Sie liegen wach da, doch können sich nicht bewegen. Sie sind gelähmt, spüren Ihre Atmung nicht. Aus dem Augenwinkel sehen Sie in der dunkelsten Ecke Ihres Schlafzimmers eine Kreatur. Sind Sie tot? Nein: Sie haben höchstwahrscheinlich eine Schlaflähmung, auch Schlafparalyse genannt. Wir erklären das erschreckende Phänomen und wie man damit umgehen kann.

Ist das die Hölle? Die Gliedmaßen taub und unfähig, sich zu bewegen. Das Herz rast, die Atmung wird immer schwerer.

Eine dunkle Kreatur bewegt sich auf einen zu und löst panische Ängste in einem aus: Willkommen in einer Schlafparalyse.

Die Forschung über das furchteinflößende Phänomen steckt noch in den Kinderschuhen. Doch laut dem Schlafforscher Dr. Weeß sollen zwischen 20 und 50 Prozent der Weltbevölkerung mal eine erleben.

Wie entsteht die Schlafparalyse?

Eigentlich ist die Schlafparalyse eine gutartige Erkrankung, so Dr. Weeß. "Im Schlaf, während des Traumschlafes, sind wir regelhaft gelähmt, so als ob wir eine hohe Querschnittslähmung hätten. Wäre das nicht so, würden wir unsere Träume ausagieren. Das heißt, wenn wir träumen, dass wir Fahrrad fahren, würden wir im Bett die Pedale treten", so der Schlafforscher.

Bei der Schlafparalyse wird das Gehirn, das Bewusstsein wach, während sich der Körper noch in der Lähmung befindet. Gelegentlich können aufgrund des Zusammenhangs zum Traumschlaf, so Weeß, während der Schlaflähmung auch Halluzinationen auftreten, die als bedrohlich empfunden werden können.

Schuhe im Kochtopf, Klo verfehlt: Klingt lustig, hat aber ernste Ursachen.

Dabei sind dunkle, schattenartige Gestalten, die sich auf das Bett zubewegen nicht selten. Auch einen unnatürlichen Druck auf der Brust zu fühlen, der die Luft abschneidet, kann vorkommen.

Verhindern der Schlafparalyse

Hauptauslöser ist unregelmäßiger Schlaf und Schlafmangel, sagt Weeß. "Konservative Maßnahmen, wie für einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus zu sorgen, könne hilfreich sein".
Ein weiterer begünstigender Faktor des Phänomens sei Konsum von Alkohol, der bestimmte Schlafstadien unterdrückt.

Befindet man sich erst mal in einer Schlafparalyse, kann man dagegen nicht viel machen. Um die Panik nicht unnötig zu steigern, sei es aber wichtig, sich bewusst zu machen, was geschieht. Man sollte also realisieren, dass man sich in einer Lähmung befindet und man nicht in Gefahr ist. "Aufklärung ist wichtig", so Weeß.

"Ein taktiler Reiz hilft, aus der Lähmung herauszukommen. Die Betroffenen können sich aber nicht bemerkbar machen", sagt Dr. Weeß. Einzig zu Augenbewegungen ist man noch fähig.

Übernatürliche Gründe?

Das Wesen, das einen Betroffenen in der Schlafparalyse heimsucht, wird häufig als etwas Übernatürliches wahrgenommen. Kein Wunder also, dass sich ein regelrechter Kultus um das Phänomen gebildet hat, der sogar versucht, es absichtlich hervorzurufen.

Elektroschocks, Exorzismus, Tobzellen und Zwangsjacken gehörten in früheren Epochen zu den gängigen Behandlungsmethoden.

Bei der Kreatur, die sich dem in der Starre befindlichen Körper nähert, soll es sich demnach entweder um einen Dämon oder um einen Geist handeln. Da manche Betroffene auch einen Druck auf der Brust verspüren, wird vermutet, die Kreatur versuche, Kontrolle über die schlafende Person zu gewinnen.

Verarbeitung in der Kunst

Schlafparalysen sind kein neues Phänomen, schon früher litten die Menschen unter dem horrorartigem Phänomen. Belege hierfür finden sich in der Kunst. Unter anderem das Bild "Der Nachtmahr" von Johann Heinrich Füssli erinnert stark an die Beschreibungen Betroffener.

Auch Fritz Schwimbeck zeichnete seine Schlafparalysen und nannte das Bild "Mein Traum, mein böser Traum". In der Literatur finden sich unter anderem in "Moby-Dick" von Herman Melville und "Der Horla" von Guy de Maupassant Schilderungen.