Drei Wochen nach einem Ausbruch in Westpolen rückt die Afrikanische Schweinepest immer weiter in Richtung Deutschland. Der aktuelle Virusfund ist nur noch 42 Kilometer von der Grenze entfernt. Brandenburgs Bauern sind in Sorge.

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Der jüngste Fall der Afrikanischen Schweinepest in der Nähe der polnischen Kleinstadt Nowogród Bobrzański sorgt für Beunruhigung. Dort sei das Virus bei einem verendeten Wildschwein nachgewiesen worden, wie Ortsbürgermeister Pawel Mierzwiak am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur bestätigte.

"Wir machen uns große Sorgen, dass die Afrikanische Schweinepest nach Brandenburg eingeschleppt wird", sagt der Pressesprecher des Landesbauernverband Brandenburg, Tino Erstling, unserer Redaktion. Mittlerweile wurde der Erreger bei mehreren Dutzend verendeten Wildschweinen in Westpolen festgestellt.

"In den landwirtschaftlichen Betrieben sind alle in Alarmbereitschaft", heißt es auch aus Brandenburgs größter Schweinemastanlage in Tornitz. Von dem von Wald umgebenen Tierzuchtbetrieb mit über 50.000 Schweinen zum jüngsten Fundort des Virus sind es knapp 80 Kilometer Luftlinie.

Deutlich kürzer ist der Weg zur Agrargenossenschaft in Preschen. Die Öko-Schweinezüchter sind mehr als beunruhigt: "Das ist existenzbedrohend."

Risikofaktor Mensch

Doch wie können Schweinezüchter und Landwirte ihre Tiere vor einer Infektion mit dem Virus schützen? Klar ist: Hauptüberträger der Tierseuche ist der Mensch, wie aus einer Risikobewertung des Friedrich-Loeffler-Instituts hervorgeht.

Bauernverbandssprecher Erstling empfiehlt, dass sich jeder Mitarbeiter beim Betreten und Verlassen eines Stalls abduscht und die Bekleidung wechselt. Etliche Bauern hätten auch zusätzliche Schutzmaßnahmen ergriffen und ihre Betriebe etwa mit Seuchenschutzwannen nachgerüstet.

Zudem muss vermieden werden, dass Hausschweine in Kontakt mit Wildschweinen kommen. "Die Bauern sichern ihre Gelände mit Zäunen, durch die die Wildschweine nicht durchschlüpfen können", erklärt Erstling.

Er betont allerdings: "Es besteht kein Grund zur Panik." Das Virus ist für Menschen ungefährlich, sie können sich selbst nicht anstecken. Für Haus- und Wildschweine endet jede Infektion hingegen tödlich, ein Impfstoff existiert bisher nicht.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium nimmt die Situation seit Mitte November "sehr ernst". Damals kam es im polnischen Verwaltungsbezirk Lebus nahe der Grenze zu Brandenburg zu dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest.

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Tino Erstling, Pressesprecher des Landesbauernverband Brandenburg
  • eigene Recherche
  • dpa
  • Friedrich-Loeffler-Institut: "Qualitative Risikobewertung zur Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest aus Verbreitungsgebieten in Europa nach Deutschland"

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