Tom und Bill Kaulitz melden sich am Mittwoch mit einer neuen Folge ihres Podcasts "Kaulitz Hills" und pünktlich zum Aschermittwoch sprechen die beiden über Karneval. Was die beiden dabei nicht wissen: Wie viel sie nicht wissen.

Eine Satire
Diese Satire stellt die Sicht von Christian Vock dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Die neueste Folge "Kaulitz Hills" beginnt so wie eigentlich jede Folge "Kaulitz Hills": Am Anfang mit Alkohol und mit einer Bemerkung von Bill, und dann führt meist eins zum anderen. Tom, und damit ist der Anfang gemacht, muss sich für den schlechten Sound entschuldigen, denn er habe die Mikrofone vergessen und nun müssen sie es mit einem eher kostengünstigeren Modell aufnehmen. Das ist für mich erst einmal völlig in Ordnung, denn ob ich die beiden Brüder nun wegen des Billo-Mikros nicht verstehe oder weil sie sich permanent gegenseitig ins Wort fallen, ist mir relativ egal.

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Bill ist in Bezug auf vergessene Mikrofone nicht so uneitel, er will in jüngster Zeit nämlich eine wachsende Vergesslichkeit bei seinem Bruder festgestellt haben. Diesmal seien es die Mikrofone, vor Kurzen erst sei er bei der Essensbestellung unsicher bezüglich Bills Hausnummer gewesen. Für Bill ein persönlicher Affront: "Das ist ja erstmal ganz krass!" Nun kann jeder an dieser Stelle gerne einmal seine persönliche Krassheits-Skala anlegen, aber ich denke, bei den wenigsten führt das Nicht-Wissen einer Hausnummer überhaupt zu einem Ausschlag.

Bleibt noch der Alkohol. Tom hat einen "Love Potion" vorbereitet und kann hier sein Nicht-Wissen wieder ausgleichen, indem er Bill und die Zuhörer an einem anderen Wissensschatz teilhaben lässt: "Je mehr Himbeeren, desto himbeeriger schmeckt er." Bevor Sie jetzt über die scheinbare Banalität dieser Aussage die Nase rümpfen: Tom liefert damit den Anstoß, sich einmal über Wissen und Nicht-Wissen Gedanken zu machen und Bruder Bill nimmt die Schwingungen auch gleich dankbar auf.

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Wissensexplosion bei Bill Kaulitz

Denn als Tom wenig später über das närrische Treiben in Deutschland spricht, kommt es bei Bill plötzlich zu einer regelrechten Wissensexplosion: "Das ist jetzt mind-blowing. Ich dachte Karneval ist nur in Köln", ist Bill erstaunt und Tom lässt noch mehr Informationen in Bills Gehirn detonieren. Man feiere beispielsweise auch in Dortmund und Düsseldorf Karneval, noch dazu zur gleichen Zeit. Am Ende steht für Bill die Erkenntnis: "Für ganz Rheinland ist Karneval!"

Die beiden wären überrascht, wüssten sie, dass man sogar in anderen Ländern Karneval feiert, aber wir wollen aus Bills Wissensexplosion jetzt kein Inferno machen. Aus meiner Sicht ist die Unwissenheit, wo man Karneval feiert, ohnehin nicht schlimm. Es kommt ja nur darauf an, wie wichtig diese Information für einen selbst ist. Wollte man zum Beispiel Karneval in Köln feiern, wären Ort und Datum sicher hilfreich. Mir hingegen reicht das Wissen, wo man Karneval nicht feiert, denn dann halte ich mich lieber dort auf.

Nehmen wir ein anderes Beispiel: Wenn ich einen Klempner um Hilfe bitte, weil etwa ein Wasserhahn defekt ist, wünsche ich mir, dass der Klempner über ein gehobeneres Wissen über Sanitärtechnik verfügt und nicht über, sagen wir einmal, Yoga. Beziehungsweise wünsche ich mir, dass er im Idealfall Wissen über beides hat. Einen entspannten Klempner zu haben, kann nur gut für alle sein. Wissen, das können wir uns merken, ist also dort wichtig, wo es gerade gebraucht wird.

Wissen spart auch einfach Zeit

Aber muss es nicht auch etwas geben, das alle wissen sollten? Einen allgemeinen Wissensschatz? Ich denke schon. Dann wüsste Bill Kaulitz zum Beispiel, dass die Karnevalstradition über die Stadtgrenzen Kölns hinaus reicht. Ich selbst weiß dadurch überhaupt erst, dass ich bei einem defekten Wasserhahn den Klempner rufe und nicht etwa die Polizei. Wissen spart auch einfach Zeit.

Wissen ist also für den individuellen Gebrauch wichtig, für den allgemeinen Gebrauch mindestens genauso. Aber wo könnte man nur so ein Wissen erlangen? "In der Schule!", rufen da die einen reflexartig und da ist schon was dran. Zum Beispiel beim individuellen Wissen. Vor Kurzem etwa hatte ich eine Reifenpanne. Ich war kurz irritiert, als ich merkte, dass ich keine Ahnung hatte, wie man einen Reifen wechselt. Aber dann fiel mir ein, dass ich ja Vergils Aeneis auch heute noch fehlerfrei auf Latein rezitieren kann. Das muss für Vorbeifahrende vielleicht merkwürdig ausgesehen haben, wie ich da so neben dem platten Reifen stand und einen Vers nach dem anderen schmetterte, aber so hatte ich wenigstens etwas zu tun, als ich auf den Abschleppwagen wartete.

Ich mache der Schule aber gar keinen Vorwurf, woher sollte mein Lateinlehrer auch wissen, dass ich eine Reifenpanne haben würde? Die Schule kann einfach nicht wissen, welches Wissen man später braucht. Das Komische ist nur: Genau das behauptet sie aber. Und nicht nur das: Sie sagt sogar, welches Wissen wichtiger ist als anderes: Mathematik sticht Deutsch sticht Erdkunde sticht Sport. Oder so ähnlich. Und das, obwohl die Schule gar nicht weiß, was mir persönlich wichtiger ist. "Ja, aber das ist dann doch Allgemeinwissen!", tönt es wieder und wie wir wissen, ist Allgemeinwissen wichtig.

Nichts Großes ohne Begeisterung

Aber wenn wir das wissen, warum tut sich die Schule dann so schwer damit, Wissen übers Wissen anzuwenden? "Nichts Großes ist je ohne Begeisterung geschaffen worden", hat ja der amerikanische Philosoph Ralph Waldo Emerson einmal gesagt und Herr Emerson muss es wissen. Schließlich hat er Großes geschaffen – das wissen wir ja aufgrund unserer Allgemeinbildung. Wenn aber Begeisterung doch der Schlüssel für Großes ist, warum schicken wir Schüler dann zum Lernen an Orte, in denen sie alles lernen, nur keine Begeisterung?

Wo sie durch Noten nicht groß, sondern klein gemacht werden. Wo Lernen nicht aus Begeisterung geschieht, sondern aus Druck. Wo alle zur gleichen Zeit das Gleiche lernen müssen, egal, ob es sie gerade begeistert oder nicht. Wo sie etwas lernen, nicht weil sie es lernen wollen, sondern weil sie es lernen müssen. Wie viel Wissen mag da wohl hängen bleiben? Und wenn wir doch wissen, dass Wissen nur dort gedeiht, wo Begeisterung herrscht, warum machen wir dann das Gegenteil? Meine ehrliche Antwort: Ich weiß es nicht.

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