterlands.

Die Brandmaus hingegen, die das Dobrava-Belgrad-Virus überträgt, hat ihren Lebensraum hauptsächlich im Osten bis an die Weser. "Dementsprechend sehen wir Infektionen mit dem Dobrava-Belgrad-Virus nur im Norden und Osten von Deutschland." Die Ausbruchsgebiete sind also örtlich stark begrenzt. "Häufig können wir anhand der Virus-Sequenz auf 20 bis 30 Kilometer genau sagen, wo sich der Patient infiziert hat", erklärt Hofmann.

Wie gefährlich ist eine Infektion mit dem Hantavirus?

Wie gefährlich eine Hantavirus-Infektion ist, hängt vor allem vom Virustyp ab. In Deutschland sind vor allem die Varianten Puumalavirus und Dobrava-Belgrad-Virus verbreitet. Beide Virustypen können Hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom auslösen, was zu Nierenversagen führen kann. Dass es dazu kommt, ist laut Professor Hofmann jedoch sehr selten. "Eine Hantavirus-Infektion ist für Menschen in Deutschland in aller Regel nicht sehr gefährlich." Demnach heilt die Erkrankung in den meisten Fällen vollständig und ohne Folgeschäden aus.

Neben dem Virustyp sei aber auch die gesundheitliche Verfassung des Infizierten entscheidend für den Verlauf. "Bei vulnerablen Gruppen, etwa mit schweren Grunderkrankungen und geschwächtem Immunsystem, ist von einem schwereren Verlauf auszugehen als bei einem gesunden Menschen", so Hofmann.

Seit Beginn der Meldepflicht im Jahr 2001 sei lediglich ein Todesfall im Zusammenhang mit einer Hantavirus-Infektion in Deutschland registriert worden. "Die Sterblichkeit ist wirklich sehr gering." Das RKI gibt für das Puumalavirus eine Letalität von 0,1 Prozent an, beim Dobrava-Belgrad-Virus sind es 0,3 bis 0,9 Prozent. "Zum Vergleich: beim Sin-Nombre-Virus in Mittelamerika [einem weiteren Hantavirus-Typ, Anm.d.Red.] liegt die Sterblichkeit bei rund 30 bis 40 Prozent", sagt Hofmann.

Welche Symptome treten bei einer Hantavirus-Infektion auf?

80 Prozent der Hantavirus-Infektionen in Deutschland nehmen einen milden Verlauf, häufig sogar ganz ohne Symptome. "Man bekommt gar nicht mit, dass man infiziert ist", so der Experte. Nach einer Inkubationszeit von etwa zwei bis vier Wochen können unspezifische Symptome wie spontan hohes Fieber, Schüttelfrost sowie Kopf- und Gliederschmerzen auftreten – vergleichbar mit den Symptomen einer Influenzavirus-Infektion.

Daher geht Hofmann davon aus, dass viele Ansteckungen mit Hantaviren übersehen werden. Typisch sei bei Infizierten vor allem ein Anstieg der Serumkreatinin-Werte im Blut. Der Parameter ermöglicht Medizinern eine grobe Einschätzung der Nierenfunktion; dafür muss jedoch eine Blutprobe im Labor analysiert werden und dazu komme bei einem Verdacht auf Influenza zumeist nicht.

Viele Patienten berichteten auch von Problemen beim Wasserlassen, sagt Hofmann. Es könne auch zu Blutbeimengungen im Urin kommen, was jedoch noch kein Hinweis auf einen bevorstehenden Ausfall der Niere sei. "Sehr wenige Patienten pro Jahr müssen wegen einer Hantavirus-Infektion in die Dialyse."

Doch auch wenn die Erkrankung in aller Regel vollständig ausheilt, könnten manche Patienten erst nach Monaten wieder ihrer Arbeit nachgehen. "Das Virus ist zwar längst weg, aber der Allgemeinzustand ist nicht sofort wiederhergestellt."

Wie wird eine Hantavirus-Infektion behandelt?

Eine Impfung oder spezielle antivirale Medikamente zur Behandlung einer Hantavirus-Infektion gibt es nicht. "Patienten in der Klinik werden symptombezogen behandelt. Zum Beispiel wird überprüft, ob die Niere zusätzlich unterstützt werden muss."

