Der Tod des Afroamerikaners George Floyd lässt die USA nicht zur Ruhe kommen. Der offizielle Gerichtsmediziner hatte auf Grundlage vorläufiger Erkenntnisse Vorerkrankungen mitverantwortlich für den Tod des 46-Jährigen gemacht. Gleich zwei Autopsie-Berichte sehen hingegen die Schuld eindeutig bei der Polizei.

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Der Tod des schwarzen George Floyd hat in den Vereinigten Staaten Entsetzen und Empörung ausgelöst. Seit nunmehr einer Woche protestieren in den ganzen USA Tausende gegen Rassismus und Polizeigewalt.

Letztere machen die Demonstranten für den Tod des 46-Jährigen verantwortlich. Der offizielle Gerichtsmediziner hatte auf Grundlage vorläufiger Erkenntnisse allerdings auch Vorerkrankungen ursächlich für Floyds Tod gesehen.

Gleich zwei Autopsie-Berichte sehen hingegen die Schuld bei der Polizei.

Autopsie-Berichte bestätigen Polizeibrutalität

Bei dem Polizeieinsatz in Minneapolis am vergangenen Montag hatte einer von vier beteiligten Beamten, der weiße Polizist Derek Chauvin, Floyd fast neun Minuten lang sein Knie in den Nacken gedrückt. Alle Bitten des Afroamerikaners und umstehender Passanten, ihn atmen zu lassen, ignorierte er. Dennoch ging der offizielle Gerichtsmediziner davon aus, dass der 46-Jährige nicht erstickte.

Nun bestätigt aber sowohl ein offizieller als auch ein Autopsie-Bericht der Anwälte der Familie von Floyd, dass der Afroamerikaner durch von der Polizei angewendete Gewalt ums Leben kam.

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In Minneapolis ist am Montag ein afroamerikanischer Mann gestorben, nachdem ein Polizist bei seiner Festnahme minutenlang auf seinem Hals gekniet hatte. Eine Augenzeugin filmte die grausame Szene.

Todesursache sei ein Herz-Kreislauf-Stillstand infolge von "Druck auf den Nacken" während eines Polizeieinsatzes, heißt es in dem offiziellem Bericht, der am Montag veröffentlicht wurde. Als Todesart wurde "homicide" angegeben, was mit "Totschlag" oder "Tötungsdelikt" übersetzt werden kann. Zugleich wird in dem Autopsiebericht aber betont, dass es sich dabei nicht um eine rechtliche Einordnung von "Schuld oder Absicht" handele. Die Entscheidung darüber obliege der Justiz, nicht den Gerichtsmedizinern.

Mediziner weist behördliche Angaben zu Vorerkrankungen von Floyd zurück

Laut offizieller Obduktion war Floyd herzkrank und litt an Bluthochdruck. Außerdem sei bei ihm eine "Fentanylvergiftung" sowie die vor kurzer Zeit erfolgte Einnahme von Methamphetaminen festgestellt worden.

Kurz zuvor war auch das Ergebnis einer Autopsie veröffentlicht worden, die Floyds Angehörige in Auftrag gegeben hatten. Diese stellte "Erstickung durch anhaltenden Druck als Todesursache" fest. Druck auf Floyds Nacken habe die Blutzufuhr zum Gehirn unterbrochen; Druck auf Floyds Rücken habe eine Ausweitung der Lunge verhindert, sagte Anwalt Ben Crump am Montag in Minneapolis.

Der von der Familie beauftragte Mediziner Michael Baden wies unter anderem die behördlichen Angaben zu Vorerkrankungen der Herzkranzgefäße bei Floyd zurück.

Alle Polizisten sind haftbar für den Tod

Videos vom Vorfall zeigen, dass drei Polizisten den 46-Jährigen, der bereits Handschellen trug, am Boden fixierten. Chauvin und drei weitere Polizisten wurden wegen des Vorfalls entlassen. Bislang wurde aber nur Chauvin festgenommen und von den Ermittlungsbehörden offiziell direkt für den Tod des Afroamerikaners verantwortlich gemacht. Die Ermittler legen ihm unter anderem Totschlag zur Last.

In der Mitteilung der Anwälte hieß es, auch zwei weitere an dem Einsatz beteiligte Polizisten hätten zu Floyds Tod beigetragen, indem sie Druck auf dessen Rücken ausgeübt hätten. Der vierte Beteiligte sei ebenfalls haftbar, weil er nicht eingeschritten sei.

"George starb, weil er Luft zum Atmen brauchte"

Anwalt Crump sagte: "George starb, weil er Luft zum Atmen brauchte." Er rief dazu auf, die Proteste wegen Floyds Tod fortzusetzen, die sich über das ganze Land ausgebreitet haben. Der Anwalt forderte aber zugleich Gewaltverzicht bei den Demonstrationen, von denen viele in Ausschreitungen und Plünderungen ausgeartet sind.

Wegen der seit Tagen anhaltenden Proteste und Ausschreitungen nach Floyds Tod verhängten dutzende Städte nächtliche Ausgangssperren, darunter die Hauptstadt Washington. (afp/dpa/mf)

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