Vom Bankdrücker zum Hoffnungsträger? Kevin Großkreutz wurde von Jogi Löw im Abschlusstraining als Rechtsverteidiger getestet. Es wäre eine große Überraschung, wenn er in die Startelf rücken würde. Der BVB-Spieler hat bei der WM 2014 in Brasilien noch keine Minute gespielt. So könnte die DFB-Elf heute spielen und worauf sie beim Gegner Frankreich besonders achten muss.

Die Aufstellung. Immer wieder die Aufstellung. Vor jedem WM-Spiel der DFB-Elf ist sie das Diskussionsthema Nummer eins in Deutschland. Für heute Abend scheint Jogi Löw eine Überraschung parat zu haben. Denn die DFB-Elf spielt nicht gegen einen "Karnevalsverein", wie Per Mertesacker zu sagen pflegt. Sie trifft im Viertelfinale auf den Weltmeister von 1998 Frankreich (ab 18:00 Uhr in der ARD und live bei uns im Ticker). Angesichts dessen ist Löw sogar bereit, von seiner viel kritisierten Entscheidung abzurücken, Philipp Lahm als Sechser spielen zu lassen. "Es gibt nie Entscheidungen, die für ewig zementiert sind", sagt der Bundestrainer.

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We call it a Klassiker

Gegen Frankreich, den deutschen Gegner im Viertelfinale der WM 2014 in Brasilien gab es bereits einige emotionale Duelle.

Benedikt Höwedes oder Jerome Boateng auf die Bank?

Damit ist aber nicht gesagt, dass Lahm tatsächlich wieder auf seine alte Rechtsverteidiger-Position in der Viererkette zurückkehrt. Wie die "Bild" berichtet, durfte im Abschlusstraining Kevin Großkreutz als rechter Außenverteidiger in der A-Elf ran. Der BVB-Spieler kam bei dieser WM in Brasilien noch nicht zum Einsatz. Es wäre eine große Überraschung, wenn Löw ihn in die Startelf beruft.

Egal, ob sich Lahm oder Großkreutz hinten rechts einordnen: Entweder Benedikt Höwedes oder Jerome Boateng müssen auf die Bank. Im Abschlusstraining spielte Höwedes in der A-Elf. Fliegt also Boateng aus der Startelf?

Außerdem standen Mario Götze und Bastian Schweinsteiger im Training in der A-Mannschaft. Sollte Löw gegen Frankreich wirklich mit diesem Team auflaufen, würden Sami Khedira und Andre Schürrle auf der Bank sitzen. Der Joker-Torschütze gegen Algerien wird als heißer Kandidat für die Startelf gehandelt.

Neben der Defensive könnte Löw auch in der Offensive umstellen. So ließ er in einem anderen Training Miroslav Klose als Sturmspitze auflaufen. Hier testete Löw im Übrigen Philipp Lahm als Rechtsverteidiger.

Stoßstürmer Miroslav Klose wäre eine Option

Erwartet uns heute Abend statt der "falschen Neun" ein echter Stoßstürmer? Die Maßnahme würde Sinn ergeben. Die Defensive der Franzosen war bisher bei der WM schwer zu knacken. Frankreich blieb in den vier WM-Spielen zuvor dreimal ohne Gegentor. Nur gegen die Schweiz (5:2) fingen sich die Franzosen gleich zwei Treffer. Doch nach 73 Minuten stand es in der Partie schon 5:0. Frankreich ging verständlicherweise nicht mehr mit vollem Elan in die Zweikämpfe.

Sollte Löw tatsächlich auf Klose im Sturm setzen, würde wohl Mario Götze auf der Bank sitzen – trotz des Trainingsspiels in der A-Elf. Er spielte nur im Spiel gegen Portugal durch. Zweimal wurde er aus- und einmal eingewechselt. Vier-Tore-Mann Thomas Müller hingegen ist in der Offensive gesetzt. Außerdem ist es unwahrscheinlich, dass der Bundestrainer auf Mesut Özil verzichtet. Löw vertraut auf das kreative, aber manchmal etwas unberechenbare Genie der DFB-Elf.

Wir haben unsere User gefragt, welche Aufstellung sie bevorzugen. 43 Prozent sprechen sich für eine Variante mit Lahm als Rechtsverteidiger und Klose als Stürmer aus. Hier würde Toni Kroos auf der Bank sitzen. 29 Prozent votierten hingegen für eine Variante mit Großkreutz als Rechtsverteidiger statt Höwedes. Lahm soll auf der Sechs spielen.

Frankreich trat bisher mit geballter Offensiv-Power auf

Egal, wie die deutsche Nationalelf letztlich gegen Frankreich auflaufen wird: Sie muss die starke Offensive der "Equipe Tricolore" in den Griff bekommen. Sie hat im Verlauf des Turniers bereits zehn Tore erzielt und ist mit 192 Angriffen die Mannschaft mit den meisten Offensiv-Aktionen. Außerdem schoss kein Team öfter auf das gegnerische Tor als die Franzosen (77 mal).

Die Elf von Nationaltrainer Didier Deschamps hat sicherlich von ihren Fehlern aus dem Spiel gegen Nigeria gelernt. Mit Karim Benzema und Olivier Giroud bot er zwei starke Individualspieler in der Offensive auf, doch das Duo harmonierte nicht. Erst als Giroud auf die Bank musste und Antoine Griezmann ins Spiel kam, funktionierte das Offensivspiel der Franzosen. Es ist wahrscheinlich, dass Deschamps gegen Deutschland von Anfang an auf Griezmann und Benzema setzt. Zusammen mit Mathieu Valbuena bilden sie ein brandgefährliches Trio.

Im Spielaufbau und bei der Zweikampfquote offenbarten die Franzosen aber in den WM-Spielen zuvor Schwächen. Wenn die deutsche Elf die "Equipe Tricolore" früh stört und die Offensivabteilung nicht zur Entfaltung kommen lässt, könnten die Deutschen ihr Ballbesitz-Spiel aufziehen - und das tun, was sie am liebsten macht: Den Spielverlauf dominieren. Der Schlüssel dazu ist der Zweikampf. Die Franzosen haben im Achtelfinal-Spiel gegen Nigeria fast jeden zweiten verloren. Das wäre vor allem die Chance für die beiden deutschen Sechser, um den Spielaufbau der "Equipe Tricolore" zu behindern.

Didier Deschamps will französische WM-Geschichte schreiben

Frankreichs Nationaltrainer Deschamps ist darauf vorbereitet: "Deutschland hat eine solide Mannschaft, starke Individuen, die den Ball fordern und dem Gegner ihren Rhythmus aufzwingen wollen." Die Favoritenrolle schiebt er deswegen den Deutschen zu. Jogi Löw ließ hingegen ganz andere Töne von sich hören. Der sonst so zurückhaltende Bundestrainer gibt sich vor dem WM-Viertelfinale gegen Frankreich ungewohnt siegessicher. In einer Pressekonferenz verspricht er: "Wir sind unter den letzten Acht und werden unter die letzten Vier kommen."

Deschamps will trotzdem "die schönste Seite" der französischen WM-Geschichte schreiben. Das heißt: Deutschland besiegen und ins Halbfinale einziehen. Doch diese "schönste Seite" will Jogi Löw sicherlich herausreißen.