Conchita Wurst, Österreichs Teilnehmerin am Eurovision Song Contest, weht vor allem aus Osteuropa starker Wind entgegen. Eine "Beleidigung" sei sie. Trotzdem hält sie den Bart hoch - völlig zu Recht.

Was hat diese Frau nur für Nerven?! Was Conchita Wurst derzeit aushält, passt auf keinen Stöckelschuh. Viel wichtiger: Sie tut das mit Bravour.

"Inakzeptabel", "beleidigend" und eine "Brutstätte der Unzucht" soll Österreichs ESC-Hoffnung ihren zahlreichen Kritikern zufolge sein. In Weißrussland kämpfen Conchita Wursts Gegner mit einer Petition dafür, sie vom Eurovision Song Contest auszuschließen. Und selbst Politiker - etwa der Russe Vitali Milonow - fühlen sich genötigt, sich zur Teilnahme einer Dragqueen an einem internationalen Musikwettbewerb zu Wort zu melden.

Die Anfeindungen machen deutlich, dass Europa noch lange nicht so tolerant ist, wie es sich gern präsentiert. Gerade deshalb muss Conchita Wurst beim Song Contest teilnehmen: Millionen Zuschauer verfolgen live im TV, wie eine bärtige Frau mit Wahnsinnsstimme das Publikum zum Toben bringt. Und damit die Welt vielleicht ein kleines Stück toleranter macht.

Conchita Wurst provoziert mit Köpfchen

Tom Neuwirth wusste genau, worauf er sich einließ, als er sein künstlerisches Alter Ego erschuf. Das beweist schon der Name: "Concha" oder "Conchita" bedeutet "Muschel" und ist ein Spitzname für das weibliche Geschlechtsorgan. Und die Wurst? Na, worauf die sich bezieht, lässt sich leicht erraten.

In Interviews ist Conchita Wurst sympathisch, unprätenziös und verliert kein böses Wort. "Ich bin es gewohnt, mit Anfeindungen konfrontiert zu werden", sagt sie "Eurovision.de". "Genau aus diesem Grund habe ich die Kunstfigur erschaffen. Es muss sich etwas verändern in unserer Gesellschaft."

Zurückschießen will sie nicht: "Ich kämpfe für Toleranz und Akzeptanz und nicht gegen Hass." Die Schärfe des Tons seitens ihrer Kritiker zeige einmal mehr, dass sie auf dem richtigen Weg sei.

Armeniens ESC-Kandidat entschuldigt sich

Dem armenischen ESC-Teilnehmer Aram MP3, demzufolge Conchita Wurst sich entscheiden sollte, "ob sie eine Frau oder ein Mann ist", richtete sie über die Tageszeitung "Heute" aus: "Aram, mein Herz: Ich bin eine arbeitende Frau und ein wahnsinnig fauler junger Mann in meiner Freizeit, und das wird sich nicht ändern."

Aram MP3 ruderte zurück: Er habe einen Witz zu dem Thema gemacht, der vonseiten der Presse falsch übersetzt worden sei, beteuerte er in einem ORF-Interview. "Ich bedaure das aufrichtig, denn ich lehne Homophobie ab."

Bei Conchita Wurst entschuldigte sich der Armenier persönlich, wie sie dem Magazin "Prinz" bestätigte: "Er meinte, es wäre ein Scherz gewesen und wohl auch ein Missverständnis. Nun, wie auch immer. Selbst als Witz wäre es nicht lustig, aber ich bin keine nachtragende Person. Er hat sich entschuldigt und das sollte man auch annehmen können."

So viel Selbstbeherrschung verdient Respekt und Anerkennung - völlig ungeachtet von Geschlechtergrenzen und sexuellen Orientierungen.