• Das Regenwetter im Mai war zwar für Sonnen-Fans ein Graus, doch für die Natur längst überfällig.
  • Zwar musste die Landwirtschaft aufgrund mit Wasser gefüllter Böden pausieren, doch dafür vertrocknen die Pflanzen nicht - was wiederum mehr Ertrag bedeutet.
  • Dies ist eine erfreuliche Abwechslung zu den gängigen Dürrezeiten, welche der Klimawandel zunehmend verursacht.
Eine Analyse

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Zu schön wäre es gewesen, ab Anfang Mai schon draußen zu sitzen, bei 20 Grad die Füße das erste Mal ins Wasser zu stecken und auch sonst Eis und Cappuccino dem Tee und der Suppe vorzuziehen. Pustekuchen: Regen los, hieß es im eigentlichen Wonnemonat. Und erst jetzt Anfang Juni nimmt der Sommer langsam Fahrt auf.

"Ist der Mai kühl und nass, füllt's den Bauern Scheun und Fass", lautet eine Bauernregel. Was für uns der Graus war, war für die Landwirtschaft und Natur ein Segen. Unsere Böden sind oft viel zu trocken, die frühe Hitze - Klimawandel sei Dank - oftmals der Beginn einer Dürreepisode. Darunter leiden Natur, Tiere - aber auch die Landwirtschaft.

Böden dank Winter bereits mit Wasser gefüllt

Andreas Brömser vom Deutschen Wetterdienst weiß, warum der Regen für die Böden wichtig ist. Ist genügend Grundwasser im Erdreich, vertrocknen Pflanzen weniger schnell - selbst wenn es wochenlang 30 Grad plus hat.

Auch ein nasser Winter gibt schon Hinweise darüber, ob eine Dürre zu erwarten ist. "Nach dem über Deutschland gemittelt durchschnittlich nassen Winter 2020/2021 waren die Böden - abgesehen vom Thüringer Becken bis ins südliche Sachsen-Anhalt - zumindest in den obersten 60 Zentimetern weitgehend gefüllt", sagt der Klimaforscher im Gespräch mit unserer Redaktion.

In einigen Regionen, beispielsweise im Mittelgebirge und im Alpenvorland reichte die Auffüllung laut Brömser noch tiefer. Eine unzureichende Wasserversorgung für Pflanzen und Landwirtschaft ist deshalb dieses Jahr noch lange nicht gegeben.

Doch wie wirkt sich der nasse Frühling auf die Natur aus? Durch die vielen nasskalten Witterungsphasen sind die meisten Böden laut Brömser, der in der Abteilung Agrarmeteorologie beim DWD arbeitet, nur sehr langsam abgetrocknet. "Da die Felder zeitweise nicht mit den schweren Traktoren befahrbar waren, mussten die landwirtschaftlichen Arbeiten teils länger pausieren", sagt der Meteorologe. Eine Traktorfahrt hätte den nassen Boden sonst zu sehr verdichtet. Nichtsdestotrotz seien solche witterungsbedingten erzwungenen Arbeitspausen in der Landwirtschaft relativ normal.

Regen im Mai brachte Entspannung

Der Regen hatte auch sein Gutes. Denn wurde das Wasser im Laufe des Aprils in den obersten Bodenschichten in Süddeutschland knapp, sorgte der nasse Mai für Entspannung.

"Im Moment sind die landwirtschaftlichen Kulturen deutschlandweit zumindest ausreichend, meist jedoch sehr gut mit Wasser versorgt." Bedeutet: Entspannung! "Die Situation hinsichtlich Trockenheit ist dieses Jahr wesentlich entspannter als in den letzten Jahren zu Sommerbeginn, von einer Dürre sind wir derzeit weit entfernt."

Gute Nachrichten für Land und Natur, oder? Nicht ganz. "In den üblicherweise trockenen Regionen Deutschlands wie das Gebiet vom nördlichen Thüringen bis in die Mitte Sachen-Anhalts oder am nördlichen Oberrhein wurde der Boden nach den letzten Trockenjahren nicht bis in die Tiefe aufgefüllt." Die Folge: Viele Wälder leiden unter Trockenstress, die Wurzeln der Bäume müssen in noch trockenere, tiefere Bodenschichten hineinreichen.

Bessere Ausgangslage für Landwirte diesen Sommer

Der Mai sorgte also für kurzfristige Entspannung, die Wärmeperioden der vergangenen Jahre sind dennoch spürbar. Klimawandel auch in Deutschland.

"Im Falle einer längeren trockenwarmen Phase im Sommer lässt sich eine weitere starke Trockenheit mit negativem Einfluss auf die Landwirtschaft nicht ausschließen", sagt Andreas Brömser vom Deutschen Wetterdienst. Dank des nasskalten Mais sei aber die Ausgangslage sehr viel besser als in den vergangenen letzten drei Jahren.

Aufatmen für die Bauern, kleiner Trost für uns. Denn fällt die Ernte größer aus, profitieren schließlich auch wir vom Regen, nicht?

Damit sich Deutschlands Böden regenerieren können, müsste es dauerhaft nass und kühl sein. Ein einmalig nasser Mai reicht da nicht aus. "Damit der Boden besonders viel und nachhaltig Wasser aufnehmen könnte, müsste es wieder länger und anhaltend sowie mit mäßiger Intensität regnen", sagt Brömser. Zudem sollte die Verdunstung durch wenig Sonnenschein, wenig Wind und niedrigere Temperaturen reduziert sein.

Klingt für Sonnenfans schrecklich, für die Natur aber wichtig. Und vielleicht lässt sich ja somit über den nächsten Regentag ein wenig versöhnter hinwegsehen.

Verwendete Quelle:

  • Gespräch mit Klimaforscher Andreas Brömser
  • Deutscher Wetterdienst: Bodenfeuchteviewer
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