Wer der North Sentinel Island im Indischen Ozean zu nahe kommt, riskiert sein Leben. Die Bewohner begrüßen Besucher seit Jahrhunderten meist mit Bogen und tödlichen Pfeilen. Niemand weiß genau, was auf der Insel vor sich geht.

Wieder einmal suchte eine Gruppe von indischen Regierungsmitgliedern die North Sentinel Island auf. Wieder einmal hatten die Männer Geschenke für die Eingeborenen dabei. Schafften sie es diesmal, Kontakt zu ihnen herzustellen? Oder würden die Sentinelesen sie beim ersten Sichtkontakt mit Pfeil und Bogen beschießen?

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Das wäre nicht das erste Mal. Schon um 1296 notierte Marco Polo, dass auf North Sentinel die gefährlichste Menschenrasse der Welt lebe. Furchterregend sollten sie aussehen: Ihre Augen, Ohren und Zähne ähnelten angeblich denen von Hunden.

Diesmal gelangten die Besucher unbemerkt bis zum Strand der Insel. Als Zeichen der Freundschaft ließen sie ein Schwein und eine Puppe zurück. Die Reaktion der Sentinelesen erfolgte schnell: Sie attackierten Tier und Spielzeug mit Pfeilen, töteten das Schwein und verbuddelten die Geschenke anschließend im Sand.

Leben in totaler Isolation

North Sentinel gehört zur Inselkette der Andamanen im Indischen Ozean, und gilt als gefährlichste Insel der Welt. Die Bewohner sind angeblich aggressiv und gehen auf Besucher los – mit tödlichen Pfeilen.

Niemand weiß genau, wie sie leben und was auf dem Eiland geschieht. Selbst Anthropologen erforschen North Sentinel und sein Volk nur vom Boot aus und stellen Mutmaßungen an. Ihren Schätzungen zufolge wohnen dort nur 50 bis 80 Menschen.

Die Sentinelesen sind ihrer Meinung nach ein Volk der Jäger und Sammler, die in kleinen Gruppen zusammenleben. Mit den Pfeilen jagen sie offenbar sonst Tiere. Nachts schlafen sie in Unterständen im Freien.

Ob sie in der Lage sind, Feuer zu machen, ob sie eine Religion haben und ob sie zählen können, ist immer noch unerforscht. So ranken sich viele Gerüchte um die Bewohner und ihre Feindseligkeit.

Gerade das macht die Reise zur geheimnisvollen Insel für viele verlockend. Auf North Sentinel scheinen Menschen immer noch so zu leben, wie unsere Vorfahren es vor tausenden von Jahren getan haben. Es ist wie eine Abenteuerreise zurück in die Steinzeit. Immer wieder scheitern Expeditionsteams bis heute, sich Insel und Eingeborenen zu nähern.

Die Entdeckung der Insel 1771

Als sicher gilt: Die Sentinelesen sind das letzte isoliert lebende indigene Volk in der Region. Ihre Vorfahren sollen vor 100.000 Jahren aus Afrika auf die Insel ausgewandert sein. Entdeckt hat sie angeblich ein Besatzungsmitglied eines Schiffes der East Indian Company im Jahre 1771. Erst ein gutes Jahrhundert später, 1867, betraten 20 Inder die Insel zum ersten Mal.

Doch das geschah unfreiwillig: Ihr Handelsschiff blieb am Riff vor der Insel hängen und die Männer retteten sich per Ruderboot auf die Insel. Ihr Aufenthalt war kurz. Noch während sie sich etwas zu essen zubereiteten, griffen Sentinelesen sie an.

Die Seeleute flohen in ihr Boot und entkamen knapp. Fremde waren an Land offensichtlich nicht erwünscht, wie sich in den kommenden Jahrhunderten immer wieder zeigte.

Der Mythos der wilden Ureinwohner

2006 kamen zwei neugierige Fischer der Insel zu nah. Später fand man sie tot im Wasser. Was genau passiert ist, weiß niemand. Vielleicht waren die Fischer aber gar nicht so harmlos, sondern es handelte sich um Wilderer, vor denen sich die Bewohner schützen wollten – weil sie Angst vor dem Verlust ihrer Nahrung hatten.

Den Menschen auf der Insel wurde auch früher schon übel mitgespielt: 1879 betraten britische Kolonialherren North Sentinel. Sie blieben nur kurz, aber verließen das Eiland nicht alleine. Gewaltsam verschleppten sie ein älteres Paar sowie mehrere Kinder auf eine Nachbarinsel. Als Mann und Frau binnen weniger Tage starben, schickten Offiziere die Kinder mit Geschenken zurück auf die Insel.

Später wollte die Regierung auf der Insel eine Kokosplantage errichten und die Bewohner zu Bauern machen. Um friedliche Absichten zu demonstrieren, wurden jahrelang Netze voll mit Kokosnüssen im Wasser vor der Insel abgelegt. Aber auch das sorgte nicht für eine Annäherung.

Von der Kokosplantage zur Sperrzone

1996 änderte die indische Regierung ihre Politik. Sie gab es auf, die wilden Sentinelesen an die Zivilisation heranzuführen. Stattdessen wurde die Insel zur Sperrzone erklärt. Es ist seitdem verboten, sich in einem Umkreis von drei Meilen rund um die Insel aufzuhalten.

Damit sollen vor allem die Bewohner geschützt werden. Denn als isoliertes Volk besitzen sie keine Abwehrkräfte gegen Zivilisationskrankheiten. Eindringlinge könnten unwissentlich zum Auslöschen dieses einzigartigen und unerforschten Stammes beitragen.

Dennoch versuchen immer wieder Menschen, das Geheimnis der Insel zu lüften. Zu sehen ist das in einigen YouTube-Videos. Aber überraschenderweise erscheinen die Sentinelesen darin gar nicht so aggressiv, wie jahrhundertelang spekuliert wurde, sondern ganz friedlich. Neugierig durchsuchen einige Ureinwohner in einem Clip die Boote von Besuchern nach Nahrung. Pfeil und Bogen haben sie gar nicht erst dabei.

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