Es wäre eine spektakuläre Wendung im US-Wahlkampf: Medienberichten zufolge arbeiten republikanische Abgeordnete an einem Notplan für den Fall, dass Donald Trump doch noch als Kandidat für die Präsidentschaftswahlen in den USA abspringen sollte. Das wird befürchtet - weil Trump alles zuzutrauen sei.

Wie "ABC News" berichtet, bereite man sich bei den Republikanern auf einen Plan B zu Donald Trump vor. Das Szenario, dass Trump plötzlich doch nicht als Präsidentschaftskandidat antritt, wird in der Partei für möglich gehalten, weil der Milliardär für völlig unberechenbar gehalten werde.

Man befürchtet - und hofft mitunter hinter vorgehaltener Hand - , er könne bei anhaltender Kritik das Handtuch schmeißen. Viele Republikaner, so ABC News, seien über die Nominierung des Populisten nicht mehr nur irritiert, sondern längst ausreichend genervt.

Trump provoziert wütende Reaktionen

Phänomen Donald Trump: Der Gegner von Hillary Clinton im Portrait.

Zuletzt sorgte Trumps Weigerung, John McCain und Paul Ryan bei ihrer Wiederwahl in den Senat zu unterstützen, für wütende Reaktionen innerhalb der Partei. Ebenso Trumps Affront gegen die Eltern eines gefallenen Offiziers der US-Armee sowie seine zynische Bemerkung über eine geschenkte Purple-Heart-Medaille, einer Auszeichnung für im Kampf verwundete US-Soldaten.

Trumps Äußerungen und sein Auftreten drohen die Partei immer tiefer zu spalten. Reince Priebus, Parteivorsitzender der Republikaner, zeigte sich jüngst "außerordentlich empört" über Trumps konfrontatives Verhalten gegenüber Paul Ryan.

Newt Gingrich, einflussreicher Ex-Sprecher des Repräsentantenhauses, zweifelte im TV-Sender Fox unverhohlen an Trumps Befähigung für das Präsidentenamt: "Er hat noch nicht den Übergang zum potenziellen Präsidenten der Vereinigten Staaten geschafft", polterte Gingrich und legte sogar noch nach - Trump sei "noch inakzeptabler als Hillary Clinton".

Trump-Rückzieher wegen anhaltender Kritik?

Heftiger Gegenwind für Donald Trump, weshalb man innerhalb der Partei nun durchaus die Möglichkeit durchspielt, dass der Milliardär kurz vor der Wahl am 8. November seine Kandidatur noch zurückzieht.

Jon Karl, Chef-Korrespondent von ABC News im Weißen Haus, berichtet vor diesem Hintergrund über einen geheimen Notfallplan innerhalb der republikanischen Partei, der bei diesem Szenario umgehend greifen soll.

Dieser Fall wäre "absolut beispiellos", meint Karl. "Aber mir wurde gesagt, dass Parteichef Reince Priebus außer sich sei und Trump in unzähligen Diskussionen zu einem Kurswechsel geraten habe. Und jetzt kommt's: Mir wurde auch gesagt, dass man nun konkrete Überlegungen anführt, wie man Trump bei einem Rückzieher ersetzen könne."

Republikaner bereiten Plan B vor

Es gäbe zwar kein Verfahren, mit dem Trump zum Rückzug gezwungen werden könne, der 70-Jährige müsse von selbst das Handtuch werfen. Doch auf diesen Fall, in dem laut ABC-Korrespondent Karl viele Parteimitglieder die Lösung des Problems sehen würden, wolle man vorbereitet sein.

Juristen prüften deshalb bereits entsprechende Schritte, vor allem Regel Nummer 9 des internen Regelkatalogs. "Es wäre dann an den 168 Mitgliedern des Republican National Committees, in einem komplizierten Verfahren einen neuen Kandidaten zu bestimmen", so Karl.

Doch wie wahrscheinlich ist solch ein Szenario tatsächlich?

Jon Karl beantwortet die Frage mit einer Andeutung auf Trumps Charakter: "Er ist mittlerweile für die Partei so unberechenbar. Sie schaffen es noch nicht einmal, seine Auslassungen unter Kontrolle zu bekommen. Sie wissen einfach nicht, was passiert und ziehen deshalb dieses Szenario in Betracht."

Mehr Hintergründe zur US-Wahl 2016