2019 ist in Deutschland bereits das zweite extrem trockene Jahr in Folge. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzt, was vor allem für die Trinkwasserversorgung und die Landwirtschaft schwerwiegende Konsequenzen hat.

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Nach einigen kühleren Tagen erwarten Deutschland noch einmal über 30 Grad. Manche Sonnenanbeter freuen sich vielleicht über die Rekordsommer in diesem und im vergangenen Jahr. Doch die Trockenheit verursacht auf vielen Ebenen Probleme.

Neun der größten Flüsse Deutschlands hatten im vergangenen Jahr an mehr als 100 Tagen extremes Niedrigwasser. Ungewöhnlich häufige Waldbrände in einigen Regionen und signifikante Ernteausfälle in der Landwirtschaft sind ebenfalls nicht zu übersehende Alarmsignale.

Die Klimaprognosen deuten darauf hin, dass es sich nicht um Ausnahmeereignisse handelt. Wir müssen uns darauf einstellen, dass extreme Wetterbedingungen zur Regel werden. Dass gleich zwei extreme Trockenjahre wie 2018 und 2019 aufeinanderfolgen, ist laut Prof. Dietrich Borchardt vom Department Aquatische Ökosystemanalyse des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in der jüngeren Vergangenheit einmalig.

Die Auswirkungen sind in zweierlei Hinsicht deutlich zu erkennen: Die geringe Bodenfeuchte der oberen Erdschichten wirkt sich vor allem auf die Landwirtschaft aus. Im vergangenen Jahr hatten Bauern massive Ernteausfälle zu beklagen. 2019 sind ebenfalls große Verluste absehbar. "In Zukunft müssen wir in viel größerem Maße landwirtschaftliche Flächen bewässern, wo Bewässerung bislang noch gar kein Thema war", so Borchardt.

Der geringe Wassergehalt der tieferen Erdschichten zeigt sich deutlich am Zustand der Wälder, weil Bäume das Wasser mit ihren tiefreichenden Wurzeln aus diesen Bereichen ziehen.

In Deutschland sind laut Borchardt flächendeckend Waldschäden sichtbar: "Es geht um einen Waldumbau, wie wir ihn seit Bestehen der modernen Forstwirtschaft nicht gesehen haben. Das Fichtensterben, das wir im Moment vor allen Dingen in den Mittelgebirgen sehen, steht in einer Wirkungskette, die aus Trockenheit, Wassermangel, Wärme und einem dadurch begünstigten Schadinsektenbefall bisher unbekannten Ausmaßes für den Wald rührt."

Situation entspricht Voraussagen der Klimamodelle

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Für Mitteleuropa gehen mehrere voneinander unabhängige Prognosen zum Klimawandel davon aus, dass die Erderwärmung vor allem zu größeren Extremen führt. Im Jahresmittel fällt nicht signifikant weniger Niederschlag. Doch dieser konzentriert sich stärker auf die Wintermonate. Die Sommermonate sind dagegen extrem trocken mit gelegentlichen Starkregenereignissen.

Genau diese Voraussagen sind in Deutschland inzwischen beobachtbar. Deshalb betonen Wissenschaftler, dass wir uns mit geeigneten Maßnahmen darauf einstellen müssen, dass sich dieser Trend fortsetzt und sogar noch verschärft, um Versorgungsprobleme für die Bevölkerung zu vermeiden.

Ist das Trinkwasser in Deutschland knapp?

Flächendeckend ist in Deutschland die Trinkwasserversorgung aktuell nicht gefährdet. Doch regional musste die Nutzung bereits eingeschränkt werden. In einzelnen Orten in Brandenburg beispielsweise wurde es Privathaushalten zeitweise verboten, Trinkwasser zur Bewässerung von Gärten zu verwenden. Für Verstöße wurden Bußgelder von bis zu 50.000 Euro angedroht.

Neben Brandenburg ist die Situation auch in großen Teilen Nordrhein-Westfalens, in Niedersachsen und in Mecklenburg-Vorpommern bereits problematisch.

Laut Dr. Jörg Reichling, Leiter des Fachbereichs Informationsgrundlagen Grundwasser und Boden bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), sind die hydrogeologischen Bedingungen regional sehr unterschiedlich. Zu berücksichtigen ist außerdem, wie das Gelände genutzt wird – etwa als Acker, Grünland, Wald oder Siedlung.

Zu einer Wasserknappheit kann es beispielsweise in Gebieten kommen, in denen für die Landwirtschaft genutzte Beregnungsbrunnen in der Nähe von flachen Trinkwasserversorgungsbrunnen liegen. "Solche konkurrierenden Nutzungsinteressen müssen vor dem Hintergrund der regionalen Rahmenbedingungen analysiert und spezifische Lösungen entwickelt werden", so Reichling. Deswegen kann es keine pauschalen Regelungen für ganz Deutschland geben.

Forschung sichert zukünftige Versorgung

In vielen Gebieten fehlt aber noch das notwendige Wissen, um geeignete Maßnahmen umzusetzen, die den Anforderungen durch das veränderte Klima gerecht werden. Die Forscher des Helmholtz Zentrums beobachten deshalb genau, wie die steigenden Temperaturen die Gewässer beeinflussen.

Als Beispiel nennt Borchardt giftige Algenblüten durch Cyanobakterien in Oberflächengewässern: "Diese waren in unseren Binnengewässern früher eher selten. Wir sehen, dass sie jetzt durch das Zusammenwirken mit Trockenperioden und Hitzewellen zu einem flächendeckenden Problem werden." Die Ursachenketten dazu seien bislang nur teilweise bekannt.

Außerdem werden Modelle beispielsweise für die Entwicklung der Wassergüte angepasst. "Im letzten Jahr waren manche Trinkwassertalsperren plötzlich nur noch halb gefüllt", so Borchardt. Ein sinkender Stand bedeute auch eine Verschlechterung der Wasserqualität: "Wir haben im letzten Jahr Wasserqualitätsverschlechterungen in Trinkwassertalsperren gesehen, die bisher so noch nicht beobachtet worden waren." Mit Modellen, die aus solchen Beobachtungen entwickelt werden, sollen auch Betreiber in die Lage versetzt werden, die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen.

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Prof. Dr. Dietrich Borchardt vom Department Aquatische Ökosystemanalyse des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung
  • Gespräch mit Dr. Jörg Reichling, Leiter des Fachbereichs Informationsgrundlagen Grundwasser und Boden bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)
  • Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: "Die Folgen von Dürre und Hitze"
  • Helmholtz Zentrum für Umweltforschung: "Klimawandel verschärft Dürren in Europa"
  • Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe: "Grundwasser"
  • World Resources Institute: "17 Countries, Home to One-Quarter of the World's Population, Face Extremely High Water Stress"
  • Umweltbundesamt: "Erosion"
  • Märkische Oderzeitung: "Sprengverbot: Gießen kann jetzt teuer werden"
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