Mehr als 300 Fechterinnen und Fechter haben sich in einem offenen Brief an ihren Weltverband und das IOC gewandt und die Wiederzulassung von russischen und belarussischen Athleten scharf kritisiert. Auch mehrere europäische Außenminister wenden sich mit einem dringenden Appell an IOC-Präsident Thomas Bach.

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Mehr als 300 aktive und ehemalige Fechter haben sich in einem offenen Brief an ihren Weltverband FIE und das IOC gegen die Wiederzulassung russischer und belarussischer Sportler ausgesprochen. "Wir fordern Sie in Ihrer Führungsposition im IOC auf, die von Ihnen empfohlenen Suspendierungen der russischen und belarussischen Fechtverbände und Nationalen Olympischen Komitees aufrechtzuerhalten", hieß es im Schreiben.

Hintergrund des Appells ist, dass die FIE am 10. März die Rückkehr russischer sowie belarussischer Athletinnen und Athleten beschlossen hatte. Die IOC-Exekutive will am Dienstag in Lausanne "Leitplanken" für die Rückkehr der zurzeit verbannten Aktiven aus den beiden Ländern in den Weltsport beschließen.

Wiederzulassung wäre "katastrophaler Fehler"

"Dieser ungeheuerliche, einseitige Angriffskrieg und der Bruch des Olympischen Friedens dürfen nicht ignoriert oder gar gebilligt werden. Es wäre ein katastrophaler Fehler, zur Tagesordnung überzugehen", steht im Brief.

Russlands Aggression verstoße "nicht nur gegen die Normen des Völkerrechts, sondern auch gegen die grundlegenden Werte des Olympismus, darunter Frieden, Völkerverständigung, die Achtung der Menschenwürde und der Menschenrechte."

Nach Angaben der Verfasser wurden durch den Krieg bislang "232 Sportler getötet, 343 Sporteinrichtungen zerstört, 40.000 Sportler*innen zur Flucht ins Ausland gezwungen und 140.000 junge Sportler*innen ohne gute Trainingsmöglichkeiten zurückgelassen. Die internationale Gemeinschaft ist sich vollkommen darüber im Klaren, dass im Fall der russischen und belarussischen Sportler*innen die Trennung zwischen Sport und Staat kaum vollzogen werden kann."

Auch Außenminister sprechen sich gegen Wiederzulassung russischer Athleten aus

Die Außenminister von Polen, Großbritannien sowie der baltischen Staaten Lettland, Litauen und Estland haben das Internationale Olympische Komitee (IOC) unter Führung von Thomas Bach aufgefordert, am bestehenden Ausschluss russischer und belarussischer Athleten von internationalen Wettkämpfen festzuhalten. "Wir sind der festen Überzeugung, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt ist", heißt es in einem gemeinsamen Statement.

Hintergrund ist die Zusammenkunft der IOC-Exekutive in Lausanne, die am Dienstag "Leitplanken" für die Rückkehr der zurzeit verbannten Athletinnen und Athleten aus Russland und Belarus beschließen will - auch mit Blick auf die Spiele 2024 in Paris. Laut Statement der Außenminister existiere allerdings "kein einziger Grund", von der bestehenden Exklusion abzurücken solange der Angriffskrieg unvermindert weitergehe.

Russische Athleten werden vom Kreml unterstützt

Die Verfasser betonen, dass es bei dem Ausschluss nicht um die Nationalität der Athleten gehe, sondern um die Tatsache, "dass sie von ihren Regierungen oder Unternehmen gesponsert werden, die das Kreml-Regime unterstützen" oder direkt mit dem russischen Militär verknüpft seien.

Obwohl das IOC noch keine endgültigen Entscheidungen getroffen habe, fordern die Ministerien dringend dazu auf, entsprechende Pläne zu überdenken und zu der "ursprünglichen, bewährten und von der internationalen Gemeinschaft unterstützten Haltung zurückzukehren". Der Weg für Athleten aus Russland und Belarus zurück in die internationale Sportgemeinschaft liege dabei auf der Hand - die Beendigung des Krieges und Anerkennung der international anerkannten Grenzen seien unabdingbare Voraussetzungen. (sid/ska)

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