• Das Gefieder von Blaumeisen verliert durch den Klimawandel an Farbenpracht.
  • Das könnte sich als mehr als nur ein optisches Problem erweisen.

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Der Klimawandel lässt nicht nur Wiesen ausbleichen und Gärten verdorren. Auch die Farbenpracht von Vögeln verblasst offenbar als Folge der zunehmenden Erderwärmung. Zu diesem Ergebnis jedenfalls kommen Forscher der Universität des Baskenlandes und des französischen Zentrums für Evolutionsforschung (CEFE) in einer Langzeitstudie mit Blaumeisen in Südfrankreich, über deren Ergebnis sie nun im Fachjournal "The American Naturalist" berichten.

Auf die Spur kamen die Wissenschaftler dem Phänomen durch Langzeitbeobachtungen an zwei Vorkommen der Meisen in Südfrankreich. Über 15 Jahre hinweg kontrollierten Doktoranden Hunderte brütende Vögel in einem Wald nahe Montpellier und auf der Mittelmeerinsel Korsika.

Um die Entwicklung der Gefiederfärbung über Jahre hinweg vergleichen zu können, fingen die Forscher immer zur gleichen Zeit im Frühjahr alle erwachsenen Vögel ein, wenn sie gerade kleine Junge in ihren Nistkästen versorgten. Dadurch stellten sie sicher, dass die natürliche Ausbleichung der Federn, die sie untersuchen wollten, in jedem Jahr gleich war. Jedem Tier wurden einige der charakteristischen blauen Federn des Kopf- und der gelben Federn des Brustgefieders ausgezupft, um sie dann im Labor mittels Spektralphotometrie auf ihre Farbintensität zu vermessen.

Leuchtkraft der Korsika-Meisen nimmt um mehr als 15 Prozent ab

Die Analyse der über die Jahre fast 6.000 gewonnenen Gefiederproben ergab einen klaren Befund: Die blauen Kämme und gelblichen Brüste der Blaumeisen sind heute deutlich matter und weniger farbenfroh als zu Beginn der Untersuchung. Im Mittel nahm die Leuchtkraft vor allem der Korsika-Meisen um mehr als 15 Prozent ab.

"Die Veränderung der Gefiederfarbe scheint das Ergebnis einer Kombination aus einem Temperaturanstieg von 1,2 Grad und einem Rückgang der Niederschläge zu sein, sodass wir den Klimawandel als wahrscheinliche Ursache sehen", sagt der Leiter der Studie, David López-Idiáquez.

Die Ergebnisse der französischen Forscher lohnen auch einen genaueren Blick auf die Meisen an Futterhäusern und in Gärten andernorts in Europa. Denn die Temperaturen stiegen dort in einer ähnlichen Größenordnung. In Deutschland etwa war es in der 2020 abgeschlossenen 30-jährigen Referenzperiode nach Zahlen des Deutschen Wetterdienstes um 1,1 Grad wärmer als im vorangegangenen 30-Jahreszeitraum. Allerdings blieb die Niederschlagsmenge über den langen Zeitraum annähernd konstant – ein Zustand, der sich gerade zu ändern scheint.

Kleiner Unterschied – große Folgen

Auch wenn der durchweg blassere "Teint" der Meisen für Menschen beim flüchtigen Betrachten kaum wahrnehmbar sein dürfte, könnte er für die Vögel selbst mehr als eine kleine optische Petitesse sein. Denn einzelnen Farbmerkmalen im Gefieder – im ornithologischen Fachjargon als Ornamente bezeichnet – kommt eine wichtige biologische Signalfunktion zu.

Ein prächtig schimmerndes Blaumeisen-Männchen signalisiert einem Weibchen, dass es sich bei ihm auf einen gesunden, durchsetzungsstarken Partner einlässt, der größtmöglichen Erfolg bei der Jungenaufzucht verspricht. Und die Aussicht auf Reproduktionserfolg ist der Goldstandard für Partnerschafts-Entscheidungen in der Natur.

"Unsere Ergebnisse können auf eine Abnahme des Signal-Potenzials der Farbornamente hindeuten", sagt López-Idiáquez. Wenn aber die Varianz und damit die Signal-Stärke unter den Männchen nicht groß genug ist, können die Weibchen nicht zwischen "hochwertigen" Männchen und solchen unterscheiden, die nur einen geringen Fortpflanzungserfolg versprechen.

Die Folgen dieses "Signalausfalls" könnten höhere Brutausfälle ganzer Populationen sein. Für möglicherweise ebenfalls von der "Verblassung" betroffenen selteneren Arten könnte sich das als weitere ernste Bedrohung für den Fortbestand ganzer Populationen erweisen.

Wie wichtig Ornamente für die visuelle Kommunikation von Vögeln sind, zeigen Forschungsergebnisse aus den USA. Dort fanden Wissenschaftler heraus, dass Blässhühner bei der Fütterung die Jungvögel bevorzugten, die besonders rote Gefiederpartien hatten. Innerhalb eines Geleges waren es später geschlüpfte Küken, die stärker rot gefärbt waren als ihre früher geschlüpften Geschwister.

Im direkten Vergleich erhielten die stärker rot gefiederten Küken eine Vorzugsbehandlung und mehr Futterportionen von den Eltern. Die Forscher werteten das als Hinweis darauf, dass die Ornamentierung der Jungvögel den Eltern anzeigt, welche Küken am meisten von zusätzlicher Pflege und Ernährung profitieren würden.

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Über welche physiologischen Prozesse der Klimawandel die Ornamentierung des Gefieders von Vögeln beeinflusst, ist noch nicht geklärt. Als ein möglicher Mechanismus wird ein schlechteres Nahrungsangebot während heißer und trockener Sommer vermutet. Das lässt angesichts eines Rekordsommers nach dem anderen kein Ende des Trends erkennen.

Auch die Autoren stimmen in ihrer erschienenen Arbeit auf eine insgesamt weniger farbenfrohe gefiederte Zukunft im weiteren Verlauf des Klimawandels ein. Es deute einiges darauf hin, "dass ornamentale Färbungen aufgrund der Erwärmung weniger auffällig werden könnten", schreiben sie.

Verwendete Quellen:

  • The American Naturalist: Long-Term Decrease in Coloration: A Consequence of Climate Change?
  • PNAS: Extreme offspring ornamentation in American coots is favored by selection within families, not benefits to conspecific brood parasites
Dieser Beitrag stammt vom Journalismusportal RiffReporter. Auf riffreporter.de berichten rund 100 unabhängige JournalistInnen gemeinsam zu Aktuellem und Hintergründen. Die RiffReporter wurden für ihr Angebot mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet.
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