Das Hubble-Teleskop hat einmalige Bilder geschossen: Die Aufnahmen zeigen, wie sich der Komet C/2019 Y4, genannt ATLAS, aufgelöst hat. Forscher hoffen, durch die Bruchstücke neue Informationen über die Beschaffenheit und den Tod der Weltall-Brocken zu erhalten.

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Als der Komet C/2019 Y4, genannt ATLAS, Mitte April begann sich aufzulösen, war die Enttäuschung für Weltall-Fans groß: Was sich laut Astronomen zu einem der faszinierendsten Schweifsterne der letzten 20 Jahre hätte entwickeln können, zerbrach in mehrere Fragmente und verlor damit seine Leuchtkraft. Das erwartete Himmelsspektakel fiel einfach aus.

Aufnahmen zeigen wahres Trümmerfeld im All

Nun konnte das Weltraumteleskop Hubble einen Blick auf die Überreste von ATLAS werfen – und diese strahlen eine ganz eigene Faszination aus: Die Aufnahmen, welche von der Nasa veröffentlicht wurden, zeigen ein wahres Trümmerfeld im All, eingehüllt in eine Wolke Asteroidenstaub, in welchem sich die fast 30 Fragmente aufzulösen scheinen.

Die Aufnahmen entstanden am 20. und 23. April 2020, wie David Jewitt, Professor für Planetologie und Astronomie an der University of California, Los Angeles (UCLA) mitteilt: "Das Aussehen der Fragmente verändert sich im Laufe dieser zwei Tage so gravierend, dass wir uns noch kein richtiges Bild davon machen können was genau passiert."

In dieser Überblendung der Aufnahmen sind die Unterschiede deutlich zu erkennen:

"Bislang wissen wir nicht, ob die Fragmente durch reflektiertes Sonnenlicht aufblitzen und verschwinden, oder ob es sich um verschiedene Bruchstücke, die nur an den unterschiedlichen Tagen zu sehen waren, handelt", erläutert Jewitt die Fotos des Weltraumteleskops. Soviel ist jedenfalls sicher: Die Aufnahmen zeigen den bislang schärfsten Blick auf einen zerbrochenen Kometenkern.

Forscher hoffen auf neue Erkenntnisse zum Tod von Kometen

Forscher können damit einen genauen Blick auf den Tod von Kometen werfen. Die Lehrmeinung geht davon aus, dass viele der Himmelskörper am Ende ihrer Existenz in Fragmente zersplittern und sich langsam auflösen, doch das Warum ist noch nicht geklärt. Eine Theorie geht davon aus, dass durch die Erwärmung durch die Sonne ausströmendes Gas den Kometen in Rotation versetzt. Wird diese Eigendrehung zu heftig, zerlegt sich der Himmelskörper förmlich selbst. "Weitere Analysen der Hubble-Daten könnten uns nun zeigen, ob dieser Mechanismus für die Zerstörung des Kometen verantwortlich war", sagt Jewitt.

Für die Erde ist der zerbrochene Himmelskörper aber keine Gefahr: Sollten die Fragmente ihre weitere Reise überstehen, werden sie am 23. Mai 2020 ihre größte Annäherung an die Erde erreichen und unseren Planeten in einer Distanz von 116 Millionen Kilometern passieren. Acht Tage später wird ATLAS sein Weg dann um die Sonne führen.

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Happy Birthday, Hubble! Die faszinierendsten Bilder aus 30 Jahren

Ohne Hubble wäre unser Bild vom Weltall ein völlig anderes. In 30 Jahren lieferte das Weltraumteleskop nicht nur bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern wurde auch selbst zum Star: Seine Aufnahmen schillern heute in Kalendern, auf Postern und Bechern.