Im englischen Avebury steht der größte Megalith-Steinkreis der Welt, und doch ist er weniger bekannt als das berühmte Stonehenge. Dabei haben beide eine merkwürdige Verbindung. Wer Avebury erschaffen hat und warum, weiß niemand. Das mehr als 4.500 Jahre alte Monument gibt aber weitere Rätsel auf.

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Von Stonehenge hat wohl jeder schon mal gehört: Der berühmteste Steinkreis der Welt im Süden Englands zieht Millionen Besucher an. Der Name Avebury ist mit Sicherheit viel weniger Menschen ein Begriff.

Dabei ist der dortige Megalith-Steinkreis nicht nur größer als der im knapp 30 Kilometer entfernten Stonehenge, er ist sogar der größte der Welt. Avebury gehört zum gleichnamigen Dorf östlich von Bath.

Ein großer und zwei innere Steinkreise

Die Ausdehnung des Steinkreises ist beeindruckend: 400 Meter im Durchmesser misst er, Stonehenge nur 100 Meter. Die Anlage besteht aus einem größeren äußeren und zwei kleineren inneren Kreisen im Norden und im Süden.

Allerdings sind von den ursprünglich 154 Megalithen nur noch 36 erhalten. Sie waren zwischen 2,10 und 5,50 Meter hoch und wogen bis zu 40 Tonnen. Ursprünglich führte eine Allee aus weiteren 450 Sandsteinen zu dem Kreis.

ein Überblick über die Anlage von Avebury.

Wer hat das gewaltige Monument errichtet?

Der Avebury-Steinkreis entstand zwischen 2.900 bis 2.400 vor Christus im neolithischen Zeitalter. Der Ort war wohl eine bedeutende Kultstätte – und das, bevor der Kreis errichtet wurde. Der Wall, der die Anlage umgibt, ist älter als das Monument. Wahrscheinlich war die gesamte Gegend heilig: In unmittelbarer Umgebung gibt es weitere mysteriöse Monumente und Orte aus neolithischer Zeit, unter anderem ein Grabmal, mehrere Steinkreise und den größten künstlichen Hügel in Europa.

Aber wie transportierten die Menschen mit primitiven Werkzeugen die massiven Megalithen von einem Ort zum anderen? Die Arbeit muss mehrere hundert Jahre gedauert haben. Wer hat das Monument zu welchem Zweck errichtet? Und warum wurde es später beinah zerstört? Das sind nicht die einzigen Fragen, die Avebury aufwirft.

Die merkwürdigen geometrischen Besonderheiten

Denn der Steinkreis hat einige geometrische Besonderheiten: Zusammen mit Stonehenge und dem ebenfalls mysteriösen Hügel Glastonbury Tor bildet der Kreis ein großes Dreieck. Die Achse zwischen den zwei kleineren Steinkreisen in Avebury ist zudem auf eine besondere Zeit ausgerichtet: den Sonnenaufgang zu Mittsommer im Juni.

Kann das Zufall sein? Welche Kultur konnte vor über 4.500 Jahren solche Berechnungen anstellen? Das weiß bis heute niemand.

Opferstätte, Observatorium oder die Artus-Schlachtfeld?

Viele Experten rätseln, welche Art von Kultstätte der Steinkreis gewesen ist. Vielleicht ein Opferplatz? Dafür spricht, dass dort viele Tierknochen entdeckt wurden. Spekulationen zufolge könnte Avebury den Erbauern aber auch als eine Art Sternen-Observatorium gedient haben. Manche glauben, dass der Platz der Austragungsort der letzten Schlacht des legendären König Artus gewesen sei. Beweise für all das gibt es aber nicht.

Oder haben sich in Avebury einfach Menschen versammelt, um Götter anzubeten und Zeremonien abzuhalten, um die Natur zu besänftigen? Von dieser Annahme gehen die meisten Forscher heute aus. Als sicher gilt auch, dass der heilige Ort mehr als 2.500 Jahre lang genutzt wurde, bis er aus unbekannten Gründen aufgegeben wurde.

Warum Avebury zerstört wurde

Fast 1.500 Jahre lang blieb Avebury unbeachtet. Doch einem christlichen Pfarrer im 14. Jahrhundert war der heidnische Steinkreis ein Dorn im Auge. Er wies die Einwohner der Gegend an, das gewaltige Monument zu zerstören.

Diese glaubten, dass der Steinkreis vom Teufel errichtet worden sei. Einige Megalithen bekamen Namen wie "Devil’s Chair". Viele Steine wurden vergraben, demoliert oder zum Hausbau verwendet.

Die Legende vom fahrenden Barbier

Sagenumwittert blieb der Steinkreis trotzdem. Eine jahrhundertealte Legende aus der Region erzählte von einem Mann, der von einem der Steine erschlagen wurde, dem "Barber’s Stone". Und tatsächlich wurde 1938 bei Ausgrabungen ein Skelett unter einem umgefallenen Megalith entdeckt. In seinen Taschen fanden Archäologen Münzen aus dem Jahr 1320 und eine Schere.

Ab den 1920er Jahren gruben Archäologen viele der verbuddelten Steine aus und stellten sie wieder auf. Heute gehört der Steinkreis von Avebury wie der von Stonehenge zum Welterbe der Unesco.

Auch wenn Stonehenge mehr Menschen anzieht, weil der dortige Steinkreis besser erhalten ist: Für viele Anhänger von Naturreligionen oder esoterisch Interessierte gilt Avebury als heiliger Ort.

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