Ein wenig originelles Thema und ein höchst fragwürdiger Ansatz: Frank Plasberg fragt, wie gefährlich Trump für den Weltfrieden ist. Und lässt eine Psychiaterin antworten. Und wir erfahren - wenn der Atomkrieg kommt, dann weil bei Donald Trump in der Kindheit etwas schief gelaufen ist.

Eine Kritik
von Christian Bartlau

Die Idee leuchtet ein: Lieber schnell noch einmal über Donald Trump reden, auch wenn es nichts Neues gibt – denn wer weiß, wie lange sich mit dem amerikanischen Präsidenten noch Sendeminuten füllen lassen. Also diskutierte Frank Plasberg am Montagabend bei "Hart aber fair" die wenig originelle Frage "Außer Kontrolle - Wie gefährlich ist Trump für die Welt?" und begab sich dabei freudig auf das unsichere Gelände der Ferndiagnostik.

Weil der US-Präsident in den letzten Wochen den FBI-Chef gefeuert und den Russen hochsensible Informationen gesteckt hat, legte Plasberg seine Bedenken ab und erklärte die Zeit reif für hemmungslose Spekulationen um Trumps Geisteszustand. "Vor drei Monaten wäre das noch Küchenpsychologie gewesen", sagte er, aber heute dürfe man schon fragen, ob ein so impulsiver, kindischer Charakter noch Präsident sein dürfe.

Donald Trump kämpft gegen die Dienste

Die Gäste am Tisch hatten allerdings wenig Lust, Seelenklempner zu spielen, und debattierten in aller Ernsthaftigkeit darüber, ob Trump wirklich "außer Kontrolle" ist oder die "Checks and Balances" noch funktionieren.

Ja, sagt Alexander Graf Lambsdorff, Vizepräsident des Europäischen Parlaments, der besonders die Ernennung von Robert Mueller als Sonderermittler als Beweis ansah, dass die demokratischen Kräfte funktionieren.

Geheimdienstexperte Erich Schmidt-Eenboom vermutet, dass FBI, CIA und Co. schon jetzt genug belastendes Material über Trump besitzen, um ihn aus dem Amt zu drängen, wenn sie es wollten. Er vermutet die Dienste hinter den ständigen Enthüllungen, die Tag für Tag Schlagzeilen machen.

Das drohende Amtsenthebungsverfahren sieht Katja Gloger vom "Stern" noch nicht auf Trump zukommen. Per Einspieler erinnert Plasberg daran, dass so ein "Impeachment" ein politisches Instrument ist, heißt: Für Trump wird es erst gefährlich, wenn er seinen Rückhalt im Kongress verliert. Das könnte spätestens bei den nächsten Wahlen der Fall sein, allerdings hat er noch die Mehrheit seiner Wähler auf seiner Seite, erklärt Bastian Hermisson, der Leiter der Heinrich-Böll-Stiftung in Washington. Die interessierten sich weniger für die angebliche Russland-Connection, sondern für die Versprechen Trumps: Jobs und eine bessere Alternative zu Obamacare.

Spekulationen mit der Küchenhilfe

Es ist der ehemalige Washington-Korrespondent Dieter Kronzucker, der ohnehin immer wieder mit merkwürdigen Zwischenrufen in die Debatte grätscht, der die Diskussion wieder in die Kategorien des begeisterten Küchenpsychologen Plasberg leitet. Er könne sich vorstellen, sagt Kronzucker, dass Trump "wie eine beleidigte Leberwurst zurücktritt".

Um die Psyche des US-Präsidenten weiter zu beleuchten, holt sich Plasberg gegen Ende der Sendung die Psychotherapeutin Bärbel Wardetzki als Küchenhelferin zur Seite, die Trump als Narzissten diagnostiziert, was als Persönlichkeitsstörung eine ernsthafte Krankheit wäre. "Hinter vielen narzisstischen Strukturen steckt ein emotional verwahrlostes Kind", sagt Wardetzki noch, und Plasberg nickt streberhaft, als hätte er etwas gelernt, na klar, der Trump, da muss in der Kindheit was schief gelaufen sein. Der Psychologie-Professor Allen Frances hat im Februar in einem Leserbrief an die "New York Times" darauf hingewiesen, dass in der fieberhaften Debatte um Trump ein ethischer Grundsatz der Psychologie verloren gegangen ist: Ferndiagnosen öffentlicher Personen sind eigentlich als unethisch geächtet.

Zumal sich die Urteile aus der Distanz häufig als falsch erweisen. "Ich habe die Kriterien für eine narzisstische Persönlichkeitsstörung aufgestellt", schrieb Frances in seinem Leserbrief, "Trump erfüllt keine davon." Insgesamt bringe der psychologische Ansatz aber ohnehin nichts, der Präsident solle eher für seine Inkompetenz, Ignoranz, Impulsivität und das Streben nach diktatorischer Macht kritisiert werden.

Ist Rache ein Motiv für Trump?

Aber Wardetzki spricht lieber über Rache als Motiv für Trump, sich überhaupt zur Wahl zur stellen. Rache an Barack Obama, weil der ihn beim Correspondent’s Dinner 2011 durch den Kakao gezogen hatte – eine alte Geschichte, die wiederum auf nichts anderem als Spekulationen basiert. Trump selbst hat immer versichert, er habe einen tollen Abend gehabt. Und im Übrigen hat er schon Jahrzehnte vor Obamas Witzeleien von einer Kandidatur gesprochen. Das erwähnt Wardetzki, stört sie aber nicht in ihrer Logik: "Er rächt sich, und aus Rache entsteht Gewalt. Und das ist das Gefährliche für die Welt." Und so ein Mensch, sekundiert Plasberg, mit den Atomcodes, der könne doch irgendwann mal sagen: Wenn die Welt böse ist zu mir, dann gute Nacht böse Welt?! "Ja, das kann schon sein. Wir haben gesehen, wie wenig er seine Impulse unter Kontrolle hat. Untermalt mit einem Rachefeldzug, whoa, da kann einem Angst werden." Eine Angst, die am Tisch nicht wirklich ernst genommen wird.

Geheimdienstexperte Schmidt –Eenenbom geht davon aus, dass die Generäle ihrem Präsidenten "in den Arm fallen" würden. Und für Bastian Hermisson ist "ein Weltuntergangsszenario nichts, was mir den Schlaf raubt". Eher schon, sagt der Mann von der Böll-Stiftung, die Angst, dass Trump sich nicht an internationale Regeln halten könnte.

Dagegen, setzt Lambsdorff ein, müssten Konzepte entwickelt werden, er sei optimistisch, dass Emmanuel Macron und der neuen deutschen Regierung das gemeinsam gelingen kann. Ob man den Gedanken teilt oder nicht, es ist ein wohltuend konstruktiver Moment in dieser Sendung, die dann auch mit einer optimistischen Botschaft zu Ende geht.

Vielleicht geht die Welt also doch nicht unter, weil ein gekränktes, emotional verwahrlostes Kind in Präsidentengestalt aus Rache für ein paar Witze auf den Roten Knopf drückt.