Als Konsequenz aus der Affäre um das Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer die Behördenleiterin Jutta Cordt im Sommer entlassen. Nun holt er die Beamtin in sein Ministerium zurück - mit einer neuen Aufgabe und zu deutlich niedrigeren Bezügen.

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Die ehemalige Präsidentin des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf), Jutta Cordt, soll sich einem Medienbericht zufolge künftig im Bundesinnenministerium um Digitalisierungsthemen kümmern.

Wie die "Bild"-Zeitung (Mittwoch) berichtet, fällt Cordt damit von der B9-Besoldung um drei Stufen auf die B6-Besoldung für Unterabteilungsleiter in Ministerien.

"Es ist beabsichtigt, dass Frau Cordt in das BMI wechselt und im Rang einer Ministerialdirigentin Aufgaben im Bereich der Digitalisierung wahrnimmt", zitiert das Blatt einen Ministeriumssprecher.

Innenminister Horst Seehofer (CSU) hatte Cordt im Juni auf dem Höhepunkt der Krise um das überlastete Bundesamt entlassen.

Dabei spielte auch die Affäre um die Außenstelle in Bremen eine Rolle. Diese war im Frühjahr in die Kritik geraten, weil dort möglicherweise unrechtmäßig Asylbescheide positiv entschieden wurden.

Kritik am Bamf, Kritik an Seehofer

Die Rede war von rund 1.200 Fällen. Nach inoffiziellen Angaben aus der Behörde gab es auch zahlreiche Fälle, in denen die Verfahren so lange verschleppt wurden, bis eine Rücküberstellung der Asylbewerber in ein anderes EU-Land, indem sie zuvor bereits registriert worden waren, wegen der Überschreitung der dafür vorgesehenen Frist unmöglich geworden war.

Nach Ansicht des Pro-Asyl-Geschäftsführers Günter Burkhardt erzeugte der Fall der Bremer Bamf-Stelle eine katastrophale öffentliche Wirkung.

"Es ist der Eindruck erweckt worden, Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten hätten zu Unrecht Schutz bekommen. Diese Vorurteile hat auch der zuständige Bundesinnenminister durch sein Handeln bestärkt", sagte Burkhardt kürzlich der "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" und betonte: "Wir erwarten jetzt, dass der Innenminister sich öffentlich positioniert und deutlich macht, dass Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten Schutz brauchen."

Zum neuen Chef der obersten Flüchtlingsbehörde hatte Seehofer den Asylexperten aus dem bayerischen Innenministerium, Hans-Eckhard Sommer, ernannt. (mwo/dpa)