Vor exakt zwei Jahren wurden die Mitglieder des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt tot in einem abgebrannten Wohnwagen in Eisenach aufgefunden. Einem Bericht des Bundeskriminalamts zufolge soll Mundlos zunächst Böhnhardt und anschließend sich selbst erschossen haben. In der "N24"-Reportage "Der NSU – eine Spurensuche" schließt Waffenexperte Siegmund Mittag die Selbstmordtheorie aus. Des Weiteren glaubt Geheimdienstexperte Bodo Wegmann, dass Mundlos und Böhnhardt ein weiteres Versteck hatten.

4. November 2011: In Eisenach geht ein Wohnwagen in Flammen auf. In diesem befinden sich die Leichen der mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Das Bundeskriminalamt ermittelt und stellt fest, dass Mundlos zunächst Böhnhardt erschießt, danach das Feuer legt und die Waffe anschließend gegen sich selbst richtet.

Zwei Jahre später mehren sich allerdings Zweifel an dieser Theorie. In der "N24"-Reportage "Der NSU - eine Spurensuche" schließt Waffenexperte Siegmund Mittag sogar aus, dass es sich - zumindest bei Mundlos - um einen Freitod handelt. Der Grund: Neben Mundlos' Leiche befinden sich zwei Patronenhülsen. Dabei hätte sich die zweite Hülse noch im verwendeten Winchester-Gewehr befinden müssen, da die Hülse manuell durch Nachladen aus der Pumpgun entfernt werden muss.

Experte schließt Polizei-Theorie aus

Die von der Polizei formulierte Theorie, dass Mundlos das Gewehr in einem krampfhaftartigen Anfall noch einmal durchlud, hält Mittag für ausgeschlossen. "Das geht gar nicht", sagt der Brandenburger Büchsenmacher, der sich seit 30 Jahren mit Waffen beschäftigt, bei "N24". Die Patronen hätten solch eine zerstörerische Wucht, dass diese sofort zum Tod führten. "Ich schieße, danach geht nichts mehr."

Die Frage nach dem Tod der mutmaßlichen NSU-Terroristen bleibt ungeklärt. Nachbarn hatten von einer dritten Person berichtet, die kurz nach dem Ausbruch des Feuers aus dem Wohnwagen geflüchtet sei. Zudem wurde im Wohnwagen eine DNS-Spur gefunden, die bislang nicht zugeordnet werden konnte. Möglicherweise gehört sie dem Rechtsextremen Andre K., dessen Mobiltelefon kurz nach dem Tod von Mundlos und Böhnhardt in der Nähe des Tatorts geortet wird.

K. ist nicht der einzige Verdächtige. Die "Stuttgarter Nachrichten" berichten, dass im Wohnwagen auf einem Paar Wollsocken sowohl die DNS von Zschäpe als auch von einem Mitglied einer litauischen Verbrecherbande gefunden worden sei. Zudem hält sich das Gerücht, dass ein Verfassungsschützer die dritte Person gewesen sein könnte. Gordian Meyer-Plath, Präsident des sächsischen Verfassungsschutzes, schließt das aus. Auch der NSU-Untersuchungsausschuss konnte den Behörden keine Mittäterschaft nachweisen.

Geheimes Versteck in Nähe von Funkmast?

Des Weiteren haben die Recherchen der "N24"-Reporterin Nadine Mierdorf ergeben, dass Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe wohl nicht gemeinsam in der Wohnung in der Frühlingsstraße in Zwickau lebten. Wahrscheinlicher sei, dass Zschäpe dort alleine wohnte - zumindest die meiste Zeit. "Geheimdienstexperte Bodo Wegmann, der mit mir nach Zwickau gefahren ist, hat im Interview erzählt, dass die Verbrauchswerte der Wohnung (Strom, Wasser etc.) nur für eine Person sprechen", sagt Mierdorf. Zudem hatten Nachbarn berichtet, dass sie des Öfteren gesehen hätten, wie Mundlos und Böhnhardt mit ihren Fahrrädern früh morgens aus der Ortschaft gefahren sind. Hat sich das Trio tagsüber voneinander getrennt aufgehalten und über CB-Funk Kontakt gehalten?

Die Wahrscheinlichkeit dafür ist relativ hoch, da in der damals ausgebrannten Wohnung ein Funkgerät gefunden wurde. Und zumindest die Nähe des möglichen Verstecks könnte ermittelt worden sein. "Gemeinsam mit Bodo Wegmann sind wir den Weg der beiden Männer abgefahren und haben dabei einen Funkmast mitten im Wald gefunden - nur knapp drei Kilometer von der Frühlingsstraße entfernt", berichtet Mierdorf. Demnach könnten sich Mundlos und Böhnhardt in der Nähe des Funkmastes aufgehalten haben. Wurden an diesem Ort weitere Anschläge und Morde geplant?