Die Nächte auf der Erde werden immer heller, hier in Deutschland und auch im Rest der Welt. Diese Lichtverschmutzung hat schwerwiegende Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt, aber auch auf Menschen.

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Eigentlich sind von der Erde aus bei wolkenlosem Himmel tausende Sterne mit bloßem Auge zu sehen. Doch das ist heute nur noch an wenigen Orten in Deutschland möglich. Denn künstliche Lichtquellen wie zum Beispiel Straßenlaternen, Leuchtreklamen und Gebäudebeleuchtungen strahlen ihr Licht in die Erdatmosphäre und behindern so die Sicht auf die Milchstraße.

Diese Aufhellung des Nachthimmels durch künstliches Licht nennt man Lichtverschmutzung - sie ist besonders stark in Großstädten und deren Umkreis.

Eine Studie der Wissenschaftler Christopher Kyba, Theres Küster und Helga Kuechly zeigt, dass die Lichtverschmutzung in den vergangenen fünf Jahren fast überall in Deutschland zugenommen hat.

Der größte Anstieg – sowohl bei der Lichtintensität als auch bei der beleuchteten Fläche – ist in Bayern und Schleswig-Holstein zu verzeichnen. Thüringen ist das einzige Bundesland, in dem die Nächte dunkler geworden sind.

Für die Abnahme der Helligkeit in Thüringen gibt es bislang keine Erklärung. Ein Grund könnte sein, dass die dort in der Straßenbeleuchtung verwendeten Lampen alt sind und an Leuchtkraft verloren haben.

Ein anderer Grund könnte sein, dass in Thüringen schon moderne LED-Lampen verwendet werden. Deren Licht hat einen hohen Blauanteil und den können die Sensoren des für die Studie verwendeten Messgerätes nicht gut erfassen.

Mit dem Anstieg der Lichtverschmutzung folgt Deutschland einem weltweiten Trend.

Eine weitere Studie unter der Leitung Christopher Kybas vom Deutschen Geoforschungszentrum belegt, dass die Lichtverschmutzung seit 2012 weltweit jedes Jahr um rund 2 Prozent zunimmt.

Auf der Website https://www.lightpollutionmap.info kann man deutlich sehen, dass Europa, Nordamerika und einige Regionen in Asien am hellsten „leuchten“. Innerhalb Europas fallen die Benelux-Länder als eine besonders lichtverschmutzte Gegend auf.

Lichtverschmutzung hat schwerwiegende Folgen für Tiere und Menschen

In Großstädten kommt es vor, dass Vögel mitten in der Nacht zwitschern. Normalerweise beginnen Singvögel damit erst bei Sonnenaufgang.

Der Biologe Franz Hölker vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei leitet den Forschungsverbund "Verlust der Nacht". Er erklärt, dass der Zeitpunkt des Vogelzwitscherns eine große Rolle bei der Partnerwahl spielt.

"Von Meisen weiß man, dass die Weibchen diejenigen Männchen aussuchen, die am frühesten anfangen zu singen. Das verspricht Qualität und Fitness, die können gute Gene weitergeben."

Da die Nächte in Großstädten aber hell beleuchtet sind, wird der Schlaf-Wach-Rhythmus mancher Tiere gestört. Die innere Uhr dieser Meisen-Männchen ist also durcheinander und sie fangen mitten in der Nacht an zu zwitschern.

Die Weibchen interpretieren das als Stärke "Die Lichtverschmutzung kann dazu führen, dass plötzlich der Desorientierte als vielversprechender Lebenspartner ausgesucht wird für den Nachwuchs, nicht der fitteste. Dann geht das in eine völlig falsche Richtung, als es sich eigentlich evolutionär herausgearbeitet hat", erklärt Hölker.

Auch der Schlaf-Wach-Rhythmus von Menschen kann von der Lichtverschmutzung gestört werden. Das belegt eine Studie des Soziologen Christian Vollmer und seiner Kollegen von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg.

Die Wissenschaftler haben die Tagesrhythmen von Jugendlichen in lichtverschmutzten Städten mit denen aus nachts dunkleren Gegenden verglichen. Ihre Untersuchungen zeigen, dass Jugendliche, die von starker Lichtverschmutzung betroffen sind, eher zu Nachtmenschen werden, deren innere Uhr leichter aus dem Takt kommt.

Besonders schwer betroffen von der Lichtverschmutzung sind nachtaktive Tiere. Viele Nachtfalter werden beispielsweise von hellen Straßenlampen angezogen.

Desorientiert fliegen sie dann um die Lichtquelle herum, bis viele erschöpft zu Boden fallen und verenden. Doch diese Falter sind wichtig für ein intaktes Ökosystem, weil sie zum einen Pflanzen bestäuben und zum anderen Nahrung darstellen für andere Tiere.

Für Fledermäuse zum Beispiel. Viele Fledermausarten wiederum, die auch nachtaktiv sind, werden vom Licht abgeschreckt. Die Lichtverschmutzung bedeutet für sie, dass sie sich oft erst später auf Beutefang begeben, da das künstliche Licht ihnen vorgaukelt, es sei noch Tag.

Also bleibt ihnen weniger Zeit für die Jagd, denn die lichtempfindlichen Tiere ziehen sich vor Tagesanbruch wieder zurück in ihre Verstecke.

Gartenbeleuchtung nachts ausschalten

Zumindest im Kleinen kann jeder etwas dafür tun, seinen Beitrag zur Lichtverschmutzung zu begrenzen.

Bei der Gestaltung des Gartens oder des Balkons zum Beispiel, sagt Biologe Franz Hölker: "Wenn man den Garten beleuchtet, dann sollte man nach unten gerichtetes Licht nehmen und keine Kugelleuchten, die nach oben Licht abgeben – die tragen zum Beispiel zu den Lichtglocken über den Städten auch bei. Man sollte nur beleuchten, wenn es notwendig ist. Also nicht die ganze Nacht, wie man es von Solarlampen kennt, die man in den Gärten oft sieht. Da ist kein Mensch draußen und die brennen durchgehend."

Wohnt man in einer Mietwohnung und meint, es gebe bei der Außenbeleuchtung Verbesserungsbedarf, kann man seine Hausverwaltung darauf ansprechen.

Oft sparen weniger lichtverschmutzende Varianten gleichzeitig auch Energie und senken damit die Kosten. Ein Beispiel für nachhaltige Beleuchtung sind Bewegungsmelder, die durchgehend brennendes Licht an Häusern ersetzen können.

Auch der Farbton des Lichtes spielt eine Rolle in Sachen Lichtverschmutzung, erklärt Biologe Franz Hölker: "Gerade im Außenbereich sollte man auf warmweißes oder gelbliches Licht ausweichen, weil Licht mit hohem Blauanteil zum einen attraktiv ist für viele nachtaktive Insekten und zum anderen den Schlaf-Wach-Rhythmus vieler Säugetiere stört, angefangen von kleinen Nagetieren bin hin zum Menschen."

Es ist ein wundervolles Gefühl, anderen Menschen eine Freude zu machen. Freut sich jemand zum Beispiel über das Geschenk, dass wir mitgebracht haben, wird uns selbst ganz warm ums Herz. Aber warum ist das eigentlich so?