Schlaf ist wichtig, denn er regeneriert und stärkt unser Immunsystem. Dass man sogar sein Schlafverhalten rund um eine Impfung anpassen sollte, zeigt nun eine Studie.

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Der Zusammenhang ist logisch: Wer ausreichend schläft, verfügt über ein stärkeres Immunsystem. Bei der Impfung gegen ein Virus wie die Grippe (Influenza) geht es darum, durch das Verabreichen des Impfstoffes die Bildung körpereigener Antikörper hervorzurufen. Durch sie kann der Organismus Grippeviren rasch erkennen und bekämpfen, bevor er durch sie erkrankt.

Diese Bildung von möglichst vielen Antikörpern kann ein starkes Immunsystem besser umsetzen als ein geschwächtes. Wie stark dabei die Auswirkungen von zu wenig Schlaf sein könnten, untersuchten nun Forscher der Universität Chicago (UChicago) und des französischen nationalen Institutes für Gesundheit und medizinische Forschung (INSERM).

"Normale" Schlafdauer beträgt sieben bis neun Stunden

Insgesamt betrachteten die Wissenschaftler für ihre Meta-Analyse sieben vorherige Studien, die sich mit der Abhängigkeit von Schlaf und Impfwirkung beschäftigten. Dabei ging es nicht nur um die Immunisierung gegen Atemwegsinfektionen wie die Influenza, sondern auch um andere wie Hepatitis A und B. Ausgewertet wurden nur solche Studien, die die Schlafdauern der Versuchspersonen mit tragbaren Aktivitätstrackern oder in Schlafstudien im Labor objektiv dokumentierten.

Das Team untersuchte die Antikörperantwort nach der Impfung von Personen, die eine "normale" Zeit täglich schliefen. Gemäß der Empfehlung der National Sleep Foundation sind das für gesunde Erwachsene sieben bis neun Stunden. Diese Probanden wurden dann mit "Kurzschläfern" verglichen, die weniger als sechs Stunden pro Nacht ruhten.

Studie: Unter sechs Stunden Schlaf mindern Impfwirkung

Das Ergebnis zeigte deutliche Hinweise darauf, dass weniger als sechs Stunden Schlaf pro Nacht die Bildung von Antikörpern und somit die Immunantwort auf die Impfung reduziert. Die Impfwirkung entspricht den Forschern zufolge dann etwa der Menge an Antikörpern, die rund zwei Monate nach einer Corona-Impfung nachweisbar waren. Bei Männern zeigte sich dieser Effekt allerdings stärker als bei Frauen: Bei ihnen war die Auswirkung der Schlafdauer auf die Antikörperproduktion variabler.

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Die Studienautoren vermuten, dass dies auf den schwankenden Sexualhormonspiegel von Frauen zurückzuführen ist. Das Ergebnis unterschied sich aber nicht nur zwischen den Geschlechtern: Auch das Alter scheint eine Rolle zu spielen. So waren die negativen Auswirkungen von nur kurzem Schlaf bei Erwachsenen zwischen 18 bis 60 Jahren größer als bei Senioren über 65 Jahren.

Gleiche Ergebnisse für Grippe und Hepatitis

Dabei waren die Erkenntnisse nicht abhängig von der Art der Viruserkrankung, gegen die geimpft wurde. "Interessanterweise sahen wir die gleichen Ergebnisse sowohl bei Influenza, einem Atemwegsvirus, als auch bei Hepatitis, die die Leber betrifft. Das deutet darauf hin, dass der Effekt von Schlaf sich auf alle Arten von Viren erstrecken könnte, einschließlich Coronaviren wie Sars-CoV-2", so Karine Spiegel, Forscherin am Inserm. "Insgesamt sehen wir diese Ergebnisse als Aufruf zum Handeln."

"Unzureichender Schlaf ist ein Verhaltensfaktor, der vor der Impfung korrigiert werden kann und die Impfreaktion nicht nur stärken, sondern auch verlängern kann", sagte Eve Van Cauter, leitende Autorin der Meta-Analyse. "Wir wissen, dass Menschen je nach Alter, Geschlecht, bestehenden Erkrankungen und anderen Faktoren, die nicht ohne weiteres geändert werden können, unterschiedlich auf Impfungen reagieren." Die Schlafenszeiten hingegen kann jeder selbst beeinflussen und so die Reaktion des Körpers auf die Impfung wahrscheinlich verbessern.

Schichtarbeiter sollten rund um Impfungen auf Schlaf achten

Das sollten möglichst auch alle Berufsgruppen bedenken: "Der Zusammenhang zwischen Schlaf und Impfstoffwirksamkeit könnte ein großes Problem für Menschen mit unregelmäßigen Arbeitszeiten sein, insbesondere für Schichtarbeiter, die typischerweise eine reduzierte Schlafdauer haben", sagte Van Cauter. Sie sollten versuchen, in der Woche vor und nach der Impfung genug Schlaf zu bekommen.

Weitere Studien zu Schlaf und Impfwirkung nötig

Um genaueres Wissen über den Zusammenhang von Schlaf und Impfwirkung zu erlangen, sind weitere Untersuchungen nötig. "Wir brauchen viel größere Studien, die das Sexualhormon-Umfeld vor allem bei Frauen kontrollieren", betonte Spiegel. "Wir brauchen auch eine bessere Definition, wie viele Tage mit kurzer Schlafdauer die Antikörperantwort beeinflussen und ob es kurz vor der Impfung oder auch während und nach der Impfung ist.

Groß angelegte Studien, die Verhaltens-, Alters- und hormonelle Merkmale berücksichtigen, sollten neue Erkenntnisse liefern, die sich in messbaren Auswirkungen auf die Wirksamkeit von Impfstoffen niederschlagen."

Verwendete Quellen:

  • Current biology A meta-analysis of the associations between insufficient sleep duration and antibody response to vaccination (cell.com)
  • Pressemitteilung der Universität Chicago Not getting enough sleep could affect vaccination response - UChicago Medicine
  • Pressemitteilung Los Angeles Health Sciences Too little sleep could make vaccination less effective | UCLA Health
  • Pressemitteilung cell press Getting a good night’s sleep could boost your | EurekAlert!
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