Auch am Donnerstag schwebte mancherorts noch Feinstaub aus dem Silvesterfeuerwerk in der Luft. Eine sehr große Gefahr durch die winzigen Teilchen aus dem Feuerwerk sehen Experten aber nicht.

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Auch am zweiten Januar ist die Feinstaubbelastung durch das Silvesterfeuerwerk in einigen deutschen Städten und Ballungsregionen noch hoch gewesen. Nach den vorläufigen Daten des Umweltbundesamtes (UBA) wurde der Tagesgrenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft vor allem im Ruhrgebiet erneut überschritten.

Ganz genau lasse sich das aber erst am Freitag sagen, schränkte eine UBA-Expertin ein. Denn auf den aktuellen UBA-Karten im Internet angezeigt würden gleitende Tagesmittelwerte. Das heißt, dass zunächst alle Werte der vergangenen 24 Stunden eingerechnet würden. Relativ hohe Werte gebe es zudem noch im Rhein-Main-Gebiet, im Raum Stuttgart, in Saarbrücken und in einigen bayerischen Städten.

Umweltbundesamt: Keine ernste Gesundheitsgefahr durch Feinstaubwerte

Am Donnerstagvormittag lagen beispielsweise die Feinstaubwerte in Essen und Dortmund, berechnet nach gleitenden Mittelwerten, weiter über 100 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft - also mehr als doppelt so hoch wie der Tagesgrenzwert. Schlechte Luft gab es auch im Rhein-Main-Gebiet, in Saarbrücken und in einigen bayerischen Städten.

Ernste Gesundheitsgefahren durch Feinstaub allein in der Silvesternacht sieht das UBA dagegen kaum. Verletzungen durch Raketen und Schäden durch Brände wögen im Vergleich dazu vermutlich deutlich schwerer.

Inversionswetterlage wirkt wie Topfdeckel für Feinstaub

Grund für die hohen Feinstaubwerte sei eine Inversionswetterlage, teilte das Umweltbundesamt (UBA) am Donnerstag mit. Dabei seien die oberen Luftschichten wärmer als die unteren. Die Luft durchmische sich kaum und auch Feinstaub sitze wie unter einem Topfdeckel fest.

Die Inversionslage erkläre vielleicht auch, warum die Feinstaubwerte in der Silvesternacht in vielen Städten zunächst weiter anstiegen statt nach dem Ende des mitternächtlichen Feuerwerks wieder herunterzugehen. Der schädliche Dreck durch die Böllerei sei vermutlich immer ähnlich groß, heißt es aus dem UBA. Je nach Wetterlage und Windstärke verteile er sich nur jedes Jahr anders. 2015 und 2016 habe es an Silvester ähnliche Wetterlagen gegeben.

Feuerwerke in der Sommerzeit, womöglich an einem windigen Tag, zeigten nicht so lange Wirkung wie etwa in der Silvesternacht und damit in der kalten und häufiger feuchten Jahreszeit, sagte Andreas Matzarakis, Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg. Erfahrungsgemäß lägen die Feinstaubwerte nach dem Silvesterfeuerwerk in Städten etwa um das Zwei- bis Sechsfache über den dort üblichen Werten. Allerdings sei es für empfindliche Menschen relativ einfach, Risiken zu vermeiden, indem sie in der Wohnung blieben.

Feinstaubbelastung insgesamt zurückgegangen

Insgesamt sei die Feinstaubbelastung in den vergangenen Jahren in Deutschland aber spürbar gesunken, heißt es vom UBA. Der Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Tagesmittel werde an vielen Messstellen selten oder gar nicht an mehr als 35 Tagen im Jahr überschritten. Der Grund dafür könne mehr Umweltschutz sein, auch in Osteuropa. Die Silvesternacht koste die meisten städtischen Regionen aber mindestens einen der erlaubten 35 Überschreitungstage für Feinstaub pro Jahr.

Bei Feinstaub handelt es sich um kleinste Teilchen. Je nach Größe können diese nicht nur tief in Lunge und Bronchien, sondern auch ins Blut gelangen und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems hervorrufen. (mgb/dpa)

Unfallchirurgen waren in Berlin in der Silvesternacht im Dauereinsatz: Feiernde hatten sich durch Böller und Raketen teils schwerste Verletzungen zugezogen. Die Unfallklinik berichtet von Amputationen und Knochenbrüchen.