Im Viertelfinale der WM zwischen Deutschland gegen Frankreich kommt es auch zum Aufeinandertreffen von zwei der treffsichersten Angreifer des Turniers: Karim Benzema und Thomas Müller. Beide sind für ihre Mannschaften unersetzlich. Was macht sie so gefährlich?

Die Spielweise

Thomas Müller und Karim Benzema: Beide sind prinzipiell mitspielende Angreifer. Benzema besitzt im Vergleich zu Müller den stabileren Körper und kann Bälle auch gegen mehrere Gegenspieler hervorragend behaupten. Selbst mit dem Rücken zum Tor ist der Franzose stets eine Gefahr, weil er explosiv in seinen Bewegungen ist oder den Ball auch unter starkem Gegner- und Zeitdruck zum Mitspieler weiterleiten kann.

Benzema rochiert gerne aus dem Zentrum auf die Flügel. Damit schafft er nicht nur Räume für seine nachrückenden Mitspieler, sondern entzieht sich auch der unmittelbaren Verfolgung der Innenverteidiger. Grundsätzlich kommt Benzema seinen Mitspielern gerne entgegen, um den Ball in die Füße zu bekommen. Aber: Er nimmt sich auch sehr lange Auszeiten und arbeitet bisweilen nur schlampig in der Defensive.

Die internationale Presse schwärmt von Deutschlands WM-Goalgetter.

Müller dagegen gibt dem ohnehin komprimiert wirkenden deutschen Spiel fast als einziger Offensivspieler die nötige Tiefe. Die Laufwege des Deutschen sind mit "unkonventionell" noch schmeichelhaft umschrieben. Manch einer würde behaupten, Müller bewege sich wild und zügellos durch die gegnerischen Abwehrketten.

Seine Technik und Ballbehandlung reichen nicht an die von Benzema heran, auch körperlich kann Müller mit dem Franzosen nicht mithalten. Und trotzdem ist er mit seiner lauernden Art und seinen ungewöhnlichen Bewegungsmustern ein dauernder Stressfaktor für den Gegner. Auch in der Defensivarbeit, wo Müller selbst die weiten und beschwerlichen Wege nicht scheut.

Was beide gemeinsam haben: Sie werden von ihren Trainern nicht ausschließlich im Angriffszentrum aufgestellt, Benzema musste etwa gegen Nigeria auf die linke Außenbahn ausweichen. Und Müller ist lediglich auf dem Papier die deutsche falsche Neun. De Facto spielt er im Mittelfeld und Stürm zugleich.

Bildergalerie starten

We call it a Klassiker

Gegen Frankreich, den deutschen Gegner im Viertelfinale der WM 2014 in Brasilien gab es bereits einige emotionale Duelle.

Die Statistik

Die Statistik spricht für Müller. Mit 13 Torabschlüssen in vier Spielen hat Müller bereits vier Tore erzielt. Darunter zwar auch einen Treffer vom Elfmeterpunkt, aber der will beim Stand von 0:0 gegen Portugal in der zwölften Minute ja auch erst einmal verwandelt werden.

Benzema kennt sich damit nur zu gut aus. Schließlich hat er dieselbe Chance im Spiel gegen die Schweiz in der 32. Minute liegen gelassen. Davor hatte ihm die Fifa ein Tor gegen Honduras "geklaut" und als Eigentor gewertet, um dann einen weiteren Treffer gegen die Schweiz in der letzten Sekunde der Partie auch nicht mehr zu werten.

Inklusive des verschossenen Elfmeters könnte Benzema mittlerweile also schon bei sechs Toren stehen. 25-mal hat der Franzose bisher schon aufs Tor geschossen - kein anderer Spieler der WM hat es öfter versucht. Aber er hat auch schon mehr als ein halbes Dutzend hochkarätiger Chancen liegen lassen.

In der Assist-Wertung liegen Müller und Benzema mit je zwei Vorlagen gleich auf, beide haben bisher auch keine einzige Minute versäumt. Benzema ist gar der einzige französische Feldspieler, der bisher alle Spiele komplett durchspielen durfte.

Die Unterschiede

Benzemas Spiel lebt von seiner Wucht und Dynamik, ohne dabei die nötigen technischen Elemente zu vergessen. Besonders gefährlich ist der 26-Jährige, wenn er mit Tempo in den Strafraum stürmt. Sein satter Torschuss macht ihn auch von außerhalb des Sechzehners brandgefährlich, sein Kopfballspiel ist zudem ausgesprochen gut.

Allerdings können sich die Gegenspieler relativ schnell auf Benzemas Spiel einstellen. Die großen Überraschungsmomente fehlen. Dafür bespielt er die klassischen Disziplinen auf absolutem Weltklasse-Niveau.

Bauernschläue, Instinkt, Torriecher: Müller ist ein Albtraum für die gegnerischen Verteidiger, weil er so schwer zu greifen ist und immer so unscheinbar über den Platz wandelt - um dann plötzlich mit einer kurzen Bewegung oder einem Sprint in eine Position zu gelangen, die ihn für das eigene Tor gefährlich macht.

Er erzielt nur selten technisch einwandfreie Tore, das hat er definitiv mit seinem berühmten Vorgänger Gerd Müller gemein. In der Gesamtheit seiner Eigenschaften ist gebürtige Weilheimer ein Spieler, wie es ihn bei der WM in der Qualität kein zweites Mal gibt.

Das sagen die Gegner

"Deutschland hat eine homogene Mannschaft mit einem großen Torjäger Thomas Müller, der diese WM genauso prägt, wie er das schon 2010 getan hat", sagt Mittelfeldspieler Blaise Matuidi, und Frankreichs Trainer Didier Deschamps sieht in Müller "einen einzigartigen Spieler", der auf der Welt seinesgleichen suche.

Deschamps' Pendant Joachim Löw ist voll des Lobes für Benzema: "Er ist wie zwei Spieler in einem: Vorbereiter und Vollstrecker." Und Manuel Neuer, der in der abgelaufenen Saison bereits unliebsame Erfahrungen mit dem Franzosen von Real Madrid machen durfte, sagt: "Benzema ist einer der besten Angreifer der Welt und das schon seit einigen Jahren."