Geldwäsche, Raub, Drogenhandel: Mehrere türkisch- und arabischsstämmige Großfamilien machen mit Verbrechen von sich reden. Das Bundeskriminalamt will die Taten der Clans als Organisierte Kriminalität einstufen und hofft, des Problems so besser Herr werden zu können.

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Das Bundeskriminalamt (BKA) will die Verbrechen von türkisch- und arabischstämmigen Clans in Deutschland genauer ins Visier nehmen.

Im nächsten Bundeslagebild zur Organisierten Kriminalität werde es erstmals ein Kapitel geben mit dem Titel "Kriminelle Mitglieder von Großfamilien ethnisch abgeschotteter Subkulturen", sagte eine BKA-Sprecherin am Freitag in Wiesbaden.

In dem für den Sommer erwarteten Bericht informiert das BKA jährlich über die aktuelle Kriminalitätslage in der Bundesrepublik.

Streng hierarchische Subkultur

"Die Kriminalität von Angehörigen türkisch- und arabischstämmiger Großfamilien zeichnet sich durch eine grundsätzlich ethnisch abgeschottete Familienstruktur aus, die unter Missachtung der vorherrschenden staatlichen Strukturen, deren Werteverständnis und Rechtsordnung eine eigene, streng hierarchische, delinquente Subkultur bildet", sagte die BKA-Sprecherin. In den bisherigen Lagebildern habe man das Thema nur gestreift.

Vor allem in Berlin, Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wird laut BKA derzeit intensiv ermittelt.

So beschlagnahmte etwa im August die Polizei allein in Berlin von einem arabischstämmigen Clan 77 Immobilien im Wert von mehr als neun Millionen Euro. Der Vorwurf: Geldwäsche. Die Ermittlungen richteten sich gegen insgesamt 16 Mitglieder der Familie.

Festnahme am Dienstag

In Nordrhein-Westfalen wurden am Wochenende bei einer Razzia gegen Clankriminalität 14 Verdächtige festgenommen. Hunderte Kilogramm unversteuerter Tabak, verbotene Messer und Schlagstöcke, einige Tausend Euro Bargeld und Drogen wurden sichergestellt.

Erst am Dienstag war der Chef des Berliner Abou-Chaker-Clans, Arafat Abou-Chacker, festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm die Entziehung Minderjähriger, eine schwere Körperverletzung, räuberische Erpressung und Menschenraub vor. Bereits zu einer Bewährungsstrafe verurteilt ist Abou-Chaker, weil er einen Hausmeister angegriffen und schwer verletzt hat.

Drei andere Mitglieder der Familie stehen wegen des Diebstahls einer Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum vor Gericht.

Fehler aus der Vergangenheit rächen sich

BKA-Präsident Holger Münch hatte im Sommer angekündigt, im Hinblick auf die Zuwanderung die mögliche Bildung neuer krimineller Clans gezielt stoppen zu wollen. Hier seien in der Vergangenheit Fehler gemacht worden, als in den 1980er- und 1990er- Jahren arabische Familien etwa aus dem Libanon oder der Türkei nach Deutschland kamen und sich zu kriminellen Clans entwickeln konnten.

"Union und SPD sind im Kampf gegen Clan-Kriminalität viel zu spät aufgewacht", kritisierte der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Konstantin Kuhle. Ein Extra-Kapitel im nächsten BKA-Lagebild sei zwar ein Anfang, aber noch lange nicht ausreichend. "Die Ermittlungsbehörden müssen im Bereich der Organisierten Kriminalität dringend mehr Ressourcen erhalten und die Sicherheitsarchitektur entsprechend reformiert werden." Insbesondere sei eine bessere Koordination über die Landesgrenzen hinaus nötig. (dpa/mcf)

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