Wenn sich nach der Heirat einer der Partner für einen Doppelnamen entscheidet, wird dieser bislang durch einen Bindestrich getrennt. Das soll sich nach einem Gesetzentwurf für das neue Namensrecht ändern. Doch nur wenige Deutschen sehen die Möglichkeit tatsächlich positiv, den Bindestrich künftig weglassen zu können, wie eine exklusive Umfrage zeigt.

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Paare, die sich für einen Doppelnamen entscheiden, stehen womöglich bald vor einer neuen Frage: mit oder ohne Bindestrich? Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) verkündete Ende März, den Gesetzentwurf für das neue Namensrecht zur Abstimmung an die anderen Ressorts der Bundesregierung verschickt zu haben.

Verheiratete Paare sollen mehr Spielraum bei Nachnamen bekommen

Tritt die Reform in der vorgesehenen Fassung in Kraft, könnten Eheleute ab Januar 2025 entscheiden, ob sie ihre Namen bei der Wahl eines Doppelnamens mit oder ohne Bindestrich hintereinandersetzen wollen. Das soll Paaren mehr Spielraum einräumen.

Herr Bauer und Frau Schmitz könnten nach der Eheschließung beispielsweise beide Schmitz-Bauer, Schmitz Bauer, Bauer Schmitz oder Bauer-Schmitz heißen. Auch die Möglichkeit, dass beide nur Bauer oder nur Schmitz heißen, bleibt bestehen. Außerdem sollen beide Partner weiterhin ihren jeweiligen Nachnamen nach der Heirat behalten können, sodass es keinen gemeinsamen Familiennamen gibt. Entscheidet sich ein Paar für einen Doppelnamen, tragen diesen dann auch die gemeinsamen Kinder.

Bindestrich oder nicht? Mehrheit der Deutschen hat keine klare Meinung dazu

In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag unserer Redaktion haben wir die Frage gestellt: "Wie würden Sie es bewerten, wenn bei Doppelnamen künftig der Bindestrich weggelassen werden könnte?" Von den 5.017 Menschen, die von 6. bis 11. April auf die Frage geantwortet haben, hat mehr als die Hälfte keine klare Meinung dazu: 51 Prozent stimmten mit "unentschieden".

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Jeder Zehnte würde es "sehr negativ" bewerten, wenn der Bindestrich weggelassen werden könnte, 27 Prozent der Befragten fänden es "eher negativ". Über große Zustimmung kann sich die angestrebte Änderung im Namensrecht also nicht freuen. Gerade einmal acht Prozent fänden es "sehr positiv", weitere vier Prozent "eher positiv".

Befragte mit Grünen-Wahlabsicht befürworten Weglassen des Bindestrichs am meisten

Dass der Bindestrich bei Doppelnamen künftig womöglich weggelassen werden kann, erhält von Befragten, die mit den Grünen sympathisieren, die meiste Zustimmung: 21 Prozent bewerten den Vorschlag positiv.

Anders sieht das bei Umfrageteilnehmenden aus, die beabsichtigen, die AfD zu wählen: Gerade einmal sieben Prozent befürworten den Vorschlag. Auch bei CDU/CSU-Sympathisanten ist die Zustimmung mit neun Prozent gering.

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Vergleicht man die Ergebnisse nach Altersklassen, zeigt sich ebenfalls eine leichte Tendenz. Bei den Befragten zwischen 18 und 29 Jahren haben weniger mit "unentschieden" geantwortet als in andere Altersgruppen. So gaben 20 Prozent der jüngsten Befragtengruppe an, das Weglassen des Bindestrichs bei Doppelnamen als positiv zu bewerten, 40 Prozent stimmten mit negativ.

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Buschmann berichtet von vielen Anfragen

Justizminister Buschmann berichtete zuletzt, dass die geplante Änderung des Namensrecht im Ministerium auf viel Resonanz stoßen würde. "Wir sind überwältigt von den vielen Rückmeldungen zu unseren Vorschlägen zum Namensrecht", sagte er laut einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa). So hätten sich einige Bürgerinnen und Bürger bereits nach Einzelheiten erkundigt.

Die einzige Kritik, die er dazu bislang vernommen habe, gelte der Frage, ob dies ein vordringliches Thema sei. "Natürlich kümmern wir uns weiter um die großen Themen, den Krieg in der Ukraine, die Energie- und Teuerungskrise, den Klimawandel", sagte er dazu. Dennoch werde die Ampel-Koalition auch gesellschaftspolitische Reformen vorantreiben.

Verwendete Quellen:

  • Exklusive Civey-Umfrage "Wie würden Sie es bewerten, wenn bei Doppelnamen künftig der Bindestrich weggelassen werden könnte?"
  • Material der dpa
  • Twitter-Account von Marco Buschmann
Informationen zur Methode: Für die repräsentative Umfrage hat das Meinungsforschungsinstitut Civey die Antworten von 5.017 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Deutschland berücksichtigt. Das Gesamtergebnis ist repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben unter anderem Daten wie Alter, Geschlecht und Wohnort angegeben und wurden registriert und verifiziert. Civey korrigiert Verzerrungen durch ein mehrstufiges Gewichtungsverfahren. Der Befragungszeitraum war der 6. bis 11. April 2023. Der statistische Fehler der Ergebnisse beträgt 2,5 Prozentpunkte. Zusätzliche Informationen zur Methode finden Sie auf Civey.com und im Civey-Whitepaper.
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