In Manhattan schlummert ein Geheimnis, welches auf dem ersten Blick zu skurril erscheint, um wahr zu sein. Doch was die wenigsten wissen: Nahezu die gesamte Insel in New York wird von einem durchsichtigen Faden umspannt.

Dabei handelt es sich um einen durchsichtigen Faden, ähnlich einem Nylonfaden. Dieser ist etwa 29 Kilometer lang und an den Strommasten rund um die Skyline Manhattans befestigt.

Aber wozu dient dieser Faden?

Diesen Faden bezeichnet man als „Eruv“ (Plural: Eruvin) und er existiert, um das Leben der jüdischen Gemeinde zu erleichtern. Wörtlich übersetzt kann Eruv Sabbatzaun oder Sabbatgrenze bedeuten.

Nach dem jüdischen Glauben ist der Sabbat der Tag der Ruhe. Daher dürfen Juden an diesem Tag in der Öffentlichkeit nichts tragen, weder Bücher noch Einkäufe oder Kinder. Denn das Tragen von Dingen außerhalb des Hauses zählt als Arbeit.

Der Eruv, der nahezu die gesamte Insel umspannt, dient als eine symbolische Grenze: Alles, was von dieser Grenze umschlossen wird, zählt damit zum privaten Raum, ähnlich dem eigenen Zuhause.

So also können Mitglieder der jüdischen Gemeinde frei kommunizieren, Dinge tragen und sogar arbeiten - auch am Sabbat, ohne dass sie gegen die Gesetze ihrer Religion verstoßen.

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Den Eruv zu erhalten, ist teuer

Dieser Faden wird von einem Zusammenschluss aus mehreren Synagogen erhalten. Das Ganze kostet rund 91.000 Euro im Jahr. An jedem Donnerstag wird jeder Meter der 29 Kilometer von einem Rabbi untersucht, um sicherzugehen, dass der Faden noch sicher befestigt ist.

Einen Eruv hat Manhattan bereits seit dem frühen 20. Jahrhundert. Die heutige Installation wurde zuerst 1994 begonnen und wächst seitdem graduell, um immer weitere Teile des Bezirks einzuschließen.

Warum gerade Manhattan?

Manhattan und Brooklyn sind die Stadtteile New Yorks, die aktuell, aber auch historisch die größte jüdische Population aufweisen.

Einen Eruv gibt es nicht nur in New York, sondern auch in einigen anderen US-amerikanischen Städten, wie zum Beispiel Atlanta, Chicago oder Baltimore.