In Deutschland haben sich bereits mehr als 140.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, die meisten davin in Bayern. Dort gilt ab dem 27. April eine Maskenpflicht in allen Geschäften und im öffentlichen Personennahverkehr. Doch wie wird das Virus überhaupt übertragen? Die aktuellsten Erkenntnisse.

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In Deutschland sind bis Montagvormittag mehr als 142.400 Infektionen mit dem Coronavirus registriert worden. Mindestens 4.420 mit dem Erreger SARS-CoV-2 Infizierte sind den Angaben zufolge bislang bundesweit gestorben.

Das geht aus einer Auswertung der Deutschen Presse-Agentur hervor, die die neuesten Zahlen der Bundesländer berücksichtigt. Die höchsten Zahlen registrierter Infektionen hat den Statistiken zufolge Bayern.

Und obwohl sich immer weniger Menschen in Deutschland mit dem Virus infizieren, zieht zumindest Bayern die Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung weiter an. So gilt ab dem 27. April in allen Geschäften und im öffentlichen Personennahverkehr eine Maskenpflicht.

Doch wie wird das Coronavirus überhaupt übertragen? Was wir über das Coronavirus wissen.

Wie wird das Coronavirus übertragen?

Das Robert-Koch-Institut (RKI) verweist auf Studien, nach denen das Coronavirus vor allem durch Tröpfcheninfektion über die Luft weitergegeben wird. Prinzipiell nicht ausschließen will das RKI, dass man sich infizieren kann, wenn man eine kontaminierte Oberfläche berührt und sich dann ins Gesicht fasst.

Wie häufig das Virus auf diesem Weg übertragen wird, ist allerdings unbekannt. Amerikanische Wissenschaftler sagen auch, dass es nicht notwendig ist, die Kleidung nach beispielsweise einem Aufenthalt im Supermarkt zu wechseln, schreibt die "New York Times".

Auch Berichte, wonach Bartträger anfälliger sein könnten, sich zu infizieren – oder das Virus generell über die Haare übertragen werden könnte –, sind eher unzutreffend. Vorausgesetzt, die Abstandsregeln werden eingehalten.

Es ist unwahrscheinlich, dass ausreichend Viren für eine Infektion in den Haaren landen, wenn jemand niest, der ein bis zwei Meter entfernt ist, berichtet die "New York Times" weiter. Wichtig sei es aber - wie auch Ärzte und Wissenschaftler in Deutschland betonen -, sich so oft wie möglich die Hände zu waschen, um einer Infektion vorzubeugen.

Offenbar kann das Coronavirus bis zu 72 Stunden auf Oberflächen wie Kunststoff oder Edelstahl überleben, berichtet "Quarks" unter Berufung auf vorläufige Arbeiten von Wissenschaftlern und Gesundheitsbehörden. Demnach nehme die Anzahl der Viren und ihre Infektiösität nach rund acht Stunden aber vermutlich rapide ab.

Wer ist besonders gefährdet?

Infizieren können sich alle, die noch nicht immun sind. Gerade für ältere Menschen besteht die größte Gefahr, eine schwere Form der Lungenkrankheit COVID-19 zu entwickeln.

Genauso betroffen können allgemein gesunde Patienten mit vorgeschädigter Lunge sein, beispielsweise langjährige Raucher und Asthmatiker, aber auch Diabetiker und Menschen mit Bluthochdruck sowie einer Krebserkrankung.

Mediziner betonen, dass auch jüngere Patienten nicht vor einem schweren Krankheitsverlauf gefeit seien. In Portugal oder Belgien etwa starben bereits Kinder an den Folgen einer Coronavirus-Infektion.

Gibt es eine Immunität?

"Immun zu sein bedeutet, dass der Körper eine Abwehrreaktion gegen ein Virus entwickelt hat. Und weil diese Immunreaktion ein 'Gedächtnis' hat, heißt das, dass sie auch später eine Infizierung mit demselben Virus verhindert", erklärt der Immunologe Eric Vivier von der Uniklinik in Marseille.

Bei RNA-Viren, zu denen auch das Coronavirus zählt, dauert es laut Vivier rund drei Wochen bis zur Bildung von schützenden Antikörpern. Dieser Schutz halte mehrere Monate. In dieser Zeit kann man sich nicht erneut mit dem bereits "bekannten" Virus anstecken.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Virus nach einiger Zeit mutieren könne und das Immunsystem erneut lernen müsse, damit umzugehen. In Südkorea etwa wurden kürzlich fast 100 offiziell als genesen geltende COVID-19-Patienten erneut positiv auf SARS-CoV-2 getestet, berichteten die lokalen Behörden.

Die Ursachen sind bislang noch unklar. Jedoch vermuten Experten, "dass es Patienten sind, die falsch negativ diagnostiziert wurden", sagte Lothar Wieler, Präsident des RKI. Das RKI geht von einer Immunität aus, die bis zu drei Jahre anhalten könnte.

Wie sind die Krankheitsverläufe?

Die Spannbreite der Lungenkrankheit COVID-19 reicht von symptomlosen Verläufen bis zu Lungenversagen und Tod. Nach Auswertung der Fälle in der besonders betroffenen chinesischen Region Hubei verliefen dem RKI zufolge rund 80 Prozent der Erkrankungen mild bis moderat.

Bei etwa 6 Prozent wird es aber kritisch oder lebensbedrohlich. Für Regionen außerhalb Hubeis gibt es Studien, die von einem etwas niedrigeren Anteil schwerer Verläufe ausgehen.

Eher harmlose Symptome werden schnell mit einer üblichen Erkältung verwechselt. Die Unterscheidung ist nicht immer einfach, da unterschiedliche Patienten auch von unterschiedlichen Symptomen berichten. Nach Angaben des RKI treten die Symptome mit folgenden Häufigkeiten auf: Husten (55 Prozent), Fieber (39 Prozent), Schnupfen (28 Prozent). Es wird auch davon ausgegangen, dass sich viele Menschen infiziert haben, ohne jemals Symptome entwickelt zu haben.

Können Mütter ihre ungeborenen Babys anstecken?

Nach Angaben des Berufsverbandes der Frauenärzte waren bislang keine Hinweise bekannt, dass das Virus während der Schwangerschaft auf das Baby übertragen wird. Nach Angaben chinesischer Wissenschaftler von der Universität Wuhan soll es aber möglich sein.

Sie hatten unter allen rund 81.000 Infektionen, die bis Mitte März in China gemeldet wurden, vier infizierte Neugeborene ausfindig gemacht. In allen vier Fällen traten bei den Babys leichte Symptome auf, bei denen keine Intensivpflege oder künstliche Beatmung erforderlich war. Die Mütter waren ebenfalls infiziert, drei davon zeigten unmittelbar vor der Geburt Symptome von COVID-19. (msc)

Drei Fakten über den Virus sind noch nicht geklärt

Vor allem die Basisreproduktionszahl R0 des Coronavirus kann man bisher nur schätzen.

Verwendete Quellen:

  • nytimes.com: Is the virus on my clothes? My shoes? My hair? My Newspaper?
  • quarks.de: Coronavirus: Das wissen wir – und das nicht
  • Deutsche Presse-Agentur
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