• Sie wurde bekannt als die, die immer lacht, doch Kerstin Ott schlägt im Interview mit unserer Redaktion auch nachdenkliche Töne an.
  • Die erfolgreiche Sängerin spricht über die Tücken des Lebens in der Öffentlichkeit, verletzende Schlagzeilen und die kruden Äußerungen von Nena oder Xavier Naidoo.
  • Mit ihrem neuen Album "Nachts sind alle Katzen grau" und der im November beginnenden Tour möchte die 39-Jährige ihre Fans mit ihrer Musik überzeugen.
Ein Interview
von Dennis Ebbecke

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Frau Ott, Ihr neues Album heißt "Nachts sind alle Katzen grau". Was wollen Sie mit diesem bekannten Sprichwort ausdrücken?

Kerstin Ott: Wir alle mussten in der Corona-Zeit Abstriche machen, konnten uns gar nicht oder nur kaum mit Menschen treffen. Mit "Nachts sind alle Katzen grau", wie auch meine gleichnamige Single heißt, möchte ich ausdrücken, dass es endlich wieder losgeht und es schön sein kann, mal wieder in der Masse zu verschwinden.

Geht es denn wirklich wieder los – auch mit Blick auf Ihre geplante Tour?

Ich hoffe doch sehr, dass unsere Tournee im November/Dezember wie geplant stattfinden kann. Die Zeichen stehen bis jetzt ganz gut. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es noch einmal verschoben oder abgesagt wird. Dennoch ist eine Prognose schwierig, wie uns die Vergangenheit gelehrt hat.

Ihr großer Durchbruch mit "Die immer lacht" liegt nun gut fünf Jahre zurück. Wie haben Sie sich seitdem weiterentwickelt?

Ganz am Anfang war der Hype wirklich überfordernd. Wenn man von heute auf morgen nicht mehr der anonyme Mensch ist, der man vorher war, dann macht das mit einem etwas. Ich musste lernen, damit umzugehen, in der Öffentlichkeit zu stehen. Musikalisch habe ich mich seit "Die immer lacht" definitiv weiterentwickelt. Meine Stimme ist aufgrund der täglichen Praxis noch ausgeprägter. Zudem konnte ich jede Menge Bühnenerfahrung sammeln.

Und Sie konnten von erfahrenen Musikern lernen, etwa von Howard Carpendale, mit dem Sie Duette aufgenommen haben. Wie ist "Howie" als Mensch?

Howard ist ein super Typ, wir liegen auf einer Wellenlänge. Zudem hat er einen unfassbar coolen, trockenen Humor. Das macht ihn aus. Man kann sich auch total auf ihn verlassen und das schätze ich sehr.

Mit wem würden Sie gerne einmal gemeinsame Sache machen?

Mit Tracy Chapman. Bereits in jungen Jahren war ich ein großer Fan von ihr und ihrer Stimme – gepaart mit großartigen Texten und Melodien. Ich würde mich sehr über ein Duett mit ihr freuen, aber das erscheint mir doch in weiter Ferne.

Stehen Sie heute gerne auf der Bühne?

Ja. Ich habe mich über diese fünf Jahre hinweg an den Beruf gewöhnt und freue mich auf die Auftritte. Die kreative Arbeit an Songs und Alben möchte ich ebenfalls nicht mehr missen.

"An den Beruf gewöhnt" klingt danach, als hätten Sie nach wie vor gewisse Restzweifel. Ist dem so?

Das Leben in der Öffentlichkeit ist für mich immer noch ein zweischneidiges Schwert. Das wird vermutlich auch immer so bleiben. Aber es hat sich etwas verändert: Heute stehe ich wirklich gerne auf der Bühne. Ich bin sehr dankbar dafür. Früher waren Auftritte für mich ein Spießrutenlauf. Ich weiß inzwischen, wie man die Masse bewegen oder begeistern kann. Zu Beginn meiner Karriere fehlte mir diese Sicherheit.

Welcher Song auf Ihrem neuen Album sticht besonders hervor?

