Wissenschaftler haben ein wichtiges Detail über den Mars herausgefunden: Die Oberfläche des roten Planeten ist nicht nur von Vulkanen, sondern auch von Schlammvulkanismus geprägt. Um dies herauszufinden hat das internationale Forscherteam die Bedingungen auf dem Mars simuliert.

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Schlamm kann auf dem Mars fließen wie Lava auf der Erde. Das zeigen Laborexperimente eines internationalen Teams, das die Bedingungen auf dem Roten Planeten nachgestellt hat.

Die im Fachblatt "Nature Geoscience" veröffentlichten Resultate stützen die Vorstellung, dass die Marsoberfläche nicht nur von gewöhnlichen Vulkanen geprägt wurde, sondern auch von Schlammvulkanismus.

Auf dem jungen Mars sind einst große Mengen Wasser geflossen. Das ist noch heute an den ausgetrockneten Flussbetten und Seen zu erkennen. Die wasserreichen Sedimente, die dabei entstanden sind, könnten unter bestimmten Umständen im Marsboden verflüssigt und unter Druck an die Oberfläche gepresst worden sein, wie das an den Untersuchungen beteiligte Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in einer Mitteilung erläuterte. Dieser, in Anlehnung an den Aufstieg von Magma, sogenannte Schlammvulkanismus sei auf der Erde vielerorts gut dokumentiert.

Schlamm verhält sich im Modell wie Lava

Um herauszufinden, wie sich solcher Schlamm auf dem Mars verhält, stellte das Team um Forschungsleiter Petr Brož von der Tschechischen Akademie der Wissenschaften die Bedingungen auf unserem Nachbarplaneten nach. Bei eisiger Kälte und 150 Mal dünnerer Atmosphäre als auf der Erde ließen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein dünnes Schlammgemisch in eine Unterdruckkammer kleckern.

Dabei zeigte sich ein unerwartetes Verhalten, das an bestimmte Lavaformen auf der Erde erinnert: Die Oberfläche des Schlamms erstarrte durch Gefrieren und bildete eine Kruste, die schließlich aber von der darunterliegenden Flüssigkeit wieder aufgebrochen wurde, so dass sich wiederholt Schlammzungen bildeten, ähnlich wie Lavazungen.

Selbst Schlamm ist auf dem Mars anders

"Der Schlamm fließt unter dem geringen Atmosphärendruck auf dem Mars so ähnlich wie dünnflüssige sogenannte Pahoehoe- oder Stricklavaströme, die etwa von den großen Vulkanen auf Hawaii oder Island bekannt sind", erläutert Brož in der DLR-Mitteilung.

"Unsere Experimente zeigen, dass selbst ein vermeintlich so einfacher Prozess wie das Fließen von Schlamm, den viele von uns seit ihrer Kindheit aus eigener Anschauung kennen, auf dem Mars ganz anders ablaufen würde."

Die Versuche bestätigen die lang gehegte Vermutung, dass Schlamm tatsächlich auf dem Mars fließen und Oberflächenformationen bilden kann, die an Lavaströme erinnern.

"Wir wissen jetzt, dass wir bei der Analyse von manchen Fließerscheinungen nicht nur an Lava, sondern auch an Schlamm denken müssen", betont Ko-Autor Ernst Hauber vom DLR. Die Resultate könnten auch für andere Himmelskörper eine Rolle spielen, etwa für die Eismonde im äußeren Sonnensystem, bei denen sogenannte Kryovulkane statt Schlamm oder Magma flüssiges Wasser speien. (awa/dpa)

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