Simon Schwarz spricht im Exklusiv-Interview über seine Rolle in der neuesten Rita-Falk-Krimikomödie "Grießnockerlaffäre", warum er weit mehr Aufträge in Deutschland hat und die Salzburger Festspiele für überschätzt hält.

Simon Schwarz ist zurück im Kino: In seinem neuen Werk, dem bayerischen Landkrimi "Grießnockerlaffäre" (ab 3.8. im Kino), verkörpert der Privatdetektiv Rudi Birkenberger, den redseligen Kumpel des Polizeibeamten Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel).

In der vierten Verfilmung der Bestseller-Reihe rund um einen Dorfpolizisten und seine schräg-liebenswerte Dorfgemeinschaft gerät Eberhofer selbst ins Visier der Behörden - wird er doch verdächtigt, seinen Vorgesetzten und Erzfeind ermordet zu haben.

Wir haben mit dem gebürtigen Wiener über Hype um Landkimis, seinen Heimatbezug und Hollywoodflair gesprochen.

Mittlerweile gibt es einen regelrechten Hype um die Verfilmungen der Rita-Falk-Romane. Woran liegt das?

Simon Schwarz: Jeder der Romane ist ein Bestseller gewesen – damit hat man schon einmal ein breites Publikum.

Ich glaube auch, dass die Menschen Geschichten mögen, die archetypische Figuren haben. Gerade im ländlichen Bereich kennt man solche Figuren wie zum Beispiel aus "Grießnockerlaffäre" ja aus jedem Dorf.

Hinzu kommt die Kombination aus Krimi und Komödie, die derzeit sehr beliebt ist. Wir haben schon letztes Jahr, bei der Tour zu "Schweinskopf al dente", gemerkt, dass es inzwischen eine große Fangemeinde gibt.

Und die wird immer größer …

Alleine auf der Kinotour zu "Schweinskopf al dente" hatten wir in zwei Wochen 22.000 Zuschauer. Ich kenne so etwas nur von Fotos von Hollywood-Premieren. Dass dann hunderte Menschen vor dem Kino stehen und schreien, wenn sie die Schauspieler sehen.

Wir machen auf unserer Tournee vier Premieren am Tag. Dabei machen wir immer eine Stunde Selfies mit den Fans und geben Autogramme - das könnten wir aber noch drei weitere Stunden tun, weil der Andrang so groß ist.

"Grießnockerlaffäre" läuft ab 3. August im Kino.

Fühlt man sich da ein bisschen wie ein Hollywoodstar?

Nein, nicht einmal ein bisschen. Aber man bekommt mit, was unsere Arbeit bedeutet, weil Menschen dankbar sind, dass es diese Filme gibt. Die Zuseher geben einem damit viel zurück.

Das, was wir machen, ist kein politisches Kino. Wir machen Filme, um Menschen, denen es vielleicht manchmal nicht so gut geht, 90 Minuten zu unterhalten und ihnen ein gutes Gefühl zu geben.

Die Filme erinnern in vielerlei Hinsicht an die Verfilmungen der Wolf-Haas-Romane mit Josef Hader. Auch dort haben Sie mitgespielt …

Ich finde, dass die Vorlagen der beiden Reihen ziemlich unterschiedlich sind: Die Bücher von Wolf Haas sind nicht nur Bestseller-Romane, das geht mehr in den literarischen Bereich.

Ich möchte die beiden deshalb auch ungern vergleichen. Das, was sie vereint ist vielleicht der schwarze Humor.

Auch meine beiden Figuren, der Berti aus den Wolf-Haas-Filmen und der Rudi Birkenberger aus den Rita-Falk-Filmen sind sehr unterschiedlich.

In welcher Hinsicht?

Pennywise lässt uns wieder erschaudern.

In den Haas-Verfilmungen hat Berti nichts mit der Vergangenheit von Brenner zu tun, bei den Rita-Falk-Filmen hingegen geht es um zwei ehemalige Kollegen, der eine immer noch Polizist, der andere Privatdetektiv, die eine gemeinsame Vergangenheit haben.

Franz (Sebastian Bezzel) ist der einzige Freund, den Rudi Birkenberger überhaupt hat, und die Familie von Franz, die Oma und der Vater, sieht Rudi auch als seine Familie an.

Sie drehen viele Filme im Jahr, Fernsehen ebenso wie Kino, Mainstream ebenso wie Arthouse. Was muss ein Drehbuch haben, damit es Sie überzeugt?

