Donald Trump könnte bald Oberbefehlshaber der größten Militärmacht der Welt sein. Welche Strategie verfolgt der republikanische Kandidat? Und ist er der Verantwortung gewachsen? Alles ziemlich unklar, sagt ein USA-Experte.

Rund 1,5 Millionen Soldaten, fast 9.000 Panzer, 19 Flugzeugträger und mehr als 2.000 einsatzbereite Atomwaffen: Die USA verfügen über die schlagkräftigste Armee der Welt. Ihr Oberbefehlshaber könnte bald ein Mann sein, den vor allem seine Unberechenbarkeit auszeichnet: Donald Trump.

Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner hat im Laufe des US-Wahlkampfs so ziemlich alle Wählergruppen mindestens einmal beleidigt. Nun hat er sogar eine normalerweise unantastbare Gruppe aufs Korn genommen: die Veteranen.

Erst griff er die Familie eines gefallenen Soldaten an, dann leistete er sich eine unangemessene Bemerkung über den "Purple Heart"-Orden für verwundete Kämpfer. Diese Fehltritte lenkten den Fokus auf Trumps Verhältnis zum Militär - was, wenn einer wie er "Commander in Chief" wird?

Schwer zu sagen, meint Heinz Gärtner, der Chef des Österreichischen Instituts für Internationale Politik im Gespräch mit unserem Portal. Wie in so vielen Bereichen ist Trumps Haltung zum Militär widersprüchlich.

Es wäre eine spektakuläre Wendung im US-Wahlkampf. Medienberichten zufolge arbeiten republikanische Abgeordnete an einem Notplan für den Fall, dass Donald Trump doch noch als Kandidat für die Präsidentschaftswahlen in den USA abspringen sollte.

An der Militärakademie, aber nicht in Vietnam

Im Alter von 13 Jahren besuchte Donald Trump die New York Military Academy. Das war 1959, damals waren noch keine Frauen an der Akademie zugelassen, es herrschte Drill der alten Schule.

Trump selbst behauptet, er sei in seinen fünf Jahren dort einer der besten Kadetten gewesen. Kameraden erinnern sich in einem Artikel der "Washington Post" hauptsächlich daran, dass er immer wieder hübsche Frauen mitbrachte.

Dem Krieg in Vietnam entging Trump dank eines Attests. Ein Arzt schrieb den begeisterten Sportler wegen eines Fersensporns einsatzunfähig. Obwohl er also nie an der Front gekämpft hat, betont Trump immer wieder: "Für mich fühlt es sich so an, als sei ich im Militärdienst gewesen."

In den Medien war der verpasste Vietnam-Einsatz lange kein Thema. "Das verwundert mich schon", sagt USA-Experte Gärtner. Er erinnert an den demokratischen Kandidaten von 2004, John Kerry, der an der Front war, aber in der Berichterstattung aussah, "als hätte er seine Zeit in Vietnam erfunden".

Donald Trump hingegen nahm es sich heraus, nicht nur das Ehepaar Khan [die Eltern des eingangs erwähnten gefallenen Soldaten; Anm.d.Red.] zu beleidigen, sondern auch den republikanischen Senator John McCain, der in Vietnam in Gefangenschaft geraten war: "Er ist ein Held, weil er gefangen wurde. Ich mag die lieber, die nicht gefangen genommen wurden."

Damit könnte er sich bei den Veteranen, die traditionell eher den Republikanern zugeneigt sind, keinen Gefallen getan haben, glaubt Heinz Gärtner. "Andererseits: So oft haben sich die Experten schon geirrt und sein Verhalten hat ihm am Ende doch nicht geschadet."

Kein "Falke", eher ein Isolationist

Das Verhältnis zwischen Militär und dem zivilen Bereich sei in den USA traditionell schwierig, meint Gärtner. Die Präsidenten umgeben sich normalerweise mit Militärberatern, wobei man sich bei Trump nicht sicher ist, wer diese Berater sind – offenbar ist der Ex-General Michael Flynn darunter, der eine Annäherung zu Russland vertritt. "Aber eigentlich hat Trump ja ohnehin gesagt, er brauche keine Berater", so Gärtner.

Er sieht Trump als Isolationisten, der das Militär nur punktuell einsetzen will (zum Beispiel gegen den IS, den er "sehr schnell" besiegen will) und gegen den Hillary Clinton wie eine Vertreterin der militärbegeisterten "Falken" wirkt.

Zwar sagt der 70-Jährige in seinen Wahlkampfvideos, er wolle das Militär "so stark machen, dass sich keiner mit uns anlegen will". Generell betrachtet er die Streitkräfte aber eher durch die Brille des Ökonomen: Immer wieder bringt er einen Rückzug aus der Nato ins Spiel und rät Ländern wie Japan, sich selbst zu verteidigen, statt auf Hilfe aus den USA zu setzen.

Eine legitime Debatte, die Trump nicht erfunden hat, meint Heinz Gärtner. "Allerdings sollte ein Präsident vorsichtiger sein."

Trump und der Atomkoffer

Vorsicht ist allerdings nicht Trumps große Stärke. In einer seiner typischen Tiraden forderte er vor einigen Monaten, gegen Terroristen "Waterboarding" einzusetzen – eine Foltermethode, die US-Gerichte als gesetzeswidrig einstuften. Daraufhin sprachen sogar ranghohe Militärs öffentlich davon, im Falle eines Wahlsiegs von Trump ihrem "Commander in Chief" die Gefolgschaft zu verweigern.

Richtiggehend angsteinflößend ist für viele die Vorstellung, dass Donald Trump über den Atomkoffer gebieten könnte. Auch darauf spielte der noch amtierende Präsident Barack Obama zuletzt in einem Interview an, als er sagte, Donald Trump sei "unfit to serve as a president", also untauglich für das Amt.

USA-Experte Gärtner zeichnet folgendes Szenario: Durch einen Fehler wird ein atomarer Angriff angezeigt, der impulsive Trump hätte nur wenige Minuten Zeit zu reagieren. Gärtner erinnert sich daran, dass US-Verteidigungsminister James Schlesinger unter Richard Nixon für solche Fälle vorgesorgt hatte, weil er wusste, dass der Präsident oft zu viel trank und im Ernstfall unpässlich sein könnte.

Das wäre ein möglicher Ansatz, meint Gärtner: "Die Verteidigungscommunity in den USA müsste ein Sicherheitsnetz spannen, damit man in solch schwierigen Lagen auch unabhängig vom Präsidenten agieren könnte."