Leichtathletin Caster Semenya ist vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS gescheitert. Das teilte der CAS auf seiner Website mit.

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Niederlage für Caster Semenya: Die Leichathletin ist mit ihrer Berufung vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS gescheitert. Das gab das Gericht auf seiner Website bekannt.

Semenya kann gegen das Urteil Einspruch beim Schweizer Bundesgericht einlegen, auch der Gang vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ist denkbar.

Semenya selbst reagierte via Twitter auf das Urteil. "Manchmal ist es besser, mit keiner Reaktion zu reagieren", schrieb sie.

Die 28 Jahre alte Südafrikanerin wehrte sich vor dem höchsten Sportgericht in Lausanne gegen eine geplante Regel des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, die Testosteronlimits für Mittelstreckenläuferinnen mit intersexuellen Anlagen vorsieht.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) verwies nach dem CAS-Urteil auf die Komplexität des Falls. "Wie schwierig die Entscheidung des CAS war, ist daran abzulesen, dass die Richter explizit darauf hinweisen, dass die Regel diskriminierend sei, aber argumentierten, dass sie notwendig sei, um die Chancengleichheit im Frauensport zu erhalten", teilte der DOSB auf SID-Anfrage mit.

In Semenyas Heimat wurde das Urteil mit Enttäuschung aufgenommen. Sportministerin Tokozile Xasa machte der zweimaligen Olympiasiegerin aber auch Mut für ihre sportliche Zukunft. "Du bleibst unser Golden Girl. Du hast eine Nation geeint", sagte sie am Mittwoch.

"Wir haben immer gesagt, dass diese Regeln auf den Menschenrechten und der Würde von Caster Semenya und anderen weiblichen Athleten herumtrampeln", betonte das Ministerium für Sport und Freizeit in einer Erklärung. Das Urteil sei "enttäuschend", teilte die Regierung der Kap-Republik mit.

Weltverband will Frauen zu Einnahme von Hormonen verpflichten

Seit 2009 steht die dreimalige 800-Meter-Weltmeisterin und zweimalige -Olympiasiegerin Caster Semenya im Mittelpunkt einer Debatte über Hyperandrogenismus und Intersexualität.

Die IAAF will für Läuferinnen, die auf Distanzen von 400 Metern bis eine Meile starten, einen Testosteron-Grenzwert von fünf Nanomol pro Liter einführen.

Frauen, die innerhalb einer durchgehenden Periode von sechs Monaten höhere Werte aufweisen, sollen diesen durch die Einnahme von Hormonpräparaten dauerhaft senken. Für die IAAF ist dies eine Maßnahme, den fairen Wettbewerb zu garantieren, für Semenya ein Akt der Diskriminierung ihrer Weiblichkeit.

Eine Studie, der zufolge Athletinnen mit höheren Testosteronwerten viel leistungsfähiger sind, ist unter Experten umstritten. Wie komplex der Fall und wie kompliziert die Entscheidungsfindung war, zeigte sich zuletzt noch einmal in der Vertagung der Urteilsverkündung: Es sollte eigentlich am 26. März fallen. Nach einer fünftägigen Anhörung in Lausanne vom 18. bis 22. Februar waren weitere Unterlagen eingereicht gereicht worden.

Menschenrechtsrat verurteilte angestrebte Regel

Dass sich noch der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen zu Wort meldete und die vom Weltverband IAAF angestrebte Einführung einer Testosteronregel für Frauen verurteilte, sorgte für weitere Brisanz.

Der Weltverband will nach eigenen Angaben mit der Regel Chancengleichheit gewährleisten. "Wie viele andere Sportarten haben wir uns entschieden, zwei Kategorien für unseren Wettbewerb zu haben - Männer- und Frauen-Events", erklärte IAAF-Präsident Sebastian Coe.

Es gehe darum, "das Spielfeld zu ebnen, um einen fairen und bedeutungsvollen Wettbewerb in der Leichtathletik zu gewährleisten, wo Erfolg durch Talent, Hingabe und harte Arbeit statt durch andere Faktoren bestimmt" werde.

IOC verabschiedete Transgender-Richtlinie gegen Diskriminierung

Das internationale Olympische Komitee (IOC) hatte vor den Olympischen Sommerspielen 2016 neue Transgender-Richtlinien verabschiedet, die einer Diskriminierung vorbeugen sollten.

Darin hatte das IOC empfohlen, dass soweit wie möglich sichergestellt wird, "dass Trans-Athleten nicht von der Teilnahme an sportlichen Wettbewerben ausgeschlossen werden". Laut diesen Richtlinien werden "keine anatomischen Veränderungen (z.B. eine geschlechtsangleichende Operation, Anm.) als Voraussetzung für die Teilnahme" oder eine Hormontherapie mehr verlangt, um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten.

Frauen, die sich für die Männlichkeit entscheiden, dürfen danach grundsätzlich und ohne Restriktionen in Männerkonkurrenzen starten. Diejenigen, die von einem Mann zu einer Frau wechseln, können nach dieser IOC-Regeln nur unter den folgenden Bedingungen an Frauen-Wettbewerben teilnehmen: Nach dem Identitätswechsel kann in Bezug auf einen Start bei einer Sportveranstaltung das Geschlecht vier Jahre lang nicht wieder geändert werden.

Außerdem muss die Athletin nachweisen, dass ihr Testosteronspiegel mindestens zwölf Monate vor einem Start unter zehn Nanomol pro Liter liegt, um vermeintlich keinen Vorteil in einem Frauen-Wettbewerb zu haben. Dies ist auch der entscheidende Punkt dieser IOC-Empfehlungen und der Klage von 800-Meter-Olympiasiegerin Caster Semenya vor dem Internationalen Sportgerichtshof gegen die "Testosteron-Regel" des Leichtathletik-Weltverbandes.(ank/dpa/afp)

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