• Der SPD-Gesundheitspolitiker und Epidemiologe hat in der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" an die vielen anonymen Opfer der Corona-Pandemie erinnert.
  • Mit Blick auf Intensivpatienten und pleitegegangene Unternehmer bekräftigt er seinen Appell an Bund und Länder für einen raschen und weitreichenden Lockdown.
  • Zu wenig beachtet würden zudem die Long-COVID-Patienten - jeder Siebte kämpfe mit Spätfolgen der Erkrankung.

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Es ist sehr später Donnerstagabend, die ZDF-Talkshow "Markus Lanz" läuft bereits etwas mehr als eine halbe Stunde, als der Gastgeber an das zurückliegende Jahr der Corona-Pandemie erinnert. Moderator Lanz scheint zu wurmen, dass die Corona-Politik sich seit dem ersten Lockdown im März 2020 kaum weiterentwickelt hat.

"Ist das Pandemiebekämpfung nach dem Wetterbericht, oder was ist das?", will Lanz mit Blick auf die Hoffnung von CDU-Chef Armin Laschet oder auch Virologe Hendrik Streek wissen, dass mit steigenden Temperaturen auch die Fallzahlen zurückgehen.

Die Frage richtet er an Karl Lauterbach. Der SPD-Gesundheitspolitiker, Epidemiologe und "Lanz"-Dauergast holt zu einer langen Erklärung aus, die mit einem eindringlichen Appell endet.

Wieder der gleiche Fehler?

"Die Hoffnung war unter Wissenschaftlern nicht weit verbreitet", erklärt der 58-Jährige zuerst. Ihm zufolge "störe" sich nämlich SARS-CoV-2 nicht so sehr am Wetter wie beispielsweise Erkältungsviren.

Lauterbach sagt: "Wir machen jetzt, glaube ich, wieder den gleichen Fehler, den wir immer machen. Wir denken: 'Vielleicht kommt es ja doch nicht so schlimm.'"

Doch im Abwarten sieht Lauterbach ein großes Problem: Denn je länger sich das Virus fast ungehindert ausbreiten kann, desto mehr Menschen infizieren sich – doch das Leid dieser tausenden Einzelschicksale gehe aus Lauterbachs Sicht in der Masse der Zahlen und Informationen unter.

"Die, die überleben, sind für den Rest ihres Lebens gezeichnet"

"Wenn man die Behandlung zu spät macht, dann wird es, genauso wie bei einer Krebsbehandlung, alles nur schlimmer", erläutert Lauterbach.

"Über die Opfer, die in der Zwischenzeit passiert sind, die alle anonym sind, denkt man nicht nach", sagt Lauterbach. Er betont: "Niemand verlässt die Intensivstation so wie er reingekommen ist. Die Leute, die überleben, sind für den Rest ihres Lebens gezeichnet. Das ist keine Panikmache, das wird jeder Praktiker bestätigen."

Auch Unternehmen sind Opfer einer Politik, die nicht rigoros genug ist

Eine Beatmung belaste die Menschen körperlich sehr stark. Das seien – neben den Unternehmern, die pleite gehen – "die Opfer einer Politik, die nicht rigoros genug ist", kritisiert Lauterbach. Ihm zufolge werde auch die Wirtschaft geschont, wenn früher gehandelt werde.

Auf Twitter führte Lauterbach eine weitere, aus seiner Sicht zu wenig präsente Gruppe an: Long-COVID-Patienten (Langes-COVID-Patienten).

Laut einer britischen Studie würde jeder siebte COVID-19-Patient an Spätfolgen leiden. Demnach sei jeder zehnte Patient auch noch nach vier Monaten krank. Long COVID betreffe "eher Jüngere", selbst Kinder, twitterte Lauterbach am Donnerstag.

All das sind Gründe, warum er auf einen raschen und strikten Lockdown drängt. Bislang vergebens. (mf)

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