Der Schädel brummt und eigentlich will man sich nur verkriechen: Kopfschmerzen können ganz schön fies sein. Aber ist das Pochen in der Schläfe ein Zeichen von Stress oder schon eine Migräne? Wir erklären, wie sich die Anzeichen unterscheiden und was man gegen Migräne tun kann.

Unter Migräne kann sich fast jeder etwas vorstellen: Fiese Kopfschmerzen, die manche Menschen komplett Gefecht setzen können. Doch nicht jeder Kopfschmerz ist gleich eine Migräne. Es gibt viele verschiedene Arten von Kopfweh – und ebenso unterscheidet sich auch die Behandlung der Schmerzen.

Viele Menschen kennen Spannungskopfschmerzen, wenn sie zum Beispiel lange steif gesessen haben oder gerade viel um die Ohren haben. Dagegen hilft meistens schon ein Spaziergang an der frischen Luft. Hat man Migräne, hilft die Bewegung draußen dagegen nicht weiter. Sie verschlimmert sogar die Schmerzen.

"Es ist ein Kennzeichen der Migräne, dass sie bei Aktivität nicht besser wird", sagt die Neurologin Dr. Elisabeth Rehkopf vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte. "Bei Migräne sehnt man sich nach Ruhe. Viele Patienten legen sich ins Bett."

Typische Symptome bei Migräne

Bestimmte Symptome deuten darauf hin, dass es sich bei den Kopfschmerzen um Migräne handelt, sagt Dr. Rehkopf: Die Schmerzen sind mittelstark bis schwer – bei Spannungskopfschmerzen hat man dagegen nur leichtes Kopfweh. "Eine Attacke dauert in der Regel vier bis 72 Stunden", sagt Dr. Rehkopf.

Kopfschmerzen, die nach kürzerer Zeit bereits abklingen oder länger anhalten, sind normalerweise keine Migräne.

Die Schmerzen fühlen sich zudem eher pulsierend an. Sie sind einseitig, aber nicht immer auf derselben Seite – hat man sie einmal links, können sie bei der nächsten Attacke zum Beispiel auch auf der rechten Seite auftreten. Viele Betroffene klagen außerdem über Übelkeit und einen Brechreiz.

"Viele Menschen sind bei Migräne außerdem licht- und geräuschempfindlich", sagt Dr. Rehkopf.

Manchmal kommt es bei Migräne auch zu einer sogenannten Aura. Dann haben Betroffene zum Beispiel ein Flimmern vor den Augen oder Sprachstörungen, bevor die Schmerzen beginnen. Auch Gefühlsstörungen können auftreten, bei denen zum Beispiel ein Arm kribbelt oder sich taub anfühlt.

"Diese Gefühlsstörungen wandern in der Regel", sagt die Neurologin. "Sie beginnen zum Beispiel in der Hand und ziehen dann über den Arm zum Kopf."

Wer zum ersten Mal eine solche Aura erlebt, sollte auf jeden Fall zum Arzt gehen "Hinter solchen Symptomen kann auch eine andere Erkrankung stecken", sagt Dr. Rehkopf. "Das sollte man auf jeden Fall abklären lassen." Ähnliche Symptome treten zum Beispiel auch bei einem Schlaganfall auf.

Wie die Schmerzklinik Kiel mitteilt, leiden in Deutschland rund 18 Millionen Menschen an Migräne, in der Schweiz sind es laut Schweizer Kopfwehgesellschaft eine Million Betroffene und in Österreich laut dem Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie etwa 800.000 Betroffene. Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer. Die Zahl der Attacken kann dabei stark variieren.

"Manche sind an 15 und mehr Tagen im Monat betroffen", sagt die Neurologin. "Andere haben nur einmal pro Jahr oder noch seltener Migräne."

Was gegen Migräne hilft

Wenn der Schmerz erst einmal da ist, kann man nicht viel tun, außer sich Ruhe zu gönnen und bei Bedarf Medikamente zu nehmen. Man kann aber einige Dinge machen, um vorzubeugen, damit man erst gar keine Migräne bekommt, weiß Dr. Rehkopf. "Es gibt bestimmte Faktoren, die Migräne auslösen können", sagt sie. "Ganz vorne steht dabei der Stress."

Wer etwas gegen seine Migräneattacken unternehmen will, sollte deshalb zunächst einmal seine Tagesstruktur überdenken, rät die Neurologin. "Es ist wichtig, Stress abzubauen." Als hilfreich hätten sich beispielsweise Entspannungsübungen und Ausdauersport erwiesen.

Auch das Thema Schlaf sei bei Migräne wichtig: "Es ist erwiesen, dass vor allem mehr Schlaf als sonst eine Attacke auslösen kann." Deshalb sei es für viele Betroffene zum Beispiel hilfreich, am Wochenende zur selben Zeit aufzustehen wie unter der Woche.

Immer wieder stehen auch bestimmte Lebensmittel im Verdacht, bei empfindlichen Personen Attacken auszulösen. Darunter sind zum Beispiel Käse, Rotwein und Schokolade. "In der Praxis erlebe ich solche Fälle aber extrem selten", sagt Dr. Rehkopf. Das gelte auch für Wetterumschwünge, die eher selten Ursache für eine Attacke seien.

Wenn die Anfälle sehr heftig und häufig auftreten, können Betroffene auch vorbeugend bestimmte Medikamente einnehmen. "Damit treten bei vielen deutlich weniger Attacken auf", sagt Dr. Rehkopf.

Allerdings haben solche Medikamente natürlich auch Nebenwirkungen: "Über den Einsatz muss ein Arzt entscheiden."