Wer denkt beim traumhaftem Sommerwetter noch an Baderegeln? Anscheinend viel zu wenige Menschen, wie die hohe Zahl an Ertrunkenen in Deutschlands Gewässern zeigt. Wenn Sie diese einfachen Tipps beherzigen, schwimmen Sie sicher.

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504 Menschen sind im Jahr 2018 in Deutschland bei Badeunfällen gestorben. Laut der Statistik der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ertranken 86 Prozent der Opfer an ungesicherten Badestellen.

"Das kann ganz leicht vermieden werden", erklärt DLRG-Sprecher Armin Wiese im Gespräch mit unserer Redaktion, "wenn man nur ein paar einfache Sicherheitsregeln beachtet."

Die wichtigsten Tipps für sicheres Baden

1. Niemals alleine

Die grundlegende Sicherheitsregel ist kurz und knapp: Nie alleine ins Wasser gehen. Und schon gar nicht an unbeaufsichtigten Gewässerstellen.

Denn wenn keine anderen Personen anwesend sind, kann im Notfall auch niemand Hilfe holen.

2. Vorsicht in Flüssen

Die Wasserqualität von Deutschlands Flüssen hat sich in den vergangenen Jahren stetig verbessert, zur Freude vieler Wasserratten. Doch nirgends ist die Gefahr zu ertrinken so groß wie in Fließgewässern. Von außen kaum zu erkennende Strömungen, Strudel an Brückenpfeilern, Schleusen und Wehren oder Bugwellen von Schiffen sowie umhertreibende Äste machen das Baden in Flüssen und Kanälen so risikoreich.

DLRG-Sprecher Achim Wiese warnt vor allem vor dem Schwimmen in großen Flüssen wie im Rhein, der Donau, Elbe oder Weser. "Das sind Bundesschifffahrtsstraßen - dort zu baden ist wie auf der Autobahn spazieren zu gehen."

Unterschätzt wird seiner Erfahrung zufolge auch die Fließgeschwindigkeit. Der Rhein beispielsweise ströme mit zehn Kilometern pro Stunde dahin - "das ist doppelt so schnell wie ein Fußgänger". Wer hier in eine Strömung gerate, könne sich mit eigenen Kräften nur schwer retten, auch wenn er ein sehr guter Schwimmer sei.

Wieses Tipp für diesen Notfall lautet: Nur in Strömungsrichtung fortbewegen, auch wenn dies der längere Weg zum Ufer ist.

3. Achtung in Seen

Seen wirken auf den ersten Blick ungefährlich. Doch Schlingpflanzen, bewachsene und sumpfige Uferzonen sowie schlammige Böden in Moorseen rufen bei vielen Badegästen aber panische Reaktionen hervor. Hier gilt: Ruhig bleiben, keine hektischen Bewegungen machen und sich durch kräftige Schwimmbewegungen nur mit den Armen aus Morast und Auswüchsen von Wasserpflanzen lösen.

Baggerseen, die ehemalige Kiesgruben oder Steinbrüche waren, haben oft steil abfallende Ufer. Rutschen die Uferanschüttungen ab, können sie zu tückischen Fallen werden. Deshalb nur in beschilderten Badezonen ins Wasser gehen.

Aufgrund ihrer Tiefe bergen diese Seen noch ein weiteres Risiko: immense Temperaturunterschiede. "Schon beim harmlosen Fallen von der Luftmatratze muss der Körper plötzlich mit Temperaturunterschieden von bis zu 20 Grad fertig werden", erklärt DLRG-Sprecher Achim Wiese.

4. Aufpassen im Meer

Windrichtungen, Strömungen, Gezeiten, Wellen, Sandbänke und Meerestiere wie Quallen machen das Baden in Nord- und Ostsee zu einer besonderen Angelegenheit.

Auch hier empfiehlt es sich, nur bewachte Strandabschnitte aufzusuchen, um Gefahren wie ablandigen Winden, Ebbe und Flut, gefährlichen Unterströmungen oder starker Brandung aus dem Weg zu gehen.

Die europaweit einheitliche Strandbeflaggung erleichtert das: Bei den Flaggenfarben rot-gelb und grün ist Baden erlaubt. Baden verboten oder schnell aus dem Wasser heraus wegen beispielsweise einsetzender Flut besagen die Warnfarben gelb, rot, blau und schwarz-weiß.

5. Abkühlen muss sein

Sie gilt als die älteste und bekannteste, aber am meisten missachtete Baderegel: das Abkühlen vor dem Gang oder Sprung ins Wasser.

"Den ganzen Tag in der Sonne brutzeln und dann mit Anlauf ins Wasser rein - das ist selbst für 20-Jährige gefährlich", erklärt Achim Wiese. Durch den Temperaturschock würden sich die Gefäße schlagartig zusammenziehen und es könne zu Herzrhythmusstörungen, Blutdruckabfall, Bewusstlosigkeit und Herzstillstand kommen.

Diese Gefahr kann leicht umgangen werden, "denn ein bisschen Abkühlen reicht schon", meint Experte Wiese. Wer dann ins Wasser springt, muss nur noch wissen, ob es an der Stelle auch tief genug ist.

6. Augen auf die Kinder

Für Eltern lautet die wichtigste Sicherheitsregel: Kinder am und im Wasser nie aus den Augen lassen! Insbesondere Kleinkinder müssen immer in Reichweite sein, denn zum Ertrinken reichen schon 20 Sekunden.

Sicher schwimmen kann ein Kind nach Einschätzung von Wiese erst, wenn es das Freischwimmerabzeichen in Bronze gemacht hat. Das "Seepferdchen" genüge dafür nicht.

7. Verhalten bei Gewitter und Notfällen

Zieht ein Gewitter auf, dann nichts wie raus aus dem Wasser! Schlägt ein Blitz im Wasser ein, bekommen Schwimmer heftige Stromschläge ab.

Starke Windböen stellen eine zusätzliche Gefahr dar, weil sie Äste oder Strandgut durch die Luft wirbeln können. Im Meer bilden sich zudem schnell hohe Wellen und eine starke Brandung.

Allgemeine Tipps für Retter

Wer bemerkt, dass eine Person im Wasser in Gefahr ist, sollte ihr Schwimmhilfen oder andere Gegenstände zuwerfen, an denen sie sich festhalten kann. Und dann sofort Hilfe holen (Notrufnummer 112).

Selbst ins Wasser zu springen ist nur ratsam, wenn man sich dabei selbst nicht in Gefahr bringt. Zudem muss man vorsichtig sein, weil Ertrinkende oft panisch reagieren, um sich schlagen oder den Retter beim Versuch, sich an irgendetwas krampfhaft festzuhalten, oft ungewollt unter Wasser drücken.

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