Starkregen sorgt zurzeit in weiten Teilen Deutschlands für erhebliche Schäden. Das war laut einer kürzlich veröffentlichten Studie abzusehen. Doch auf die wachsenden Gefahren sind deutsche Städte demnach gar nicht vorbereitet.

Ein Tankstellendach bricht unter Regenmassen zusammen, das Dach eines Universitätsgebäudes stürzt ein und Sturzfluten überschwemmen ein Einkaufszentrum in der Wuppertaler Innenstadt. Aufgrund erheblicher Infrastrukturschäden werden Helfer einige Tage mit den Aufräumarbeiten in NRW beschäftigt sein.

Laut deutschem Wetterdienst (DWD) sind im Raum Wuppertal in kurzer Zeit 100 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. "Das war schon extrem und ist in der Regenmenge etwa das, was normalerweise im Laufe eines Monats fällt", sagte ein Sprecher.

Auch in Gießen sind bei einem Unwetter Straßen überflutet worden und zahlreiche Bäume umgeknickt. Die Notaufnahme des Uniklinikums stand teilweise unter Wasser - zwei Stunden lang konnten keine Notfälle aufgenommen werden, berichtet die DPA.

Über Bayern haben im gleichen Zeitraum heftige Gewitter gewütet und Schäden verursacht. In Regensburg fiel in mehreren Stadtteilen für Stunden der Strom aus. Die kürzlich veröffentlichte Studie "Starkregen - Urbane Sturzfluten 4.0" warnt vor solchen und noch schlimmeren Folgen.

Durch Starkregen drohen Milliardenschäden

"Starkregen ist enorm gefährlich. Es gibt keine tagelange Vorwarnung wie etwa beim Hochwasser von Flüssen. Die Flut kommt quasi von oben – ohne Deich, ohne Schutz", sagt Studienautor Prof. Wolfgang Günthert vom Institut für Wasserwesen der Universität der Bundeswehr in München in einer Pressemitteilung.

Die meisten Kommunen blendeten die Risiken durch Starkregen allerdings aus. "Das ist fahrlässig", so Günthert. Es drohten Schäden in Milliardenhöhe und sogar der Verlust von Menschenleben.

Günthert fordert eine Pflicht für Städte und Gemeinden, Risiko-Karten zu erstellen. Darauf solle neben Grünflächen, Gefälle des Geländes und Kanalisationskapazitäten, auch für einzelne Straßen und Häuser die Überschwemmungsgefahr erfasst werden. Anhand dieser Daten könne man mithilfe von digitalen Sturzflut-Simulationen ein effektives System zum Regenwasser-Management erarbeiten - und das bundesweit.

Klimawandel verstärkt extreme Wettererscheinungen

Ein entscheidender Grund für den immer häufiger werdenden Starkregen - und somit für die Notwendigkeit besserer Schutzmaßnahmen - sei der Klimawandel. Einen aufschlussreichen Überblick, wie der Klimawandel extreme Regenfälle begünstigt, liefert der renommierte Klimatologe Stephan Rahmstorf in seinem Blog.

Niederschläge nehmen demnach bei einer Klimaerwärmung tendenziell zu. Je wärmer es ist, desto mehr Wasser verdunstet und desto mehr kann auch abregnen. Bei Starkniederschlägen nehme die Regenmenge um etwa sieben Prozent pro Grad der Erwärmung zu. Speziell bei Gewittern könne die Rate der Zunahme doppelt so hoch sein.

Weitere Untersuchungen lassen darauf schließen, dass weltweit auch die Anzahl von Tagesrekorden bei Niederschlagssummen zunimmt. Diese steigende Häufigkeit von extremen Regenfällen sei ebenfalls durch den Klimawandel zu erklären.

Der deutsche Wetterdienst warnt für die kommenden Tage erneut vor kräftigen Schauern und Gewittern vom Nordwesten bis in den Südosten sowie lokal im Südwesten. Eine Entspannung nach den Zerstörungen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Bayern sei nicht in Sicht.

Schwere Unwetter sind am Mittwoch über Teile Deutschlands gezogen. Besonders schwer hatte es in NRW den Raum Aachen, Wuppertal, aber auch Duisburg getroffen. Heftige Gewitter traten auch in anderen Bundesländern auf.