Alle Lieder erzählen eine schöne Geschichte, doch natürlich gibt es Songs, die hervorstechen. "Sag mir (wann beginnt endlich die Zeit)" ist zum Beispiel ein gesellschaftskritischer Titel. Mir ist es wichtig, dass ich mit meiner Musik Menschen dazu anregen kann, über gewisse Dinge nachzudenken.

Worüber zum Beispiel?

Oft sind es ganz normale Alltagssituationen. Ein anderes Thema, über das wir aktuell auch viel mit unseren Kindern reden, sind Menschen, die in einem falschen Körper gefangen sind. Ich finde es großartig, wie cool und offen die Kleinen damit umgehen. Davon kann sich manch ein Erwachsener noch eine Scheibe abschneiden. Meiner Meinung nach muss man es thematisieren, damit es endlich in der Gesellschaft ankommt und als "normal" akzeptiert wird. Bei der Hautfarbe ist es ähnlich. Wir reden uns ein, dass es längst kein Thema mehr ist, dabei gibt es nach wie vor überall Rassismus. Daher sollten wir nicht müde werden, darüber zu sprechen. Und damit schließt sich der Kreis zu meinem Song "Sag mir", in dem es heißt: "Alle sagen sich: 'Wir sind weit gekommen, wir sind alle gleich'. Trotzdem hör ich die alten Sprüche die ganze Zeit ..."

Sie selbst wurden früher gemobbt. Wie schwer sind vor diesem Hintergrund manche Schlagzeilen über Sie oder Ihr Privatleben zu ertragen, die vielleicht nicht stimmen?

Es gibt Situationen, in denen ich mich zur Wehr setze. Anfang des Jahres wurde extrem viel darüber berichtet, dass Karolina und ich uns angeblich getrennt hätten. In dem Moment, als sogar die Kinder in der Schule darauf angesprochen wurden, habe ich dann einen deutlichen Instagram-Post abgesetzt. Wenn es so weitergegangen wäre, hätte ich vermutlich anwaltliche Schritte eingeleitet. Auch wenn man in der Öffentlichkeit steht, muss man sich nicht alles gefallen lassen. Es gibt Grenzen.

Apropos Grenzen: Haben einige Ihrer Künstlerkolleginnen und -kollegen wie Nena oder Xavier Naidoo Grenzen überschritten? Sie nutzten Konzerte als Plattform, um gegen Corona-Maßnahmen Stimmung zu machen …

Grundsätzlich kann ich diese Aluhut-Geschichten überhaupt nicht nachvollziehen. Ich finde das sehr schlimm und glaube, dass diese Menschen ihre Macht manchmal unterschätzen. Ich bezweifle auch, dass Nena und Xavier Naidoo den richtigen Ansatz verfolgen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass sie mit dem Kopf gegen irgendeine Wand gerannt sind. Es sollte schon jeder seine Meinung vertreten dürfen und nicht dafür auch nicht angefeindet werden. Ebenso sollten jedoch insbesondere Menschen mit Vorbildfunktion darauf achten, was sie damit auslösen können, wenn sie vor Tausenden von Menschen sprechen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft, auf Ihre musikalische Laufbahn bezogen?

Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich habe und muss nicht noch größer oder bekannter werden. Wenn die Leute meine Musik mögen, dann bin ich glücklich.

Haben Sie Angst davor, noch bekannter zu werden?

Angst ist das falsche Wort – ich sage es mal so: Mit Helene Fischer möchte ich nicht gerne tauschen, wenn man bedenkt, dass sie auf fast jedem Cover zu sehen ist und die Paparazzi vor ihrer Haustür warten. Ich strebe auch keine internationale Karriere an. Es ist gut so, wie es ist.

Eine große Bühnenshow à la Helene Fischer wird man bei Ihrer Tour Ende des Jahres also nicht zu sehen geben?

Ich werde mich sicherlich nicht wie Helene von einem Trapez herunterschwingen (lacht). Nein, die Musik steht im Vordergrund. Es wird eine super Band dabei sein, mit der ich Lieder zum Mitsingen, Lieder zum Weinen und Lieder zum Tanzen präsentieren werde. Die Fans dürfen sich auf schöne Abende und emotionale Reisen freuen.

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