Ich gehe wirklich nur nach Einem: ob ich die Figur interessant finde oder nicht. Ob ich mir vorstellen kann, die Figur zu spielen, sie zu sein.

Ich kann nur Rollen übernehmen, wenn ich das Gefühl habe, dass ich aus dem Charakter etwas mache. Damit meine ich nicht, dass ich ihn größer machen möchte.

Ich finde das schrecklich, wenn Schauspieler sagen "Die Szene wäre doch gut, wenn ich das und das machen würde, dort und dort wäre …" - das ist nicht meins.

Sie haben einmal im einen Interview gesagt, dass Sie den Schauspielberuf schon aufgegeben hätten, wenn Sie nur in Österreich drehen würden - weil Sie hier fast immer nur mit denselben Typen, den lustigen Sidekicks, besetzt werden. Hat sich das mittlerweile geändert?

Nein, ich drehe in Österreich faktisch nichts. Ich habe im vergangenen Jahr nur den Inkasso-Heinzi im "Tatort" gespielt - das waren neun Drehtage und alles, was ich in Österreich in diesem Jahr gedreht habe.

Woran liegt es, dass Sie in Ihrer Heimat so festgelegt sind?

Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht. Es kommen einfach aus Österreich nicht viele Angebote.

Aber ich darf mich nicht beschweren, da ich in Deutschland viele Projekte mache - natürlich ist dort der Markt auch größer und es werden viel mehr Filme gedreht.

In der Erfolgsserie "Vorstadtweiber" wird Ihre Figur am Ende der ersten Staffel ermordet. Wären Sie gern länger dabeigeblieben?

Nein, ich wusste ja schon von Anfang an, was mit dem Josef Steinberg passiert.

Ich habe die Figur schon beim Lesen des Drehbuchs toll gefunden, und sie hat mir so gefallen, wie sie war.

Vor kurzem wurden die Salzburger Festspiele eröffnet. Sie waren selber zwei Jahre lang als Teufel beim "Jedermann" Teil dieses Zirkus, wie die Festspiele von manchen auch genannt werden. Haben Sie noch Anteil daran?

Ich bin vor meiner Rolle beim "Jedermann" nicht hingefahren und tue es jetzt auch nicht.

Aber ich finde die Stadt sehr schön und es waren zwei spannende und tolle Jahre, und die Leute, die ich damals kennengelernt habe, waren eine große Bereicherung für mich.

Wenn man die Festspiele von der reinen Kultur her betrachtet, halte ich sie für ein bisschen überschätzt.

Nicht Tod und Teufel, sondern das moderne Regietheater hat den Salzburger "Jedermann" heimgesucht. Das Ende einer fast hundertjährigen Tradition?

Warum das?

Ich bin der Meinung, dass da Unterhaltung im Mittelpunkt steht und nur als Hochkultur verpackt wird. Es ist tatsächlich ein Zirkus – und ein Zirkus unterhält einen Sommer lang ein großes Publikum. Das ist die Aufgabe dieses Festivals und Ende.

Im Sprechtheater neigen wir generell dazu, unsere Relevanz in der Mehrheit der Gesellschaft zu überschätzen.

Da hat ein Vorstadttheater im Problembezirk einer Stadt, in dem mit Jugendlichen Theater gemacht wird, mehr Relevanz in der Kulturbildung als ein hoch subventioniertes Stück, das von anderen gut bezahlten Menschen gestaltet wird.

Was sind die nächsten Projekte, die bei Ihnen anstehen?

Jetzt geht die "Grießnockerlaffäre"-Tour durch Deutschland und Österreich los. Dann drehe ich einen Fernsehfilm für die ARD und mit Til Schweiger den Kinofilm "Labradoodles" über ein Klassentreffen. Dann geht es schon wieder los mit den Dreharbeiten zur nächsten Rita Falk Verfilmung "Sauerkrautkoma".

Das ist das Schöne an der Reihe, dass jeder Dreh wie ein Familientreffen ist. Wie das einer richtig großen Familie.

In seiner Heimat Österreich kennt man Simon Schwarz vor allem als den lustigen Sidekick aus Filmen wie "Komm, süßer Tod", "Silentium" oder "Tatort". In Deutschland wird der gebürtige Wiener seit Jahren für die unterschiedlichsten Rollen gebucht - und das nicht erst, seit er nach Berlin umgezogen ist. Seine bekannteste Rolle ist die des Rudi Birkenberger in den Verfilmungen der Rita-Falk-Krimis.