• An vier von zehn Waldbränden tragen Menschen die Schuld – meist durch Fahrlässigkeit.
  • Besonders unachtsame Camper und Waldbesucher verursachen häufig Waldbrände.
  • Ein Waldbrandexperte warnt, die rasante Geschwindigkeit eines Feuers nicht zu unterschätzen und zu allererst immer Hilfe zu holen.

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Selbst einen Waldbrand verursachen? Das halten die meisten von uns für so gut wie unmöglich. Doch öfter als wir denken sind es die kleinen, fast banalen Unachtsamkeiten, die einen großen Brand zur Folge haben können. Denn laut Deutschem Feuerwehrverband gehen wahrscheinlich nur rund fünf Prozent aller Waldbrände auf natürliche Ursachen wie Blitzschlag zurück.

Konstant zunehmende Temperaturen und sinkende Niederschlagsmengen erhöhen zudem das Risiko für Waldbrände in Deutschland für die künftigen Jahrzehnte. Das Wissen über das richtige Verhalten im Wald und mögliche Gefahren wird auch deshalb immer wichtiger.

Ursachen für Waldbrände: Der Mensch ist die größte Gefahr

Karte mit den in den letzten 24 Stunden registrierten Waldbränden in Deutschland.

Die meisten Waldbrände gehen laut Umweltbundesamt auf das Konto des Menschen: In vier von zehn Fällen (39 Prozent) ist die Brandursache nachweislich auf fahrlässiges oder vorsätzliches Verhalten zurückzuführen. Laut Fachleuten liegt der Anteil sogar noch deutlich höher. Zwar sind die Ursachen für viele Waldbrände nicht bekannt (49 Prozent), doch da wesentliche natürliche Ursachen wie Blitzeinschläge, Vulkanismus und Selbstentzündung in Deutschland kaum oder keine Rolle spielen, ist davon auszugehen, dass auch diese Feuer aufgrund von menschlichem Fehlverhalten entstanden sind.

"Mit Sicherheit ist der Mensch der größte Verursacher von Vegetationsbränden. Jeder von uns hat es damit selbst in der Hand, ihre Anzahl und Größe zu minimieren", appelliert Ulrich Cimolino, Vorsitzender des Arbeitskreises Waldbrand des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV).

Achtlose Waldbesucher und Camper

Laut Bundesumweltamt sind die häufigsten Gründe für fahrlässig verursachte Brände unvorsichtiges Verhalten von Waldbesuchern und Campern. Eine achtlos weggeworfene, noch glimmende Zigarette, ein nicht gänzlich gelöschtes Lagerfeuer oder ein Funken des Grills: Unachtsames Verhalten dieser Art im Wald kann massive Konsequenzen haben.

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Doch auch technische Fehler von Wohnmobil-Equipment kann manchmal die Ursache sein. Erst kürzlich machte ein Camper in den USA Schlagzeilen, der durch einen explodierenden Generator einen Waldbrand in Utah auslöste. Ebenso häufig Ursache für Großfeuer: kokelnde Kinder, die aus Neugierde mit Feuer spielen.

Funkenflug in der Land- und Forstwirtschaft

Doch auch wirtschaftliche Aktivitäten in der Landwirtschaft und Holzernte verursachen immer wieder lodernde Wälder. Erst vor wenigen Wochen brannte in Sachsen-Anhalt eine Holzernte-Maschine aufgrund eines technischen Defekts. Das Feuer breitete sich auf den Wald aus, in dem forstwirtschaftlich gearbeitet wurde. 60 Feuerwehrleute mussten anrücken, um das Großfeuer schließlich zu löschen.

Die Gründe für derart ausgelöste Brände sind simpel: "Die forst- und landwirtschaftlichen Maschinen sind insbesondere im Sommer stark belastet. Die Kühler und Lufteinlässe verschmutzen schnell, sie können überhitzen oder durch die metallischen Bodenbearbeitungsgeräte bei ungünstigen Bedingungen oder Schäden auch Funken bilden", erklärt Cimolino vom Deutschen Feuerwehrverband unserer Redaktion.

Heiße Motoren und Auspuffe

Mal eben mit dem Auto zum Spazierengehen in den Wald fahren? Auch dabei gibt es etwas zu beachten. Wer im sehr trockenen Wald bei Hitze sein Auto unbedarft am Waldrand abstellt, riskiert ein Großfeuer. Heißgewordene Abgasanlagen und Motoren entzünden schnell das darunter befindliche Gras oder andere zum Beispiel auf dem Boden liegende trockene Nadelholzzweige. Stellen Sie deshalb am besten Ihr Fahrzeug gar nicht dort ab, sondern nutzen Sie nur offizielle Parkplätze mit befestigtem Untergrund.

