• Zuletzt gab es einige Ankündigungen von "Sandstürmen" in Deutschland.
  • Wetterexperten würden aber eher von Staubaufwirbelungen sprechen.
  • Die Ursachen dafür sind in der Bodennutzung und im Klimawandel zu suchen.

Mehr Wissensthemen finden Sie hier

Zum Wochenende müssen die Bewohner einiger Regionen in Deutschland mit Staub- und Sandaufwirbelungen rechnen. Von einem "Sandsturm“, wie mitunter geschrieben wird, würden die Meteorologen Karsten Brandt und Niklas Weise in diesem Fall aber nicht sprechen. Echte Sandstürme kommen vor allem in Wüstenregionen vor, wie kürzlich im Irak.

Was ist eigentlich ein Sandsturm?

Auf der Website des Deutschen Wetterdienstes wird ein Staub- oder Sandsturm beschrieben mit "Staub- oder Sandteilchen, die durch einen starken und turbulenten Wind kräftig in große Höhen getragen werden“. Dabei könne die Vorderseite eines Staub- oder Sandsturms wie eine breite hohe Mauer aus Sand oder Staub aussehen.

"Sandstürme gibt es fast nur in der Wüste, für Deutschland würden wir eher von einem Staubsturm oder von Staubaufwirbelungen sprechen", sagte der Meteorologe Karsten Brandt im Gespräch mit unserer Redaktion. Das Prinzip sei aber gleich: Es braucht starken Wind und Oberflächenmaterial, das sich leicht aufwirbeln lässt. Je nachdem, wie stark der Wind ist und wie lang er anhält, können solche Aufwirbelungen oder Stürme Minuten oder auch Stunden dauern.

Wo treten diese Aufwirbelungen auf?

Sie treten dort auf, wo es große Flächen mit einem trockenen Oberboden und weit und breit keine Windbremsen, wie beispielsweise Hecken, gibt. Von diesen Flächen gibt es vor allem im Norden und Osten Deutschlands viele. Vor elf Jahren kam es nahe Rostock infolge eines Sandsturms – den man in diesem Fall wirklich so nennen konnte – zu einer Massenkarambolage mit acht Toten.

Konkret sind diese Flächen oft Felder, auf denen gerade nichts wächst, das den Boden festigt, oder Tagebaue.

Wo liegen die Ursachen?

Aus Sicht von Karsten Brandt spielt die Ökonomisierung der Landwirtschaft hier eine wichtige Rolle. “Wenn die Landwirtschaft als Fabrik funktionieren soll und riesige Flächen ohne Windbremsen und Feuchtigkeitsfallen angelegt werden, begünstigt das solche Staubstürme oder -aufwirbelungen.“

Hinzu kommt der Klimawandel: Trockenphasen werden länger und kommen häufiger vor als noch vor einigen Jahrzehnten – vor allem, weil die Temperatur steigt und dadurch mehr Wasser verdunstet.

Wie häufig treten Sand- oder Staubstürme hierzulande auf?

Wie häufig das genau vorkommt, ist nicht dokumentiert. "Man kann lediglich sagen: Es kommt immer wieder vor, dass es Staubaufwirbelungen gibt, die man in Extremfällen als Sand- oder Staubsturm bezeichnen kann“, erklärte uns der Meteorologe Niklas Weise von Wetter Online. Diese Extremfälle sind aber wie gesagt hierzulande selten.

Der Frühling ist die Zeit, wo noch am ehesten damit zu rechnen wäre. Denn viele Felder sind noch nicht bestellt, es regnet wenig und es ist windiger als beispielsweise im Sommer.

"Was wir aber zurzeit haben und für die nächsten Tage im Norden und Osten erwarten, sind starke Böen von 50 bis 60 km/h und nur vereinzelt stürmische Böen von mehr als 65 km/h“, sagt Weise. Einen Sandsturm werde es da nicht geben.

Bei dem Unglück 2011 bei Rostock gab es über mehrere Stunden Windgeschwindigkeiten von 90 bis 100 Stundenkilometern.

Hat so ein Sturm etwas mit dem Saharastaub zu tun?

Nein, denn der Saharastaub fliegt normalerweise in großer Höhe einfach von Süden nach Norden über uns hinweg. "Zum Boden kommt er nur, wenn es regnet. Das sieht man dann zum Beispiel auf den Autodächern", erklärt Niklas Weise. Dann ist der Boden aber in der Regel so feucht, dass der Sand nicht aufgewirbelt wird.

Verwendete Quellen:


  • Telefoninterviews mit den Meteorologen Karsten Brandt und Niklas Weise
  • Website des Deutschen Wetterdienstes (DWD): Glossar Staub-/Sandsturm
  • Deutsche Welle: Schwere Sandstürme suchen den Irak heim
  • NDR.de: Als ein Sandsturm zur Katastrophe wurde