Bei besonders schweren Verlaufsformen können sogenannte Bradykinin-Antagonisten eingesetzt werden, um die Anheftung des Virus an die Wirtszellen zu verhindern. Das komme jedoch eher bei den gefährlicheren Virus-Varianten in Nord- und Südamerika vor. "In Deutschland wurde das meines Wissens noch nie angewendet", sagt Hofmann.

Um den genauen Virustyp zu ermitteln, braucht es Molekulardiagnostik, zum Beispiel PCR, wie sie bei Corona-Tests zum Einsatz kommt. Inzwischen gibt es auch einen Schnelltest, der zumindest für Puumalaviren sehr zuverlässig funktioniert.

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Besteht die Gefahr, dass Hantaviren mutieren oder gefährlichere Varianten nach Deutschland kommen?

Die Gefahr, dass die bei uns verbreiteten Varianten Puumala- und Dobrava-Belgrad-Virus mutieren und sogar gefährlicher oder ansteckender werden, hält Professor Hofmann für gering. "Es gibt keinen Hinweis darauf, dass beim Hantavirus viele Mutationen stattfinden würden." Die Viren seien sehr stabil, in einzelnen Ansteckungsgebieten hätten sie sich in den letzten 20 bis 25 Jahre praktisch nicht verändert. "Es besteht kein Selektionsdruck", erläutert Hofmann weiter. Bei Mäusen verlaufe die Infektion chronisch. Sie erkranken nicht, haben keinen Nachteil durch eine Infektion und verbreiten das Virus damit munter weiter. Aus Sicht des Virus ist das von Vorteil. "Ohne Selektionsdruck ist nicht zu erwarten, dass Mutationen oder Resistenzmutationen auftreten", so Hofmann.

Auch dass sich gefährlichere Varianten wie etwa das Sin-Nombre-Virus bei uns ausbreiten, hält Professor Hofmann für unwahrscheinlich. Dieser Virustyp werde von der in Mittelamerika lebenden Hirschmaus übertragen und daher wohl nicht nach Deutschland kommen - "weil es die Hirschmaus in Europa nicht gibt".

Seit Kurzem weiß man allerdings, dass es neben dem Puumala- und dem Dobrava-Belgrad-Virus noch zwei weitere Varianten in Deutschland gibt. "In den letzten Jahren haben wir mehrere Fälle gefunden, bei denen das Seoul-Virus durch Farbratten übertragen wurde", sagt Hofmann. Man geht davon aus, dass infizierte Tiere mit Handelsschiffen von Asien nach Europa gelangt sind. "Das sind Einzelfälle", betont Hofmann.

Wer allerdings Kontakt zu als Haustiere gehaltenen Ratten hat, sollte bei Symptomen aufmerksam sein und einen Arzt aufsuchen. Insgesamt seien Infektionen mit dem Seoul-Virus jedoch weniger problematisch als mit Puumala- oder Dobrava-Belgrad-Virus. Das gelte auch für das vierte in Deutschland vorkommende Hantavirus: das Tula-Hantavirus, das von der Feldmaus übertragen wird. Bislang konnte allerdings nur ein Infektionsfall tatsächlich auf diese Variante zurückgeführt werden.

Wie kann man sich vor einer Infektion schützen?

Generell empfiehlt es sich, das Eindringen von Nagetieren in den Wohnraum zu verhindern. Da die Ansteckung hauptsächlich über kontaminierten Staub erfolgt, sollte man bei Arbeiten auf dem Dachboden, im Keller oder Garten einen Atemschutz tragen.

"Ein feuchtes Tuch vor Mund und Nase schützt davor, kontaminierten Staub einzuatmen. Eine FFP2-Maske wäre noch besser", rät Hofmann. Sofern das möglich ist, sollte das entsprechende Gebiet vorher mit Wasser oder Desinfektionsmittel befeuchtet werden, um das Aufwirbeln von Staub zu vermeiden. "Danach am besten unter die Dusche und die Kleidung in die Waschmaschine, dann kann eigentlich nichts passieren."

Verwendete Quellen:

  • Telefoninterview mit Prof. Jörg Hofmann, Leiter der Nationalen Konsiliarlabors für Hantaviren und Leiter der Virusdiagnostik an der Charité Berlin
  • Rki.de: Hantavirus-Erkrankung - RKI-Ratgeber
  • survstat.riki.de
  • rki.de: Informationen zur Vermeidung von Hantavirus-Infektionen
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