Mythos Glasscherbe – was ist dran?

Die Glasscherbe oder weggeworfene Glasflaschen sind laut Cimolino nachweislich hingegen keine Ursachen von Waldbränden. Der Brennglaseffekt, also gebündelte Lichtstrahlen, die zu starker Erhitzung führen, konnte wissenschaftlich nicht als Auslöser nachgewiesen werden. Hier gibt der Waldbrandexperte Entwarnung: "Die Ursache Glasscherbe ist überschätzt und kann deshalb als Mythos oder Legende eingeordnet werden."

Geschwindigkeit eines Waldbrandes nicht unterschätzen

Damit aus einem kleinen Brand kein Großbrand wird, hilft es zu wissen, wie zügig sich ein Feuer verbreiten kann. Ein normaler Waldbrand weist eine Geschwindigkeit von zehn Kilometer in der Stunde auf. Das ist in etwa so schnell, wie wir Menschen in der Stunde rennen können. Buschfeuer kommen sogar auf 22 Kilometer in der Stunde.

"Wie schnell sich ein Waldbrand ausbreitet, ist dabei abhängig vom Wind, der grundsätzlichen Hangneigung und der Neigung des Hangs zum Wind und zur Sonne, der Vegetationsart, der Trockenheit und der Temperatur. Ehe Sie sich versehen können, breitet er sich schneller aus, als Sie rennen können", erklärt Ulrich Cimolino. "Die Geschwindigkeit der Ausbreitung wird leider immer wieder unterschätzt, weil den Menschen wie den Feuerwehren in Deutschland oft die Erfahrung darin fehlt." Um das zu verbessern, gibt der Deutsche Feuerwehrverband regelmäßig Empfehlungen heraus. Ziel ist es, Einsatzkräfte auf die Gefahren und das richtige Vorgehen sowie die richtige Ausrüstung hinzuweisen.

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Richtiges Handeln bei Waldbränden: Erst Feuer melden, dann Brand eindämmen

Damit aus einem kleinen Feuer kein riesiger Flächenbrand wird, ist eine zügige Meldung wichtig. Cimolino rät: "Zuallererst immer die 112 anrufen, das Feuer melden, den eigenen Standort und die vermutete Lage des Feuers genau mitteilen – etwa mit Hilfe von Wegmarken, dem Handystandort oder Ähnlichem."

Erst anschließend sollten Sie versuchen, die Flammen mit Hilfe von Sand beziehungsweise Erde einzudämmen. Belaubte Zweige können ebenso helfen, das Feuer auszuschlagen, solange die Flammen noch unterhalb der Knie lodern, die Fläche noch sehr klein ist und kein starker Wind herrscht.

Doch der Waldbrandexperte warnt eindringlich: "Sobald Sie den Eindruck haben, dass Sie nicht mehr Herr der Flammen werden, bringen Sie sich unbedingt in Sicherheit. Gehen Sie am Hang zur Seite oder nach unten, entgegen oder seitlich zum Wind und möglichst nicht nach oben. Weisen Sie, wenn möglich, danach die gerufene Feuerwehr in die richtige Richtung, damit diese schnell das Feuer löschen kann."

Über den Experten: Dr. Ulrich Cimolino ist Branddirektor bei der Feuerwehr Düsseldorf. Er hat seit 2019 den Vorsitz des Arbeitskreises Waldbrand des Deutschen Feuerwehrverbandes inne. Der Waldbrandexperte promovierte 2014 zum Thema Vegetationsbrandbekämpfung an der Universität Wuppertal.

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Dr. Ulrich Cimolino
  • umweltbundesamt.de: Waldbrände
  • feuerwehr-ub.de: Waldbrandstatistik 2019 | Warum der Wald brennt
  • n-tv.de: Mann löst versehentlich Waldbrand in Utah aus
  • volksstimme.de: Waldbrand im Landkreis Börde wegen flammender Holzernte-Maschine
  • vice.com: Diese Illustrationen zeigen, wie schlimm die Buschfeuer in Australien wirklich sind
  • spektrum.de: Können Glasscherben Waldbrände verursachen?
  • Cimolino, Ulrich (2014): Analyse der Einsatzerfahrungen und Entwicklung von Optimierungsmöglichkeiten bei der Bekämpfung von Vegetationsbränden in Deutschland (Dissertation an der Bergischen Universität Wuppertal)
  • feuerwehrverband.de: DFV-Empfehlung - Fachempfehlung Nr. 3 vom 16. Juni 2020: Sicherheit und Taktik im Vegetationsbrandeinsatz
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