Es ist ein unguter Kreislauf im Kampf gegen die Klimaerwärmung: Steigende Temperaturen zerstören Wälder. Verschwinden Bäume, beschleunigt das wiederum die Klimaerwärmung. Dennoch vernichten Menschen jedes Jahr bewusst riesige Waldflächen. Einige Aufforstungsprojekte versuchen, dem entgegenzuwirken.

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Der größte CO2-Speicher, den die Erde hat, sind die Wälder. Bäume produzieren Sauerstoff, sie kühlen und befeuchten die Luft und schützen den Boden vor Erosion. Waldflächen regulieren die Zirkulation von Wasser in der Erde und den Niederschlag. Neben der Reduzierung von Emissionen zählen der Schutz bestehender Wälder und die Aufforstung zu den wirksamsten Mitteln im Kampf gegen die Klimaerwärmung.

Doch seit seiner Sesshaftwerdung hat der Mensch die weltweiten Waldbestände stark dezimiert. Während das Gebiet des heutigen Deutschlands beispielsweise einst nahezu vollständig mit Wald bedeckt war, wachsen inzwischen nur noch auf einem Drittel der Fläche Bäume. Jährlich gehen weltweit sieben Millionen Hektar Wald verloren.

Wo Bäume verschwinden, wird CO2 freigesetzt. Einen Teil macht das CO2 aus, das im Holz gebunden ist. Aber auch der Waldboden speichert große Mengen des Gases. Wenn dieser etwa in Ackerland umgewandelt wird, gelangt mehr CO2 in die Luft. Dazu kommt, dass der Atmosphäre künftig ohne den Wald weniger CO2 entzogen wird.

Wald weicht Siedlungen und Äckern

Die Entwaldung größerer Landflächen kommt auch natürlich vor. Starke Stürme, natürliche Waldbrände oder auch Vulkanausbrüche können Ursachen dafür sein. Doch als die Anzahl der Menschen weltweit noch überschaubar war, blieben solche Landschaftsveränderungen meist in einem globalen Gleichgewicht.

Auch der Amazonas Regenwald in Brasilien muss den Bestrebungen nach neuen Acker- und Bauflächen weichen - und das im großen Stil.

In der heutigen Welt, wo große Teile der Landfläche vom Menschen für Siedlungen und Landwirtschaft genutzt werden, sind die natürlichen Entwicklungen blockiert. Ein Wald kann sich nicht beliebig ausdehnen. Auch die Zusammensetzung der Vegetation wird vom Menschen gezielt verändert.

Den größten Anteil am Verschwinden der Wälder hat die wachsende menschliche Bevölkerung auf der Erde. Offensichtlich ist das bei der gezielten Abholzung, um Holz als Rohstoff zu verwenden und der Rodung, um Waldflächen in Ackerland zu verwandeln. Doch auch andere Ursachen für Entwaldung wie Dürren und Schädlingsbefall gehen auf vom Menschen erzeugte Umweltveränderungen zurück.

Wald kann nicht beliebig wiederhergestellt werden

Bereits im 19. Jahrhundert gab es in Deutschland erste Bemühungen um gezielte Aufforstung. Die Knappheit von Holz zum Heizen während der frostigen Winter der Kleinen Eiszeit hatte den Menschen die Notwendigkeit einer nachhaltigen Forstwirtschaft verdeutlicht.

Doch Wald kann nicht beliebig wiederhergestellt werden. Wenn Bäume gefällt werden, verändert sich der Boden. Die nicht mehr geschützten Flächen degradieren – das heißt, sie können zunächst anspruchsvolleren Pflanzen nicht mehr als Grundlage dienen, im Extremfall schwindet die Erde durch Übernutzung und Erosion ganz und es bleiben nur Gestein oder Sand übrig.

Ursprünglich bewaldete Gebiete, wo keine Aufforstung mehr möglich ist, sind etwa die Heideflächen Norddeutschlands. Auch das für den Mittelmeerraum heute vielerorts typische Landschaftsbild mit Buschland, Gräsern und teils offenen Bodenstellen ist eine Folge jahrhundertelanger Übernutzung.

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Vielversprechende Projekte

Aufforstung ist daher ein knapper Wettlauf mit der Zeit. Eine im Juli im Fachmagazin "Science" veröffentlichte Studie lässt hoffen. Die Wissenschaftler der ETH Zürich haben mit innovativen Methoden erstmals ermittelt, wo auf der Erde potenzielle Flächen für zusätzliche Wälder bestünde. Demnach könnten weltweit 0,9 Milliarden Hektar Land aufgeforstet werden, ohne dass dies den Platz für menschliche Siedlungen oder Landwirtschaft beeinflussen würde. Das entspricht fast der Fläche der USA.

Die neuen Wälder könnten der Studie zufolge etwa zwei Drittel der Menge an Kohlenstoff aufnehmen, die von der Menschheit seit der industriellen Revolution als CO2 in die Atmosphäre ausgestoßen wurde. Doch auch die Autoren dieser Untersuchung warnen: Um das annähernd umsetzen zu können, muss schnell gehandelt werden.

Ein gutes Beispiel hat kürzlich die äthiopische Regierung gesetzt: Vier Milliarden neue Bäume will das Land in diesem Jahr pflanzen. Das "Green Legacy"-Projekt ist als Mitmachaktion konzipiert. Ziel ist es, dass jeder der rund 100 Millionen Einwohner des Landes 40 Bäume pflanzt. Allein am Hauptaktionstag am 29. Juli wurden binnen zwölf Stunden 354 Millionen Setzlinge in den Boden gebracht.

Das größte Aufforstungsprojekt läuft aber aktuell in China. Riesige Gebiete der Volksrepublik drohen, sich nach langer Übernutzung in Wüsten zu verwandeln. Um dem entgegenzuwirken, sollen 350.000 Quadratkilometer Land – in etwa die Fläche Deutschlands – mit Bäumen bepflanzt werden. So soll eine sogenannte "Grüne Mauer" entstehen, die Wüstenstürme abhalten und noch fruchtbare Landflächen vor der Wüstenbildung schützen soll.

Verwendete Quellen

  • Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: "Wald und Klima"
  • Bundesregierung: "Kampf gegen Abholzung"
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung – Initiative Bioökonomie.de: "Deutsche Wälder speichern mehr CO2"
  • Jean-Francois Bastin et al.: "The global tree restoration potential"
  • Büro des Premierministers von Äthiopien: Projektseite von "#GreenLegacy"
  • co2online: "Die Abholzung der Wälder"
  • NASA Earth Observatory: "Seeing Forests for the Trees and the Carbon"
  • WWF: "Wald ohne Zukunft? Die Bedrohung der globalen Entwaldung"
  • Global Forest Watch: "Forest Monitoring Designed for Action"
  • Deutsche Welle: "Deutscher Wald im Ausnahmezustand"

Amazonas-Gebiet in Flammen

Brasilien registriert in diesem Jahr so viele Waldbrände wie nie zuvor. Zwischen Januar und August 2019 hat es fast 73.000 Brände gegeben. Die Feuer werden hauptsächlich von Bauern entfacht, um neue Weideflächen zu schaffen. Täglich kommen mehr als 1.000 neue Brände hinzu.