Vor rund 14 Jahren verlor Friedrich Merz sein Notebook in Berlin. Dass die darauf enthaltenen sensiblen Daten nicht in die falschen Hände gerieten, war einem ehrlichen Finder zu verdanken. Selbiger hat sich nun in einem Interview mit der "Taz" zu dem Vorfall geäußert.

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In einem Interview mit der "Taz" hat sich Enrico J., der Mann, der vor 14 Jahren das Dienst-Notebook von Friedrich Merz gefunden hat, zu Wort gemeldet. 2004 hatte der damalige stellvertretende Bundestagsfraktionsvorsitzende den Computer an einem Taxistand am Ostbahnhof von Berlin verloren.

Der damals obdachlose J. hatte das Gerät, zusammen mit einem Freund, wenig später entdeckt. Wie er in dem Interview erklärte, habe J. nach dem Fund ein wenig in dem Computer "rumgestöbert". "Plötzlich hatte ich die Handynummern von wichtigen Politikern vor mir", so der Finder. "Da dachte ich mir: Oh, das Ding ist heikel".

Anstatt das Gerät "auf dem Schwarzmarkt" zu verkaufen, habe J., der heute als Steinsetzer arbeitet, das Notebook beim Bundesgrenzschutz abgegeben. Zudem habe er die Adresse seiner "damaligen Obdachlosenhilfe" hinterlassen.

Einige Wochen später habe er als Dank ein von Merz verfasstes Buch mit dem Titel: "Nur wer sich ändert, wird bestehen. Vom Ende der Wohlstandsillusion – Kursbestimmungen für unsere Zukunft" erhalten.

"Total unverschämt"

Bei J. kam dieser Finderlohn nicht gut an. "Das fand ich total unverschämt. Ich hab das Buch sofort in die Spree geschmissen", so der 53-Jährige. "Er wusste ja von der angegebenen Adresse genau, dass ich obdachlos war, doch ihm war das nicht mal einen Cent wert".

Auf Nachfrage der "Taz", welche Reaktion er sich stattdessen erhofft hätte, antwortete J., dass es ihm gar nicht ums Geld gegangen sei.

Vielmehr hätte er gehofft, dass Merz den Kontakt zu ihm suchen würde. "Er hätte einfach mal vorbeikommen und sich ordentlich bedanken können. Immerhin habe ich verhindert, dass geheime Infos über wichtige Politiker in die falschen Hände geraten."

Als J. erfahren habe, dass Merz sich auf den Vorsitz der CDU bewerbe, habe er sich sofort an damals und "diese Abzock-Aktion" zurückerinnert.

"Mir und meinem Kumpel kann er nichts gönnen und jetzt macht er wieder auf dicke Hose. So reich ist er geworden und zählt sich ernsthaft zur Mittelschicht".

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Verwendete Quellen:

  • Taz: Früherer Obdachloser zu Friedrich Merz: "Macht wieder auf dicke Hose"
  • FAZ: Dieser Mann hat nichts zu verschenken