• Eine Rednerin vergleicht sich im Rahmen einer "Querdenken"-Demonstration in Hannover mit Sophie Scholl.
  • Ein sich als Ordner ausgebender Mann reagiert unmittelbar und bringt die Rednerin zum Weinen.
  • Der Vorfall ereignet sich eine Woche nach dem Anne-Frank-Vergleich einer Elfjährigen im Rahmen einer "Querdenken"-Demonstration in Karlsruhe.

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Bei der "Querdenken"-Demonstation gegen die Corona-Maßnahmen am Samstag in Hannover hat eine Rednerin mit einem Auftritt als selbst ernannte "Sophie Scholl" heftige Reaktionen im Netz ausgelöst.

Auf einem Video, das bei Twitter bis zum Sonntagmorgen über eine Million Mal angeklickt und mehrere Tausend Male kommentiert wurde, ist eine junge Frau zu sehen, die auf einer kleinen Bühne in der Nähe der Oper zum Publikum spricht. Sie stellt sich als Jana aus Kassel vor. Sie sei 22 Jahre alt.

"Ich fühle mich wie Sophie Scholl, da ich seit Monaten hier aktiv im Widerstand bin, Reden halte, auf Demos gehe, Flyer verteile und auch seit gestern Versammlungen anmelde", sagt sie - und vergleicht sich dabei mit der von den Nazis hingerichteten Widerstandskämpferin. Diese sei in ihrem Alter den damals herrschenden Nationalsozialisten "zum Opfer" gefallen.

Ordner hat genug "Schwachsinn" gehört: "Das ist Verharmlosung des Holocaust"

Nach wenigen Sätzen taucht ein junger Mann vor der Bühne auf. "Für so einen Schwachsinn mache ich doch keinen Ordner mehr", protestiert er und reicht der Frau sein orangefarbenes Leibchen. Es handele sich um eine "Verharmlosung vom Holocaust", die "mehr als peinlich" sei. Die Rednerin entgegnet: "Ich habe doch gar nichts gesagt." Dann dreht sie dem Publikum den Rücken zu, beginnt zu weinen, wirft wütend ihr Mikrofon weg und verlässt fluchtartig die Bühne.

Ob es sich tatsächlich um einen Ordner handelt, ist unklar. Nach Recherchen der der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" könnte es sich um einen linken Aktivisten handeln.

Polizisten erscheinen und geleiten den Mann von der Bühne weg. In einem später geposteten Ausschnitt ist die Frau erneut zu sehen. Sie gibt sich "schockiert, dass ich von einem Passanten, oder was auch immer, beleidigt wurde".

Zahlreiche Twitter-Nutzer markierten das Video mit "Gefällt mir", während des Auftritts der Frau ist vereinzelt Applaus zu hören.

Doch in den Kommentarspalten finden sich auch Empörung und Ablehnung: Die Parallelen zu Sophie Scholl seien verantwortungslos, die Gleichsetzung mit dem Mitglied der studentischen Widerstandsgruppe "Weiße Rose" zur NS-Zeit sei beschämend. Der junge Mann bekommt dagegen mehrfach Zuspruch. Ein Nutzer etwa schrieb: "Respekt für den Ex-Ordner, der die Verhöhnung der realen Holocaust-Opfer erkannte und sich dagegen stellte."

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(dpa/hau)

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