Das gab es in den USA noch nie: Bidens Kabinett mit einigen Neuheiten

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Der gewählte US-Präsident Joe Biden hat ein Kabinett mit Ministern unterschiedlichster Hintergründe versprochen. Dieses Versprechen setzt er Schritt für Schritt um.

Sie wird ab Januar die berühmten Presse Briefings im Weißen Haus geben. Jen Psaki soll Joe Bidens Pressesprecherin werden und damit die Journalisten über die Arbeit der künftigen Regierung informieren. Psaki bringt für diesen Job viel Erfahrung mit: Bereits unter Obama war sie als Kommunikationsdirektorin sowie als Sprecherin für das Außenministerium tätig. Psaki ist eine von fünf Frauen, aus denen das künftige Kommunikationsteam des Weißen Hauses bestehen soll.
Im Kabinett wird es dagegen auch eine Vielzahl an Männern geben. Ronald Klain, langjähriger Vertrauter von Joe Biden, soll Staabschef im Weißen Haus werden - die wichtigste nicht gewählte Position im Kabinett. Klain hatte das Krisenmanagement während der Ebola-Epidemie betreut und kann seine Erfahrung künftig im Kampf gegen Corona einsetzen.
Seinen langjährigen Berater Antony Blinken will Biden zum Chefdiplomaten der USA machen. Blinken gilt als Befürworter multilateraler Zusammenarbeit. Der 58-Jährige war von 2009 bis 2013 Nationaler Sicherheitsberater von Biden, als dieser Vize des damaligen Präsidenten Barack Obama war. Von 2015 bis 2017 war Blinken stellvertretender Außenminister.
Für den Posten des Heimatschutzministers hat Biden Alejandro Mayorkas nominiert. Der 60-Jährige wurde auf Kuba geboren, seine Eltern verließen das Land wenig später nach der Machtübernahme durch Fidel Castro. Mayorkas war unter anderem Staatsanwalt in Kalifornien und während Obamas zweiter Amtszeit stellvertretender Heimatschutzminister.
Biden übernimmt eine wegen der Corona-Pandemie schwer angeschlagene Wirtschaft. Dem Finanzministerium wird bei der Bewältigung der Krise eine Schlüsselrolle zukommen - an die Spitze der Behörde will Biden übereinstimmenden US-Medienberichten Janet Yellen setzen. Die 74 Jahre alte Wirtschaftswissenschaftlerin war von 2014 bis 2018 Präsidentin der US-Notenbank Federal Reserve.
Als aussichtsreiche Kandidatin galt auch die Wirtschaftswissenschaftlerin Lael Brainard. Biden will die 58-Jährige Medienberichten zufolge aber an der Fed behalten, wo sie derzeit eines von fünf Direktoriumsmitgliedern ist.
Als zukünftigen Verteidigungsminister hat Biden den ehemaligen General Lloyd J. Austin III nominiert. Austin war bis zu seiner Verabschiedung in den Ruhestand 2016 Kommandeur der im Nahen Osten stationierten US-Streitkräfte. Auf diesem Posten war er verantwortlich für die US-Einsätze im Irak, in Syrien und in Afghanistan - alles Konfliktherde, die immer noch nicht befriedet sind.
Im Gespräch war auch die Irak-Veteranin und Senatorin Tammy Duckworth. Die 52-Jährige verlor 2004 im Kriegseinsatz ihre Beine.
Biden hat angekündigt, den früheren US-Außenminister John Kerry zum Klima-Sonderbeauftragten im Nationalen Sicherheitsrat des Weißen Hauses zu ernennen. Der künftige Präsident will, dass die USA eine globale Führungsrolle beim Kampf gegen die Erderwärmung übernehmen.
Der Sender CNN meldete unter Berufung auf ungenannte Quellen auch, dass Biden für das Energieministerium die frühere Gouverneurin von Michigan, Jennifer Granholm, vorgesehen habe. Als oberste Koordinatorin für das Thema Klima wolle er die Ex-Chefin der Umweltbehörde EPA, Gina McCarthy, berufen.
Die 68 Jahre alte Diplomatin Linda Thomas-Greenfield soll US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen werden. Sie war 35 Jahre lang im Außenministerium tätig, zuletzt von 2013 bis 2017 als Afrika-Ministerin.
Mit dem aufstrebenden Partei-Newcomer Pete Buttigieg will Biden einen früheren demokratischen Konkurrenten aus dem Präsidentschaftsrennen in sein Kabinett holen. Der 38 Jahre alte Buttigieg soll Verkehrsminister werden. Demnach wäre Buttigieg - sofern er für das Amt bestätigt wird - der erste offen schwule Bundesminister in der Geschichte des Landes.
Biden will Medienberichten zufolge erstmals in der Geschichte der USA eine amerikanische Ureinwohnerin als Ministerin ins Kabinett berufen. Die Kongressabgeordnete Deb Haaland (60) aus dem Bundesstaat New Mexico soll in Bidens Regierungsteam Innenministerin werden, wie die "Washington Post", die "New York Times" und der Sender CNN am Donnerstag (17. 12. 2020) übereinstimmend berichteten. Sollte Haaland - die sich zum Stamm der Pueblo of Laguna zählt - vom Senat bestätigt werden, hätten die USA erstmals eine indigene Amerikanerin als Ministerin.
Avril Haines soll als erste Frau an der Spitze der Nachrichtendienste (DNI) die verschiedenen US-Geheimdienste koordinieren.
Für die Schlüsselfunktion des nationalen Sicherheitsberaters im Weißen Haus nominiert Biden den 43-jährigen Jake Sullivan. Auch Sullivan, ein enger Vertrauter der ehemaligen Außenministerin Hillary Clinton, war bereits im Außenministerium und ab 2013 als nationaler Sicherheitsberater für Biden als Vizepräsident tätig. Der nationale Sicherheitsberater spielt traditionell im Führungskreis des Präsidenten eine wichtige Rolle bei der Ausarbeitung der Außen- und Sicherheitspolitik.
Für das Justizministerium kommt eine ganze Reihe an Kandidaten in Frage. Mit Doug Jones' Niederlage im Rennen um seinen Senatssitz ist es wahrscheinlicher geworden, dass ihn Biden für den Posten in Erwägung ziehen könnte. Der 66-Jährige aus Alabama hat eine enge Beziehung zum gewählten Präsidenten und wäre eine glaubwürdige Figur, wenn es um Bürgerrechte geht. Seine Ermittlungen als Staatsanwalt in Alabama führten dazu, dass Mitglieder des rassistischen Ku-Klux-Klans Jahrzehnte nach einem tödlichen Bombenanschlag 1963 auf eine von Schwarzen besuchte Kirche zur Verantwortung gezogen wurden.
Auch Sally Yates (60), die wenige Tage nach Trumps Vereidigung im Januar 2017 als amtierende US-Justizministerin entlassen wurde, gilt als mögliche Kandidatin.
Als weiterer Kandidat gilt der Vorsitzende der Bundespartei der Demokraten, Tom Perez, Sohn von Einwanderern aus der Dominikanischen Republik.
Der künftige US-Präsident Joe Biden will das Gesundheitsministerium einem Verfechter der Reformen für eine bessere Krankenversicherung für Millionen Amerikaner anvertrauen. Er nominierte den kalifornischen Generalstaatsanwalt und Justizminister Xavier Becerra für den Posten.