Die US-Sängerin Kelly Clarkson hat jüngst Einblicke in ihre Erziehung gewährt. Ihrer Tochter als Bestrafung mal einen Klaps auf den Po zu geben, finde sie nicht schlimm, sagte sie einem Radiosender. Doch ist das wirklich so harmlos? Rainer Rettinger, Geschäftsführer des Deutschen Kindervereins klärt im Gespräch mit unserer Redaktion auf.

Herr Rettinger, ein Klaps auf den Po, mal auf die Finger hauen - manche Eltern finden das auch heute noch als Erziehungsmaßnahme okay. Ist es das?

Rainer Rettinger: Nein, denn jede körperliche Gewalt richtet bei einem Kind Schaden an. Ob das nun der Klaps auf den Po - ein an sich schon verharmlosender Begriff -, Ohren langziehen oder eine Ohrfeige ist.

Gewalt ist Gewalt und nicht umsonst ist jede Form der körperlichen Strafe per Gesetz untersagt. 'Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig', lautet der Paragraph 1631 Absatz 2 des Gesetzes zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung.

Welche Auswirkungen kann solche Gewalt auf die Kinder haben?

Unsere Botschafterin, die Autorin Lilly Lindner, hat es so formuliert:'Die Gewalt, die wir einem Kind antun, ist größer als der Schmerz, den wir begreifen.' Das heißt, dass Kinder, die Gewalt erleben, ein Leben lang damit zu tun haben.

Misshandlung endet nicht mit der Tat. Es gibt viele Studien, die das belegen. Es können Entwicklungsstörungen auftreten, Schwierigkeiten bei der sozialen Anpassung, Angst vor Körperkontakt. Das geht bis hin zu kriminellem Verhalten.

Kinder, die geschlagen werden, fühlen sich unterlegen, mitunter auch schuldig, und vor allem wehrlos. Dazu kommt, dass sie selbst nicht lernen, wie man Konflikte gewaltfrei löst.

Wie kommt es dazu, dass Eltern handgreiflich werden?

Das ist immer ein Zeichen von Schwäche, ein Ausdruck von Überforderung und der Hilflosigkeit. Eltern, die in ihrer Erziehung Gewalt anwenden - und dazu gehört auch seelische Gewalt wie Liebesentzug, Einsperren oder Ähnliches -, sind in der Situation oder auch generell nicht in der Lage, das Problem konstruktiv zu lösen.

Was sollen Eltern tun, wenn es passiert ist?

Zunächst einmal müssen sie sich bei dem Kind entschuldigen, auf das Kind zugehen und versuchen zu erklären, warum das passiert ist. Dass man Stress hat, Sorgen, sich in der Situation überfordert fühlte.

Diese Entschuldigung ist aber kein Freibrief für weitere Ohrfeigen, Schläge auf den Po oder andere Misshandlungen.

Wenn so etwas öfter vorkommt, ist das ein Zeichen, dass sich der Vater oder die Mutter nicht im Griff hat. Dann sollte er oder sie sich unbedingt Hilfe holen, etwa beim Elterntelefon, das verschiedene Institutionen anbieten, oder einer Erziehungsberatungsstelle.

Wie können Eltern in einer konkreten Situation vermeiden, dass sie die Kontrolle über sich selbst verlieren?

Zunächst einmal eines: Es ist klar, dass es in der Familie Spielregeln geben muss, an die sich auch die Kinder halten müssen. Und es ist auch klar, dass Kinder einen manchmal an die Grenzen der eigenen Geduld bringen können.

Dennoch müssen Eltern in solchen Situationen ruhig bleiben und viel mit dem Kind reden - und zwar jeden Tag, in jeder Situation.

Eigentlich hat ja auch jeder Vater und jede Mutter einen Schutzmechanismus, der verhindert, dass man einem Kind Gewalt antut. Wenn er oder sie merkt, dass dieser Mechanismus nicht mehr greift, ist es Zeit, sich dringend Unterstützung von außen zu holen.

Rainer Rettinger ist Geschäftsführer des Deutschen Kindervereins. Der Verein mit Sitz in Essen setzt sich seit 2012 für die Rechte von Kindern ein. Schwerpunkt seiner Arbeit bildet nach eigenen Angaben Artikel 19 der UN-Kinderrechtskonvention, der sich klar gegen Gewaltanwendung, Misshandlung und Vernachlässigung positioniert.
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