Ein Vogel, der weniger als ein Cent-Stück wiegt und eine Echse, deren Kopf blau anlaufen kann: Auf Kuba leben zahlreiche Tierarten, die sonst nirgends auf der Welt vorkommen. Die Ursache dafür sind ganz besondere Bedingungen, die im Laufe der Erdgeschichte auf diesem Fleckchen Erde zusammenkamen. Wir stellen einige Vertreter der einzigartigen Fauna Kubas vor.

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Kubas Natur ist außergewöhnlich: Die Hauptinsel des gleichnamigen Staates besitzt die größte Artenvielfalt der Karibik. Etwa die Hälfte der dort lebenden Arten ist endemisch – das heißt, sie kommen ausschließlich dort vor. Ein besonderer Hotspot ist der Alexander-von-Humboldt-Nationalpark im Osten der Insel. Die UNESCO hat das biologisch einzigartige Gebiet deshalb im Jahr 2001 zum Weltnaturerbe erklärt.

Mehrere Faktoren begünstigen den Endemiten-Reichtum auf Kuba. Zunächst einmal liegt Kuba in einem evolutionsgeschichtlich besonderen Teil der Welt. Die Biogeographie teilt die Erde in verschiedene Regionen ein, die eine eigene Flora oder Fauna besitzen. Kuba liegt in der Neotropis, die in Bezug auf die Tierwelt Südamerika, Mittelamerika und Westindien umfasst. Die Neotropis war lange Zeit von Nordamerika getrennt. So konnte sich hier isoliert vom Rest der Welt eine einzigartige Tier- und Pflanzenvielfalt entwickeln.

Einmaliges Spiel der Evolution

Dass die Evolution auf Kuba wiederum andere Spezies als in der übrigen Neotropis hervorbringen konnte, liegt zum einen an der Insellage. Zum anderen existieren auf Kuba selbst sehr unterschiedliche Lebensräume, an die sich Tiere anpassen. So erzeugen vielfältige klimatische Faktoren oder auch die unterschiedliche chemisch-physikalische Beschaffenheit der Böden Nischen, die die Entstehung neuer Arten begünstigen.

Eine weitere Besonderheit Kubas liegt in der wechselhaften Klimageschichte und dem damit verbundenen schwankenden Meeresspiegel. Mehrmals waren Teile der heutigen Insel in Warmzeiten für längere Perioden überflutet. Die Landbewohner zogen sich in die Gebirgsregionen zurück, die über der Wasseroberfläche blieben und mehrere voneinander isolierte Inseln bildeten. Auf diesen Refugien herrschten veränderte Bedingungen und durch die Anpassung an diese bildeten sich neue Arten heraus.

In Perioden eines sinkenden Meeresspiegels vergrößerte sich ihr Lebensraum wieder und sie trafen auf die Arten, die sich in der Zwischenzeit auf den anderen Gipfeln ausgeprägt hatten. Die Anpassung an unterschiedliche Nischen und die sich abwechselnden Perioden von Isolation und Vermischung wirkten wie ein Turbo für evolutionäre Entwicklungen in der Tierwelt des heutigen Kuba.

Diese Tiere gibt es nur auf Kuba

Die Bienenelfe (Mellisuga helenae) ist der kleinste Vogel der Welt. Die Vertreter dieser Kolibri-Art werden 5 bis 7 Zentimeter groß und wiegen ausgewachsen nur 1,8 Gramm. Zum Vergleich: Eine 1-Cent-Münze ist schon 2,3 Gramm schwer.

Die Bienenelfe (Mellisuga helenae), den kleinsten Vogel der Welt, gibt es nur auf Kuba.

Der Kubanische Schlitzrüssler (Solenodon cubanus) sieht wie eine überdimensionierte Spitzmaus aus und kann bis zu ein Kilogramm auf die Waage bringen. Doch harmlos ist Solenodon nicht. Das Säugetier produziert ein Nervengift, das es durch eine Furche an den Zähnen in die Biss-Stelle leitet. Damit kann es relativ große Beutetiere töten.

Die Kuba-Baumratte (Capromys pilorides) wird deutlich größer als der Kubanische Schlitzrüssler. Sie kann ein Körpergewicht von 9 Kilogramm erreichen. Allein Kopf und Rumpf können zusammen bis zu 60 Zentimeter messen. Der Schwanz kann zusätzliche 30 Zentimeter lang werden. Damit ist sie das größte endemische Säugetier Kubas.

Kuba-Baumratte (in einem Prager Zoo).

Die Saumfingerechse (Anolis allisoni) hat sich auf das Leben in Sträuchern spezialisiert. Die Tiere können eine Gesamtlänge von 25 Zentimetern erreichen. Die Männchen sind grün, die Weibchen braun. Je nach Stimmung können die Männchen ihre vordere Körperhälfte blau einfärben.

Die Saumfingerechse (Anolis allisoni) gibt es nur auf Kuba.

Das Monte-Iberia-Fröschchen (Eleutherodactylus iberia) wird kaum größer als 10 Millimeter. Es lebt ausschließlich in einem kleinen Areal im Alexander-von-Humboldt-Nationalpark. Es bewegt sich am Boden des Regenwaldes und ernährt sich von Insekten.

Verwendete Quellen:

  • Terra X: "Kuba – Das Erbe der Revolution"
  • Peter Hasdenteufel: "Naturschutz und Schutzgebiete auf Kuba"
  • Antonio Cádiz et al.: "Relative importance of habitat use, range expansion, and speciation in local species diversity of Anolis lizards in Cuba"
  • Rafael Borroto-Páez et al.: "Biodiversity and conservation of Cuban mammals: past, present, and invasive species"
  • Alexander Wezel et al.: "Agricultural land use in the coastal area of the Alexander von Humboldt National Park, Cuba and its implication for conservation and sustainability"
  • Geographisches Institut der Humboldt-Universität zu Berlin: "Kuba - Bericht zur Hauptexkursion 2009"
  • Technische Universität Berlin: Meeresspiegelschwankungen - Verlust und Gewinn von Landschaften
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