Hangeln, klettern, schwingen: Bei "Ninja Warrior Germany – Allstars" kämpfen sich Muskelmänner und -frauen durch wackelige Kraftausdauerparcours. Das ist spektakulär, spannend, eine erfolgreiche TV-Show und, anders als der Titel vermuten lässt, zum Glück völlig unblutig. Am Sonntagabend lief die zweite Vorrunde.

Christian Vock.
Eine Kritik
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Sieht man sich lediglich den Namen der Show an, ist ein schlimmes Blutvergießen zu befürchten. Da haben wir die sagenumwobenen Meuchelmörder des alten Japans, die im Verborgenen ihrem tödlichen Handwerk nachgehen, denen dann auch noch die Attribute eines Kriegers zugeschrieben werden. Also quasi lautlose Killer mit Haudrauf-Funktion. Und wenn dann auch noch die Allstars, also die Besten, dieser Gattung gegeneinander antreten - mitten in Deutschland - dann muss man vom Schlimmsten ausgehen.

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Zumindest auf dem Papier. Denn in Wahrheit ist die Show "Ninja Warrior Germany - Allstars" an Harmlosigkeit nicht zu überbieten. Das Schlimmste, was den Ninja Warriors hier droht, ist ein Muskelkater am nächsten Tag und ein nasses Trainingsleibchen, wenn sie von einem der Hindernisse ins Wasserbecken stürzen. Und von blutigen Kämpfen, wie der Titel suggeriert, kann bei "Ninja Warrior" auch keine Rede sein, denn hier, so zeigt es zumindest der Zusammenschnitt, gilt zwar Ehrgeiz, aber eben ein gesunder, bei dem sich die Konkurrenten unterstützen und für einander freuen.

Wer bis hierhin nur "Trainingsleibchen" verstanden hat: Es geht um die RTL-Erfolgsshow "Ninja Warrior Germany" in ihrer "Allstars"-Variante, die am Sonntagabend in die zweite Folge ging. Hier treten die Kandidaten nicht auf einem Schlachtfeld, sondern in einem Hindernisparcours gegeneinander an, der Körperbeherrschung, Kraft, Koordination, Kondition, Lösungsorientierung und nicht zuletzt auch ein bisschen Glück erfordert.

So müssen die Kandidaten hier über Wippen, Winden und Wände stürmen und das so schnell wie möglich. Wer es in den vielen Runden und Duellen ins Finale schafft, dem winken nach einem letzten Kräftemessen eine veritable Muskelübersäuerung und 50.000 Euro.

Frank Buschmann: "Man muss es gesehen haben und zwar jetzt"

In Zahlen sieht das Ganze so aus: Jede Vorrunde besteht aus drei Runden. Runde 1 hat 6 Hindernisse, die die 32 "Ninjas" in 16 Duellen überwinden müssen. Die 16 Sieger treten in Runde 2 mit 5 Hindernissen gegeneinander an, so dass sich in Runde 3 8 "Ninjas" in 4 Duellen am "Power Tower" messen und die 4 Finalisten der Vorrunde ermitteln müssen. In der Auftaktveranstaltung in der vergangenen Woche haben es die ersten vier "Ninjas" Max Görner, Stefanie Noppinger, Tobias Plangger und Benjamin Grams ins Finale geschafft, nun sucht RTL am Sonntagabend die nächsten vier Finalisten.

Angetreten sind in Vorrunde zwei unter anderem Elsa Culemann, Stefanie Drach, Paul Mitskevitch, Dennis und Rainer Leiber, Daniel Gerber, Lea Clausnitzer, Astrid Sibon, Adrian Wullweber, Artur Schreiber, Roman Schirillef, Rita Benker, Till Ebener, Mahdi Limper und Christian Range, die Moderator Jan Köppen mit "In dieser Halle tummeln sich Lebensformen in der Form ihres Lebens" in der ihm eigenen Flapsigkeit anpreist.

Sein Kollege Frank Buschmann mag es da traditioneller: "Man muss es gesehen haben und zwar jetzt." Laura Wontorra grüßt derweil vom Parcours-Rand, an dem sie die Kandidaten interviewen wird und damit geht es los, das erste Duell.

Dort steigt Eric Zekina gegen Christian Range in den Parcours und der sieht wie folgt aus: Zuerst geht es über fünf Pfeiler durch ein Wasserbecken, ehe die Kandidaten den Höhenparcours mit einem Riesenrad und jeweils einer Pendelstange überwinden müssen. Danach hangeln sich die Kandidaten an kleinen Rädern über die Strecke, anschließend sprinten sie über wackelige Riesendominosteine.

Die "Pipeline" ist ein Höhenhindernis aus Ringen, ist das überwunden, geht es nur noch über eine unnötig hohe Wand. Danach muss man "nur" noch als Erster das Knöpfchen drücken und schon ist man eine Runde weiter.

"Ninja Warrior Germany – Allstars": "Tut nachher weh"

Eric Zekina schafft genau das und setzt mit 45,18 Sekunden die erste Referenzzeit. "Ich bin völlig fertig", erklärt Zekina. Offenbar so fertig, dass er sich nicht mit Mimik und Gestik, sondern lediglich verbal freuen kann: "Ich freu mich."

Nur unwesentlich euphorischer ist da der Sieger des zweiten Duells, Gabriel Pediconi. Dabei muss der lediglich zwei Hindernisse überwinden, denn sein Duell-Partner Uwe Weitzer rutscht nach dem ersten Hindernis, der Pendelstange, aus und landet im Wasser. "Das war echt schlecht", zeigt sich der Kinderarzt aus Österreich selbstkritisch.

Und was ist sonst noch so passiert, in Vorrunde Nummer zwei? Mit Vincent Feigenbutz nimmt ein Berufsboxer teil. Der hat zwar eine beeindruckende Ganzkörpermuskulatur, aber gegen den erfahrenen "Ninja Warrior" Simon Knitter bereits in Runde eins keine Chance.

Dennis und Rainer Leiber sind nicht nur "Ninja Warrior"-Veteranen, sondern auch Sohn und Vater - und scheiden beide in Runde zwei aus. Philipp Göthert stellt mit 44,77 Sekunden in Runde eins die Bestzeit auf und gewinnt dafür 5.000 Euro.

Und so hangeln, klettern und schwingen sich die Kandidaten so lange durch die Parcours bis sich Eric Zekina, Artur Schreiber, Astrid Sibon und Simon Knitter am Ende für das Finale qualifizieren. Das ist mit Sicherheit kein TV-Format für jedermann, aber Fans von Akrobatik gepaart mit spannenden, aber vor allem unblutigen Wettkämpfen dürften wieder ihren Spaß gehabt haben.

Denn außer ein paar kleinen Kratzern und nassen Trainingshosen haben die "Ninja Warriors" diese Runde ohne Blessuren überstanden und können bis zum Finale ihre Wunden lecken. Denn wie es Kandidatin Elsa Culemann nach ihrem Erstrundensieg formuliert: "Tut nachher weh."

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