• Es gibt Menschen, die gehen auch im Winter in kurzen Sachen vor die Tür oder steigen in eiskaltes Wasser.
  • Ist das generell eine gute Idee zur Abhärtung?
  • Mediziner sind skeptisch und schlagen Alternativen vor.

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Jürgen Loth liebt die Kälte. Selbst wenn im Winter knackige Minusgrade herrschen, geht der Erzgebirger im T-Shirt vor das Haus. "Offenbar machen mir kalte Temperaturen wenig aus", sagt der 60-jährige Thalheimer, der seine Kälteliebe vor sieben Jahren entdeckte. "Damals dachte ich, ich probiere es einfach mal aus und bemerkte, dass ich mich schnell daran gewöhnen kann."

Doch das war bereits der zweite Schritt. Denn schon seit 1994 ist Jürgen Loth passionierter Eisbader. Täglich geht er mit seiner Frau Uta im Geyerschen Teich für zwei bis drei Minuten ins eiskalte Wasser.

Jürgen Loth mit seiner Frau beim Eisbaden.

"Wenn es eine Eisschicht gibt, dann habe ich die Axt dabei", erzählt er. Allerdings gibt es natürlich beim Eisbaden auch Dinge zu beachten. "Man fängt natürlich schon im Herbst nach der Badesaison mit der Eingewöhnung an", betont der ehemalige Schwimmmeister und weist darauf hin: Man solle auch keinen Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Probleme haben.

Halsschmerzen, Husten, Fieber? Das kennt Jürgen Loth nach eigener Aussage nicht. Er habe sich so gut abgehärtet, dass die Kälte seinem Körper nicht mehr schadet. Deshalb ist er mittlerweile auch zu Schritt 3 übergegangen: einer Eiskammer.

Zweimal im Monat fährt der Erzgebirger nach Leipzig und läuft dort bei minus 110 Grad Celsius im Kreis herum. "Nach fünf Minuten kommen die Mitarbeiter und müssen mich immer daran erinnern, dass es jetzt genug ist."

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Wie gut ist Kälte - und wo sind die Grenzen?

Wie weit sollte Abhärtung gehen? Sollte man sich an Jürgen Loth ein Beispiel nehmen? Die Professorin Antje Bergmann von der Uniklinik Dresden rät davon ab. Es gebe wenig Menschen mit einer solchen Kältetoleranz, begründet die Fachärztin für Allgemeinmedizin.

Frieren könne gefährlich werden. Bei Kälte werde nur noch die Körpermitte - der sogenannte Körperkern - durchblutet, Hände, Füße, Ohren und Nase dagegen weniger. Dorthin würden dann weniger Abwehrzellen transportiert. "Das kann leichter zu Infekten führen oder schlimmeren Erkrankungen wie einer Lungenentzündung", so Bergmann.

Kurze Sachen im Winter erhöhen nicht nur die Erkältungsgefahr, sondern auch das Verletzungsrisiko. Denn beispielsweise beim Joggen in T-Shirt und kurzen Hosen werde die Durchblutung in Muskeln, Sehnen und Gelenken gedrosselt. Das kann - besonders ohne Aufwärmung und Vordehnung - zu Zerrungen oder Muskelfaserrissen führen.

Kurze Kältereize zur Abhärtung sind dagegen sinnvoll, empfiehlt die Ärztin und nennt als Beispiele typische Kneipp-Anwendungen wie wechselwarmes Abbrausen oder kurzzeitiges Waten in kaltem Wasser. Durch die Kälteimpulse ziehen sich die Gefäße schnell zusammen und weiten sich wieder. "Es kommt zu einem Training des Gefäßsystems und zu einer Verbesserung der Thermoregulation der Haut", erklärt Antje Bergmann.

Indirekt könne auch die Durchblutung der Nasen- und Rachenschleimhaut gestärkt werden. Dadurch würden mehr Abwehrzellen an die Orte kommen, wo sich vermehrt Viren und Bakterien einnisten.

Studie zeigt Wirkung von Kneipp-Kuren

Die Wirkung von Kneipp-Anwendungen wurde auch wissenschaftlich bestätigt. So untersuchten Mediziner der Universität Jena den Effekt von regelmäßigen kalten Waschungen des Oberkörpers bei Patienten mit chronischer Bronchitis. Betroffene leiden als Folge der eingeschränkten Lungenfunktion häufiger unter Infekten.

Für die Studie erhielten die Patienten dreimal wöchentlich kalte Güsse und zweimal wöchentlich kalte Waschungen des Oberkörpers. Das Ergebnis: Die Häufigkeit der Infekte sank durch die regelmäßigen Wasseranwendungen. Zudem stieg die Zahl der für die Immunabwehr wichtigen Lymphozyten im Blut der Probanden um 13 Prozent.

Auch regelmäßige Saunabesuche sind zur Abhärtung sinnvoll. Dabei geht es bekanntermaßen nicht nur um das Schwitzen bei hohen Temperaturen. Die Wissenschaft weist vor allem auf die positiven Effekte des kalten Duschens nach dem Saunagang hin, das zur Verbesserung der Thermoregulierung der Haut führt.

Allerdings gibt es Uneinigkeit über den Ablauf: Ist es besser, die Saunagänge mit einer kalten Dusche, einem warmen Saunagang oder einer warmen Entspannungsphase zu beenden? Professorin Antje Bergmann rät zu Letzterem und erklärt das so: "Nach dem Kältereiz kommt es zu einer Übererwärmung, weil sich die Gefäße weiten. Das ist für den Körper anstrengend. Deshalb sollte man sich am besten mit einer leichten Decke etwas ausruhen."

Sport und Ernährung helfen ebenfalls

Wer sich viel an der frischen Luft bewegt, könne seine körpereigene Regulation und Durchblutung ebenfalls verbessern. Hier müsse es nicht immer gleich eine große Jogging-Runde sein. Auch ein längerer Spaziergang von 45 Minuten oder eine Runde Nordic-Walking sei ideal. "Dabei wird auch die Armmuskulatur trainiert und der ganze Körper stärker beansprucht", sagt Antje Bergmann und ergänzt, dass es aus oben genannten Gründen besser sei, auch mal eine lange Unterhose anzuziehen, damit die Muskeln warm gehalten werden.

Neben gezielten Kältereizen und Sport ist eine gesunde Ernährung ein wichtiges Mittel gegen Erkältung. Bergmann: "Essen Sie ausreichend Obst und Gemüse, am besten aus der Region. Gerade gibt es ja viele Äpfel."

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Antje Bergmann, Professorin für Allgemeinmedizin an der Uniklinik Dresden
  • Studie der Universität Jena über die Wirkung von Kneipp-Anwendungen

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