• Ein Ende der Waldbrände in Griechenland ist bislang nicht in Sicht.
  • Vor allem die Lage nahe Athen ist kritisch, eine Korrespondentin der ARD schildert die erschreckende Situation vor Ort.
  • Der griechische Ministerpräsident erwartet harte Tage für das Land.

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Die Waldbrände in Griechenland wüten weiter, seit den frühen Morgenstunden fachen starke Westwinde die zahlreichen Feuer an. Vor allem die Lage nahe Athen spitzt sich immer weiter zu.

Nördlich der Hauptstadt wurden Menschen mehrerer Ortschaften aufgerufen, die Region zu verlassen. Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis schwor die Bürger auf harte Tage ein.

Natalie Amiri, Korrespondentin der ARD, twitterte am Donnerstagabend über die Lage vor Ort: "Vororte Athens brennen. Hauptautobahn nach Athen gesperrt, weil Flammenmeer Autobahn kreuzt. Polizei sperrt alle Zugangsstraßen. Viele kommen nicht mehr nach Athen", heißt es dort unter anderem.

Atemwegsbeschwerden wegen Luftverschmutzung

Binnen 24 Stunden gab es in Griechenland landesweit um die 90 neue Waldbrände, wie die Feuerwehr am Morgen twitterte. Selbst Dutzende Kilometer von den Bränden entfernt sehen die Menschen gewaltige gelbe Rauchwolken am Himmel, es riecht verbrannt, Asche regnet vom Himmel.

Mindestens 18 Menschen kamen verletzt in Krankenhäuser. Die meisten litten an Atemwegsbeschwerden, sagte der griechische Gesundheitsminister Wassilis Kikilias am Freitag im Staatsfernsehen.

Vor Gefahren wegen der Luftverschmutzung warnte die Chefin der Pneumologischen Klinik des Athener Krankenhauses Sotiria, Nina Gaga. "Gehen Sie nicht aus dem Haus", warnte sie. Normale Schutzmasken gegen Corona helfen nicht. Wer ausgehe, müsse sich mit einer Maske vom Typ P95 und höher schützen, sagte die Ärztin.

Land hat sich "in ein Pulverfass verwandelt"

Auch auf der Insel Euböa und auf dem Peloponnes wüten die Feuer teils unkontrolliert. Auf Euböa mussten die Bewohner der Ortschaft Agia Anna im Nordosten der Insel mit Booten über das Meer in Sicherheit gebracht werden. Auch im Nordwesten brennt es, dort wurden ebenfalls zahlreiche Ortschaften evakuiert.

Am Morgen sei es zunächst nur darum gegangen, die Ausbreitung der Brände zu verhindern, berichtete die griechische Nachrichtenagentur ANA. Von einer Kontrolle der Flammen könne angesichts der starken Winde vorerst keine Rede sein.

"Wir haben mit Dutzenden Waldbränden zu kämpfen. Drei davon - in Athen, auf dem Peloponnes und auf Euböa - sind von gewaltigem Ausmaß", sagte Mitsotakis am Donnerstagabend bei einer Ansprache im Staatsfernsehen. Er warnte vor einem "noch nie da gewesenen Zustand, weil die vergangenen Tage der Hitze und Trockenheit das Land in ein Pulverfass verwandelt haben".

Bis mindestens Montag ist es den Menschen deshalb untersagt, Wälder zu besuchen. Auch sind Arbeiten verboten, die Funken oder Flammen erzeugen könnten.

Feuer wütet in der Türkei den zehnten Tag in Folge

Auch in der Türkei wird derzeit gegen die schwersten Waldbrände seit Jahren gekämpft - bereits den zehnten Tag in Folge. Besonders betroffen sind die süd-und westtürkischen Küstenregionen Antalya, Marmaris, Bodrum und Milas. In Milas verschlangen die Flammen in der Nacht mehrere Viertel, die zuvor evakuiert worden waren. Mindestens acht Menschen kamen dabei ums Leben.

Außenminister Mevlüt Cavusoglu, der seinen Wahlkreis in Antalya hat, machte am Donnerstagabend etwas Hoffnung: Der Wind werde am Freitag in Antalya nachlassen und man hoffe, die Brände dort unter Kontrolle zu bringen.

Tausende Menschen mussten bereits ihre Häuser verlassen und wurden teils in Schulen und Sportstadien untergebracht. Die Behörden verbreiten immer wieder Listen mit Dingen, die benötigt werden: Besteck, Teller, Kissen und Decken - der Bedarf ist groß. (ff/dpa)

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