Fliegen steht aus Klimasicht besonders in der Kritik. Das will die EU mit einem Maßnahmenpaket ändern: Dazu zählt ein Umweltlabel, mit dem Verbraucherinnen und Verbraucher die Klimabilanz einzelner Flüge besser miteinander vergleichen können. Eine zweite Maßnahme ist die Beimischung nachhaltiger Treibstoffe - und das sorgt unter anderem bei der Lufthansa für Kritik.

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Die EU will den Luftverkehr klimafreundlicher machen. Flüge in der Union sollen künftig mit einem Umweltlabel ausgezeichnet werden. Zudem ist geplant, die Beimischung nachhaltiger Kraftstoffe zum Kerosin vorzuschreiben. Die Maßnahmen sollen dazu beitragen, die EU-Klimaziele zu erreichen, teilten Europaparlament und Mitgliedstaaten nach der Einigung in der Nacht mit. Mit dem Label könnten sich Verbraucherinnen und Verbraucher besser informieren und es werde ein Anreiz für mehr Klimafreundlichkeit gesetzt.

Nach Angaben des Parlaments sollen ab 2025 der erwartete CO2-Fußabdruck je Passagier und die erwartete CO2-Effizienz je Kilometer angegeben werden. "So können Fluggäste die Umweltleistung von Flügen verschiedener Unternehmen auf derselben Strecke vergleichen."

EU: Deutliche Senkung der CO2-Emissionen

Unterhändler des Parlaments und der Staaten einigten sich auch auf die Beimischung nachhaltiger Treibstoffe. Dazu zählen dem Parlament zufolge synthetisch hergestellte Kraftstoffe wie E-Kerosin, aber auch mit erneuerbaren Energien hergestellter Wasserstoff oder bestimmte Biokraftstoffe. "Verglichen mit einem Szenario des Nichtstuns dürften sich allein mit dieser Maßnahme die jährlichen CO2-Emissionen von Luftfahrzeugen bis 2050 um etwa zwei Drittel senken lassen", teilte die Kommission mit.

Ab 2025 sollen laut Parlament mindestens zwei Prozent der Flugkraftstoffe umweltfreundlich sein. Dieser Anteil soll alle fünf Jahre erhöht werden:

  • auf sechs Prozent 2030,
  • 20 Prozent 2035,
  • 34 Prozent 2040,
  • 42 Prozent 2045 und schließlich
  • 70 Prozent im Jahr 2050.

Die Einigung muss noch formell vom Parlament und den EU-Staaten bestätigt werden. "Die Höhe der nun festgelegten Quoten gibt der Branche einen konkreten Fahrplan", hieß es vonseiten der Interessensgemeinschaft E-Fuel Alliance.

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Kritik von der Lufthansa

Die Lufthansa kritisierte das Vorhaben. Die geplante Pflicht, Kerosin in immer größeren Mengen nachhaltige Kraftstoffe beizumischen, führe zu einer strukturellen Benachteiligung von international tätigen europäischen Fluggesellschaften, argumentierte der Konzern. Zudem geht er nach eigenen Angaben davon aus, dass die Pläne keinen Nutzen für die Umwelt haben, da sie zu mehr Flügen über nichtbetroffene Drehkreuze wie Istanbul führen könnten. Dies benachteilige EU-Flughäfen, an denen Passagiere vorrangig umstiegen. Es bestehe die Gefahr, dass der Treibhausgasausstoß nur ins Ausland verlagert werde.

Konkret kritisieren die Lufthansa und der Branchenverband BDL, dass beispielsweise ein Flug über ein EU-Drehkreuz unverhältnismäßig teurer würde. Denn die Vorgaben gelten nicht für Flüge zwischen zwei Drittstaaten. Sprich: Bei einem Flug von Frankfurt über Istanbul nach Hongkong müsste theoretisch weniger der teureren nachhaltigen Kraftstoffe beigemischt werden als bei einem Direktflug Frankfurt-Hongkong.

Die CDU-Europaabgeordneten Jens Gieseke und Hildegard Bentele hingegen sehen in der EU-Einigung viel Potenzial. So betonte Gieseke, dass Deutschland ein wichtiger Produktionsstandort für nachhaltige Kraftstoffe werden könne. Bentele sagte mit, Hersteller hätten nun Planungssicherheit. (dpa/cze)

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