Die Fanproteste zeigten Wirkung: Plötzlich wollte Blackstone nicht mehr und stieg am Dienstag aus dem Rennen um das umstrittene Milliarden-Investment im deutschen Fußball aus. Die Folgen werden die Bundesliga-Vereine zu spüren bekommen.

Eine Kolumne
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Die Nachricht kam zu diesem Zeitpunkt überraschend: Die Bundesliga verliert einen von zwei Kandidaten für ihr umstrittenes Investorenmodell. Blackstone ließ am Dienstagabend durchsickern, dass das Interesse am Milliarden-Investment erloschen ist: Man wird keine Anteile an den Medienrechten erwerben.

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Die Begründung folgte zeitnah. Nicht nur die andauernden Fanproteste in den Stadien der ersten und zweiten Liga haben genervt, sondern auch die zögerliche Reaktion von einigen Klubs. Aus Angst vor der Gegenwehr im Anhang hatten Vereinsfunktionäre ihre eigene Zustimmung zum Geldregen hinterfragt.

Das Blackstone-Aus trifft die Bundesliga-Bosse um Aufsichtsratschef Aki Watzke wie ein Tennisball an empfindlicher Stelle. Es gibt jetzt nur einen Kandidaten für den Deal: die Beteiligungsgesellschaft CVC, die konkurrenzlos die Konditionen verhandeln kann. Und genügend Erfahrung hat, die Marktlage auszunutzen.

Möglicher Bundesliga-Investor Blackstone zieht sich zurück

Zeigen die massiven Fan-Proteste Wirkung? Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat bei der Suche nach einem Investor einen empfindlichen Rückschlag erlitten. Wie die DFL am Dienstagabend bestätigte, hat sich das Finanzunternehmen Blackstone aus dem Bieter-Rennen zurückgezogen. Damit bleibt nur noch ein möglicher Partner für den umstrittenen Deal übrig.

Schwache Verhandlungsposition der DFL

Genau diese Situation hatten die DFL-Geschäftsführer Marc Lenz und Steffen Merkel verhindern wollen. Die Bundesliga ist jetzt doppelt düpiert. Zum einen: Wenn man nur mit einem Bewerber verhandeln kann, weil jeder andere abgesprungen ist, drückt die geschwächte Verhandlungsposition den Preis.

Zum anderen: Die Protestfans dürfen sich ermutigt fühlen, dass sie die eigenen Vereinsbosse in die Knie zwingen können, wenn man nur ausreichend Tennisbälle wirft und Hetzplakate hochhält. Was wird der nächste Anlass sein? Vielleicht schon die Anstoßzeiten der neuen Medienrechte?

Erst das Nein zum Investorenmodell, dann das verspätete Ja, jetzt der maximal reduzierte Bewerberkreis: Die Bundesliga ist blamiert. Man hat entweder die Stimmungslage in den Kurven falsch eingeschätzt - oder die in den eigenen Reihen. Beides mehrt die Zuversicht bei keinem Investor in der Welt.

Verwendete Quellen:

Über den Autor

  • Pit Gottschalk ist Journalist, Buchautor und ehemaliger Chefredakteur von SPORT1. Seinen kostenlosen Fußball-Newsletter Fever Pit'ch erhalten Sie hier.
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