Der Terror von Charlottesville rückt Amerikas rechte Szene in den Fokus. Mittendrin: die ultrarechte "Alt-Right"-Bewegung. Deren Anhänger jubeln Donald Trump und seiner Regierung zu. Und manch einer behauptet, dies stoße im Weißen Haus auf Gegenliebe.

"Heil Trump! Heil unserem Volk! Sieg heil!". Diese Worte stammen aus dem Mund von Richard Spencer, einem der Anführer der "Alt Right"-Bewegung in den USA.

Mit diesen Worten stimmte der 38-Jährige, akkurater Seitenscheitel, glattrasiertes Kinn, im vergangenen November rund 250 Anhänger bei einer Tagung in der US-Hauptstadt Washington auf die neue politische Ära unter Donald Trump ein - mit unverhohlener Nazi-Rhetorik.

Aus Sicht vieler Vertreter der extremen Rechten ist Donald Trump ein Sympathisant ihrer Ideologie.

Einwanderungsstopp für Muslime, Deportation illegaler Einwanderer, Betonung der weißen Identität Amerikas, Kampf gegen die politische Korrektheit - Trump setzt auf Themen, die bei der "Alt Right" (kurz für: alternative right, zu Deutsch: alternative Rechte) Anklang finden.

Mit Steve Bannon hat Trump darüber hinaus einen Mann zum Chefberater ernannt, der jahrelang die rechtskonservative Nachrichtenseite "Breitbart News" verantwortete.

Sind Trump und Bannon mit der rechten Bewegung verbunden, die der Todesfahrer von Charlottesville auf Facebook verherrlichte und deren Mitglieder bei dem eskalierten Aufmarsch Rechter mitliefen?

Lose Organisation ohne Struktur

Die "Alt Right"-Bewegung als Sammelbecken verschiedener rechter und rechtsradikaler Strömungen ist ein relativ neues Phänomen.

Richard Spencer behauptet, den Begriff 2008 geprägt zu haben, als er die Webseite alternativeright.com registrieren ließ. Als Reaktion auf Bewegungen der Mainstream-Konservativen, die in seinen Augen zu weit in der Mitte standen.

Im Präsidentschaftswahlkampf 2016 wurde der bis dahin weitgehend unbekannte Begriff einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.

Es ist schwierig, eine einheitliche Ideologie der "Alt Right" auszumachen. Die Gruppierung ist lose organisiert und unabhängig von politischen Parteien.

Es ist auch deswegen schwierig, weil sich die Anhänger, die vor allem online verbunden sind, eher durch Ablehnung und Hass auf andere Lebens- und Gesellschaftsentwürfe hervortun, denn durch eigenen Gestaltungswillen.

Der kleinste gemeinsame Nenner der "Alt Right" ist der Erhalt der weißen Vorherrschaft in den USA. Amerika sei ein weißes Land, sagte Spencer laut "New York Times".

Trumps Reaktion macht Szene wütend

Donald Trumps Reaktion auf den Vorfall in Charlottesville haben Politiker verschiedener Lager als zu lasch kritisiert. Die rechte Szene hingegen fühlt sich von Trump verraten, weil er die Gewalt überhaupt thematisiert und der getöteten Demonstrantin sein Beileid ausgesprochen hatte.

Hunter Wallace, prominenter Autor der Website altright.com veröffentlichte ein Wut-Video, in dem er Trump als "Cuck" bezeichnet - aus Sicht der Neonazis ein Abtrünniger.

Schon früher hatte sich Donald Trump von der Atl-Right distanziert. Doch welche Verbindung gibt es zwischen der Bewegung und Trumps Chefberater Bannon?

Welche Rolle spielt Steve Bannon?

Bannon gab seinen Posten bei Breitbart zwar im August 2016 auf und redet die Rolle der Ultrarechten auf der Website klein.

Allerdings hatte er noch Mitte 2016 in einem Interview verkündet, Breitbart sei die "Plattform der Alt Right". Zudem wurden Bannon in der Vergangenheit rassistische und antisemitische Kommentare nachgesagt.

George Hawley, Autor eines Buches über die Bewegung, sagte der "Washington Post": "Ich denke nicht, dass Steve Bannon Teil der 'Alt Right' ist.

Breitbart hat mit der 'Alt Right' mehr geflirtet als jedes andere konservative Mainstream-Medium. Aber die Grundhaltung in der Berichterstattung ist doch im Großen und Ganzen konservativ."

Breitbart orientiere sich an Stil und Ton der "Alt Right", aber weniger an der Substanz, erklärte der Politikwissenschaftler von der University of Alabama weiter.

Auch Richard Spencer behauptet, es gebe keine Verbindung zum Präsident und seinem Berater. Weder Bannon noch Trump seien Vertreter der "Alt Right", ein direkter Zugang zur Regierung sei nicht vorhanden.